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Ein Interview mit Marcel René Klapschus

29.07.201113:06 UhrKunst & Kultur
Bild: Ein Interview mit Marcel René Klapschus
"Der Rote Ozean"

(openPR) Vor Kurzem veröffentlichte Marcel René Klapschus bei Periplaneta seinen dystopischen Roman „Der Rote Ozean“. Inzwischen arbeitet er an seinem nächsten Projekt, einem Hybrid aus Graphik Novel und Roman, der Illustrationen im Manga-Stil enthalten soll. Die Geschichte wird sich mit dem Thema Mensch-Maschine auseinandersetzen. Daneben arbeitet er an einer englischen Ausgabe eines ebooks zu seinem Roman. In einem Interview mit Periplaneta erzählt Marcel René Klapschus, wie der „Rote Ozean“ entstand, aus seinem schriftstellerischen Leben und von seinen zukünftigen Vorhaben:



- Die rote Farbe prägt den „Roten Ozean“. Wie entstand die Verbindung von Blut mit den Fluten des Meeres?

Es ging mir in der Geschichte weder um Religion noch um Politik, wie es das Thema vielleicht anfangs vermuten lässt. Der Roman entstand vielmehr aus der Gesellschaft heraus. Aus dem Schweigen, dem Abnicken, dem Resignieren und Akzeptieren um uns herum, dem ich jeden Tag aufs Neue begegne und was mich oftmals in den Wahnsinn treibt. „Der Rote Ozean“ ist vielleicht so etwas wie ein Weckruf an alle selbstentmündigten Realisten auf dieser Welt, die lieber blind dem heiteren Zerrbild von Staat und Medien vertrauen, statt ihr Handeln selbst einmal zu hinterfragen.

Der rote Ozean selbst steht für das Blut, welches jeden Tag auf unserer Welt von dieser „Armee der Ahnungslosen“ vergossen wird. Mit dem Ozean verhält es sich vermutlich ähnlich wie mit dem Klimawandel und dem Ansteigen der Meeresspiegel: Es wird wie so oft nach einem Schuldigen gesucht, aber etwas unternommen wird nicht. Und so nimmt das Unheil weiter seinen Lauf, bis uns die rote Brühe eines Tages bis zum Hals steht.

- Die Romanhandlung stellt unangenehme Fragen nach dem Warum und Wieso menschlicher Handlungen und wie sinnvoll sie sind. War es deine Absicht, den Leser nachdenklich zurückzulassen?

Wenn man, so wie ich, als verträumter Idealist durchs Leben wandert, dann stellt man sich früher oder später die Frage: Wo sind eigentlich all die Träume, Hoffnungen und Ideen meiner Mitmenschen geblieben?
Ich will mit „Der Rote Ozean“ ganz bewusst keine Antworten liefern. Es gibt genug Autoren, die bereits in der Einleitung mit Fachbegriffen und Doktortiteln um sich werfen, nur um den Leser zu verstehen zu geben: Mund halten! Aufpassen! Abnicken! Mein Roman ist kein Lehrbuch oder eine Bibel und ich bin kein Prophet. Ich will den Leuten nicht sagen, was sie denken sollen. Wir alle leben in der gleichen Gesellschaft mit denselben Konflikten. Meine persönliche Meinung ist daher genauso gut bzw. schlecht wie die des Lesers. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn ich mit diesem Buch einen Realisten zum selbständig denkenden Idealisten bekehren konnte, ist das schon Manipulation genug.

- Wie läuft der Schreibprozess ab, wie baust du deine düsteren Untergangswelten, sind sie vorher schon komplett in deinem Kopf?

Mir ist Atmosphäre in meiner Romanwelt sehr wichtig. Sie entsteht in „Der Rote Ozean“ in erster Linie durch die Hilflosigkeit, in der sich die Protagonisten in dieser zerfallenden Welt bewegen. Diese düstere Dystopie stellt einen Gegenpol zu unserer sorgenlosen Spaßgesellschaft dar, aus der ich den Leser für ein paar Stunden entführen will. Diese Welt ist fremd, kompliziert und unangenehm, also bleibt ihm nichts anderes übrig als sich mit ihr auseinanderzusetzen. Der Schreibprozess als solches verläuft, ohne große vorherige Planung. Der Weg ist das Ziel.

- Hast du eine besondere Technik, damit Filmbilder im Kopf des Lesers entstehen?

Ich bin in den 90er Jahren aufgewachsen, als der japanische Anime und Manga-Boom in Deutschland seinen Höhepunkt erreicht hatte, und die neuen Medien gerade erst dabei waren, sich auszuprobieren. Bis heute inspiriert mich der japanische Film und die Light-Novel-Kultur mit ihrer allgegenwärtigen Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion, dem Wechsel zwischen Komödie und Tragödie und der tiefgreifenden Symbolik der Sprache. Vieles davon findet sich auch in meinen Werken wieder und das erst recht in einer Zeit, wo das Genre Fantasy in der westlichen Kultur nur noch zwischen Ork oder Vampir aufgeteilt wird. Das ist mir sehr wichtig, auch wenn ich mir bewusst bin, das ich damit vielen Lesern wohl auf die Füße treten werde. Wenn ich einen Roman beginne, dann weiß ich selbst nie, wohin die Reise geht. Gedanklich sitze ich vor der Bühne des Theaters und rufe meinen Charakteren entgegen: „Verhaltet euch ganz natürlich.“ Und nach wenigen Minuten ergibt sich aus der Interaktion der Charaktere ein teilweise auch für mich immer wieder überraschender Plot mit vielen unerwarteten Wendungen. Ich verstehe mich dann nur noch als „Kameramann“, der diese Geschehnisse für den Leser ins rechte Licht rücken muss. Das ganze klingt vermutlich sehr seltsam, aber dieses Prinzip funktioniert irgendwie.

- Wie organisierst du das Schreiben neben der Arbeit?

„Der Rote Ozean“ ist meist in langen Nächten am Wochenende entstanden. Das Schreiben bietet einen guten Gegenpol zu meiner Arbeit als Fachinformatiker, deswegen ist es gut in Einklang zu bringen. Manchmal war aber auch ein Tapetenwechsel ganz angenehm: So sind auch Teile des Romans auf einem Hotel-Balkon in Lanzarote und einige neue Romanideen in einem viel zu kleinem Appartementzimmer in Japan entstanden. Ich glaube, das hat dem Roman ganz gut getan.

- Der Rote Ozean ist nicht dein erster Roman?

Yuma 23 war mein erster Roman und ein Experiment. Und als solches möge es in Frieden ruhen. „Die Rückkehr der Phoenix“ ist eigentlich der Abschluss einer bisher nicht fertiggestellten Trilogie über eine Spezies, die in ihrer Art offenbar vollkommen ist und doch an unserer Welt zerbricht. Der Roman entstand ohne Verlag, in kompletter Eigenregie über einen Book-on-demand-Dienstleister und fand daher leider nur wenige Käufer. Dennoch gab es einige positive Kritiken zu dem Roman. Wer sich überzeugen will: Er ist nach wie vor über den Buchhandel erhältlich.

- Welche Projekte sind für die Zukunft geplant?

Im Moment arbeite ich an zwei Projekten. Einem kleinerem, mit dem ich mich auf einem etwas anderem Terrain ausprobieren werde als mit dem „Der Roten Ozean“. Und meinem nächsten großen Romanprojekt, das den Arbeitstitel „FAB“ trägt. Der Roman, der in Japan der nahen Zukunft spielt, wird eine Mischung aus Science-Fiction, Fantastik und Drama sein sowie ein Hybrid aus Japanischer Graphic-Novel und herkömmlichen Roman sein. Tatkräftige Unterstützung erhalte ich von meiner Illustratorin Mint, die ich durch Zufall in Japan bei einem BBQ am Strand kennengelernt habe und deren Zeichenkünste im Mangastil perfekt zum neuen Projekt passen. 2012 wird also ein anstrengendes Jahr, man darf also gespannt sein. ;-)

Periplaneta dankt herzlich für das Gespräch und die offenen Worte.
Der Roman ist im Handel und bei Periplaneta erhältlich.

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