(openPR) Laut dem Ölmulti Shell sind seit Mitte vergangener Woche 217 Tonnen Öl aus zwei Lecks in der Pipeline der Ölbohrplattform „Gannet Alpha“ ausgelaufen. Britische Behörden sprechen von der größten Ölpest in diesem Gebiet seit über 10 Jahren. Was wäre eigentlich, wenn eine vergleichbare Ölmenge weiter südlich bei uns vor der deutschen Nordseeküste auftauchen und Tausende Seevögel verschmutzen würde?
Die Meeresschutzorganisation Project Blue Sea setzt sich seit Jahren dafür ein, dass hierzulande Notfallpläne erarbeitet werden, die sich genau dieser Problematik annehmen. So auch in Schleswig-Holstein, wo verölte Tiere laut Leitlinie aus Kostengründen pauschal getötet werden.
„Wir haben vor einem Jahr dem zuständigen Ministerium in Kiel ein Konzept eingereicht, welches eine detaillierte Beschreibung dafür liefert, wie eine Rettung betroffener Vögel in die Gesamtschadensabwehr zu integrieren sei“, berichtet Sascha Regmann von Project Blue Sea. „Nun wurde uns mitgeteilt, dass Schleswig-Holstein sich Außerstande sieht, in einem größeren Ölschadensfall die für einen Rettungseinsatz notwendige Infrastruktur bereitzustellen, selbst wenn die an einer Rettung beteiligten Tierschutzorganisationen die Kosten einer Rehabilitation selbst tragen würden.“
Dies gleicht einer Bankrotterklärung. Tieren, die durch menschliches Verschulden in eine missliche Lage geraten sind und deren erfolgreiche Rehabilitation aus veterinärmedizinischer Sicht kein Problem darstellt, wird die benötigte Hilfe verweigert. In vielen Ländern weltweit –wie auch im aktuellen Fall in Großbritannien- ist die Rettung von verölten Vögeln nicht nur selbstverständlich, sondern unter Berücksichtigung der vorherrschenden Gesetze sogar Pflicht. Fest verankerte Verbindlichkeiten, Tieren in Not zu helfen, finden sich auch in Deutschland im heimischen Tierschutzgesetz sowie in Artikel 20a des Grundgesetzes.
„Wir sind gespannt, wie man diese Tötungen dem mündigen Bürger im Ernstfall erklären wird. Reha-Maßnahmen für verölte Tiere aus Kostengründen zu verweigern ist eine Farce, da erfahrungsgemäß die Kosten hierfür im Vergleich zur Beseitigung der Ölverschmutzungen auf See und an der Küste bei durchschnittlich 0,5% der Gesamtschadensumme anzusiedeln sind“, so Regmann. „Wir wurden schon im Rahmen vieler internationaler Ölkatastropheneinsätze angefordert, um mit unserem Fachwissen zu helfen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum dieses Wissen von den zuständigen Personen im Kieler Ministerium so beharrlich ignoriert und nicht gewünscht wird.“













