(openPR) „Rad erfunden, Pyramiden gebaut, Mars erkundet, Abfluss repariert“ – so schreibt das Handwerk. Mit Blick auf Menschen mit Handicap möchte man ergänzen: ... und Behinderte an Werkbank, ins Büro oder an den Empfang geholt. Denn wenn am Tag des Handwerks „Die Wirtschaftsmacht von nebenan“ für sich wirbt, hat das Bedeutung auch für Behinderte. „Sie können zum Teil durch körperliche und psychische Beeinträchtigung keine langen Wege zur Arbeitsstelle zu gehen. Die Wirtschaftsmacht von nebenan bietet Jobs - nebenan“, so Peter Müller, Mitglied der Unternehmensleitung des Berufsförderungswerkes Hamburg, BFW. Er ruft auf, dass das Handwerk praktisch umsetzt, was in der Theorie „Inklusion“ heißt: die Einbeziehung von Menschen mit Handicap in den Berufsalltag. „Handwerksbetriebe profitieren vom frischen Know How der Menschen, die nach Krankheit oder Unfall neu- oder weiterqualifiziert wurden. Denn sie verfügen über enorme Lebens- und Berufserfahrung und kennen dank BFW-Ausbildung und Praktika den Arbeitsalltag“.
Kleine und mittlere Betriebe wollen bis zu 300.000 Jobs schaffen, so der DIHK-Mittelstands-report 2011. Doch Unternehmen und Handwerk spüren den Fachkräftemangel. Der Mittelstand reagiert, unter anderem durch finanzielle Unterstützung von Gesundheitsmaßnahmen. Der Mittelstandreport verweist zudem auf Musterbeispiele gelungener Integration älterer oder behinderter Menschen. Er nennt einen Hersteller von Industriearmaturen in Frankfurt/Main, Anlagenbauer in Eberswalde oder ein Chemieunternehmen in Mühlheim, die über Integrationsmaßnahmen „neue hochmotivierte Mitarbeiter“ gewinnen konnten. Ein Erfurter Zeitungsunternehmen baute dank Kooperation u.a. mit der Sporthilfe das Haus rollstuhlgerecht um. Ein Kfz-Betrieb in Dietzenbach stellte behinderter Mitarbeiter und Ältere ab 50 Jahren ein. Ein Bergbau-Unternehmen in Heilbronn gliedert Mitarbeiter nach längerer Krankheit stufenweise wieder ein.
Trotz dieser „best practices“ zieht Müller das Fazit: „Schwerbehinderte haben vom Aufschwung nichts. Für sie ist 14,6 Prozent Arbeitslosigkeit Realität“. Die Quote nahm in den letzten drei Jahren um zehn Prozent zu. „Die Bundesregierung hat kein Konzept gegen diesen Skandal. Sie verweist nur auf die gesetzliche Pflicht, dass Firmen mit mehr als 20 Beschäftigten fünf Prozent an Menschen mit Schwerbehinderung geben müssen. Doch viele kaufen sich frei. Das kostet maximal 3.000 Euro. Doch der Behinderte steht auf der Straße“. Seit 2003 liegt die Quote der Ausgleichsabgabe-Zahler konstant bei 65 Prozent. Müller: „Bei Fachkräftemangel können Unternehmen auf Arbeitskräfte zurückgreifen, die eine Umorientierung suchen. Wer diese nicht berücksichtigt, vergeudet Ressourcen“. So mahnt auch der Westdeutsche Handwerktag: „Die Einstellung eines behinderten Menschen wird dabei häufig gar nicht erst in Betracht gezogen. Dabei sollte eine Behinderung angesichts des in vielen Branchen herrschenden Mangels an Fachkräften kein Einstellungshindernis sein. Zumal es zahlreiche unterstützende Maßnahmen, Hilfestellungen und Beratungsangebote gibt.“













