(openPR) Das Wirken des Künstlers Friedensreich Hundertwasser gehört zu den spannendsten der Kunstgeschichte. Es liest und betrachtet sich wie ein Märchen, bedient sich vieler Klischees und war stets dem Streben nach der Einheit von Kunst und Leben gewidmet.
Schon in frühester Schulzeit tritt bei dem als Friedrich Stowasser 1928 in Wien geborenen Hundertwasser ein außergewöhnliches Farb- und Formgefühl zu Tage. Nur wenige Semester an der Wiener Akademie zeigen, dass ihm der gradlinige Weg weder auf der Leinwand noch in der künstlerischen Laufbahn erstrebenswert schien.
Seine Malerei, die er selbst als „vegetativ" bezeichnete, fand bereits ab 1952 in Ausstellungen ihre Bewunderer, und schon fünf Jahre später war er im Besitz von ausreichenden Mitteln, um in der Normandie einen Bauernhof zu erwerben.
Da „sto" in einigen slawischen Sprachen soviel wie „hundert" bedeutet, war flugs ein Künstlername zur Hand. Den „Friedensreich“ erarbeitete er sich in den sechziger Jahren in Japan, abgeleitet von dort gebräuchlichen Schriftzeichen, hinzu kamen „Regentag“, „Kunterbunt“ und andere Namensschöpfungen, die er nicht nur beim Signieren verwendete.
In Asien begann und endete auch seine zweite Ehe, die wie seine erste, drei Jahre zuvor, ein schnelles Ende fand. Denn auch wenn Hundertwasser ein extrem kommunikativer und sozialer Mensch war, wird er von Wegbegleitern oft als Einzelgänger bezeichnet. Stets hatte er einen kleinen Farbkasten in der Tasche, um immer und überall malen zu können, wenn ihm danach war.
Sein umfangreiches Werk ist einzigartig und kann am einfachsten mit der ungeraden Linie beschrieben werden, die in ihrer verschlungenen Krümmung zu der für Hundertwasser so typischen Spirale wird – sie ist absolut kennzeichnend für sein Werk. Auch in seinen Manifesten, Essays und Aufsätzen, die weit über das Thema Kunst hinausgehen, wird er zum Beispiel in der Architektur zu einem der größten Kämpfer gegen den rechten Winkel. Als Sohn einer jüdischen Mutter ist ihm zeitlebens die Shoah als Schmerz in der Seele geblieben – das Karree symbolisiert für ihn die aufmarschierenden Truppen der Diktaturzeit, gegen die es zu kämpfen galt. Der „Architekturdoktor“, wie er sich bisweilen nannte, verstand Architektur als eine weitere menschliche Haut, die sich ökologisch, kreativ und in geschwungener Line dem Menschen anzupassen hat und nicht umgekehrt. Und so sah er in eintöniger Architektur den Hauptgrund für das menschliche Elend.
Hundertwasser erhielt als Teilnehmer der documenta III in Kassel schon früh den Respekt der Kunstwelt. Noch heute begeistert er die Menschen mit seinen außergewöhnlichen Ideen: Kunstfreunde aus aller Welt pilgern zu seinen künstlerisch umgesetzten Architekturskulpturen wie dem 1983 erbauten Hundertwasser-Haus in Wien.
Seiner unglaublich reichen Kreativität sind eine Fülle von Entwürfen entsprungen: von der Uhr bis zum Flugzeug, von der Bibel bis zum Plakat. Als überzeugt ökologisch denkender und praktizierender Mensch widmete er seine Schöpfungen oft dem Wohle gemeinnütziger Ideen wie der Rettung des Regenwaldes oder der Wale. Auch gegen Atomkraft machte er sich stark oder für neue Ideen wie die der „Baumpflicht".
So reich und vielseitig wie sein Oeuvre und dessen künstlerische Umsetzung sind auch Hundertwassers Techniken, die er in der Druckgrafik einsetzt. Nicht nur, dass er alle Möglichkeiten der Drucktechnik vom japanischen Holzschnitt bis hin zum geprägten Siebdruck anwendet, er vervollkommnet sie auch so weit, dass es ihm gelingt, hohe Auflagen in unterschiedlichen Farbvarianten herzustellen und somit unikatären Charakter im seriellen Ablauf zu erreichen, teilweise mit grell schimmernden Metallfolien, die in das Blatt eingearbeitet werden.
Anfang der siebziger Jahre entstand ein Film von Peter Schamoni, der das Leben und Wirken Hundertwassers zeigt, auch die Fahrten auf seinem Schiff „Regentag“, mit dem er immer in Verbindung gebracht wird. Gerade das Reisen, Unterwegs-Sein, das Ungerade, Unstete waren das, was das Leben und das künstlerische Arbeiten Hundertwassers zu einer Einheit verbanden und sein Oeuvre letztendlich zu einem stringenten und einmaligen werden ließen.
Selbst der Tod des großartigen Künstlers zeugt davon: Nach einem Herzversagen im Februar 2000 an Bord der „Queen Elizabeth 2“ wird er, eingewickelt in die von ihm entworfene Flagge für seine Wahlheimat Neuseeland, ebendort unter einem Tulpenbaum beerdigt. Auch wenn er am anderen Ende der Welt ruhen mag, sind uns seine Ideen, Bilder und Bauwerke und auf ewig unvergessen und lebendig.
Gerne wäre ich diesem großen Menschen einmal persönlich begegnet. Meiner Schwester ist ein Interview gelungen. Hundertwasser ließ anschließend seine selbst entworfene Uhr in hohem 5-stelligen Wert liegen. Selbstredend bekam er sie zurück.
Michael Marius Marks











