(openPR) EHEC – Krisenkommunikation wird immer wichtiger
Billiger als russisch Roulette zu spielen
Lebensmittelkrisen sind nichts neues, schon gar nicht dürfen sie überraschen.
EHEC ist da keine Ausnahme, nur die Spitze eines unappetitlichen Eisbergs. „Schneller als sich EHEC ausbreiten kann, versagt die Krisenkommunikation, schlicht weil niemand vorbereitet ist“, so Ralph Brodel, Geschäftsführer der Bochumer PR-Agentur I-DEAR.
Ausbaden müssen das die Gemüsebauern. Die pflügen ihren, wahrscheinlich unschuldigen, Salat unter die Erde, täglich für 2-3 Millionen €. Hastig gemachte EHEC-Tests, die deutschem Gemüse Unbedenklichkeit bescheinigen, kommen zu spät. „Solche Aktionen sind so, als ob ein Mann mit einem Regenschirm einem Tornado trotzen will.“ so Ralph Brodel, „Was will er aber machen, wenn er nichts anderes hat.“
Keine der maßgeblichen Institutionen, ob Ministerien, Bauernverband oder Verbraucherzentrale, haben eine Kommunikationsstrategie für die EHEC-Krise. Dabei hat sie altbekannte Vettern: von BSE bis hin zu Würmern in Fischen. Lebensmittelskandale kommen und gehen, aber eines ist sicher: sie wiederholen sich. Jeder ist also gewarnt und kennt das Szenario. Eine Bedrohung durch Lebensmittel eskaliert nach den immer gleichen Mustern. Dass Krisenkommunikation diese Muster kennt, mit ihnen umgeht, ist auch bekannt. Warum also kommt es zur Krise in der Kommunikation?
Der Bochumer Kommunikator weißt auf eine Wurzel hin: „Alle Kommunikatoren kennen das Problem: Krisenkommunikation wird angeboten vor der Krise, muß akzeptiert und in der Folge Geld ausgegeben werden, damit in der Krise die Grundzüge automatisiert und koordiniert ablaufen. Doch wer kauft sich einen hässlichen Bunker, wenn gerade die Sonne scheint. Da kaufen die Leute halt lieber ein Segelboot.“
Könnten fertige Krisenkommunikationskonzepte und Strategien aber tatsächlich den Medienhype verhindern? „ Verhindern nicht, es geht ja buchstäblich um das Leben bei Lebensmitteln, aber Millionen von Deutschen müssten nicht über ihrem Gemüse sitzen und denken das sie Väterchen Tod zum Tischnachbarn haben. Und es müssten auch keine Existenzen von Bauern und Gemüsehändler gleich in Massen bedroht werden“ so Brodel „ Krisenkommunikation verhindert keinen Medienhype, es dämmt ihn aber ein, gibt ihm vernünftige Bahnen und abgestimmte Inhalte.“
Die bisherige Geschichte der Lebensmittelskandale und deren Auswirkungen gibt den Krisenkommunikationsexperten immer wieder Recht. So starb während des BSE-Hypes kein einziger Deutscher an den Folgen des Rindfleischverzehrs, während sich 180 britische Landwirte das Leben nahmen und in Deutschland rund 80.000 Bauern vor dem Ruin standen. Die deutsche Bundesregierung musste weit über 2 Milliarden Euro für die Folgen zahlen und bei der EU summierten sich die Milliardenausgaben im zweistelligen Bereich.
EHEC steht da noch vor dem Anfang und wird wahrscheinlich bei dem nächsten Lebensmittelskandal ebenso wie BSE für das Pate stehen, was man eigentlich hätte besser machen können, oder es fällt wieder auf, dass sich Bunker nicht über Nacht bauen lassen. In zwei Jahren werden wir sicher wieder in Ruhe Salat essen, aber vielleicht bei einem Glas Milch den Angstschweiß auf der Stirn haben.










