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Wie Krebszellen das Immunsystem austricksen

07.06.201114:18 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Forscher klären Abwehrstrategie von Tumoren auf

Tübingen (gb) – Um Tumoren zu bekämpfen, greift das körpereigene Abwehrsystem auf verschiedene Strategien zurück: Killerzellen etwa erkennen die bösartigen Zellen als andersartig und töten sie ab. Im Gegenzug schützen sich die Krebszellen ihrerseits vor Angriffen, indem sie sich immunologisch unkenntlich machen. Wissenschaftler aus Tübingen haben nun einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem Tumoren der Immunabwehr entgehen. Die Erkenntnisse sollen zur Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs beitragen. Die Deutsche Krebshilfe hat diese Forschungsarbeiten mit insgesamt 1,3 Millionen Euro unterstützt.



Im Kampf gegen Krankheitserreger und Krebszellen stehen so genannte Killer-Lymphozyten an vorderster Front. Diese besondere Art weißer Blutkörperchen ist ein wichtiger Bestandteil des körpereigenen Abwehrsystems. Mit Hilfe von speziellen Rezeptoren, die wie Antennen aus den Zellen hervorragen, erkennen sie kranke Zellen und töten sie ab. Zu diesen Zell-Antennen gehört der erst vor wenigen Jahren entdeckte so genannte NKG2D-Rezeptor. Dieser erkennt bestimmte Eiweiße, die sich nahezu ausschließlich auf der Oberfläche von Krebszellen befinden und als NKG2D-Liganden bezeichnet werden. In Laborversuchen haben Krebsforscher bereits gezeigt, dass über dieses Rezeptor-System Tumorzellen abgetötet werden.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Helmut Salih, Medizinische Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Tübingen, und Professor Dr. Alexander Steinle, Institut für Molekulare Medizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, haben nun entdeckt, wie es den Tumorzellen gelingt, der Immunabwehr zu entgehen: Die bösartigen Zellen sind in der Lage, ihre NGK2D-Liganden abzustoßen und in den Blutkreislauf abzugeben. Das hat zur Folge, dass die Killer-Lymphozyten die Krebszellen schlechter erkennen. Zusätzlich blockieren die im Körper zirkulierenden NKG2D-Liganden den Rezeptor auf den Killerzellen und schwächen somit zusätzlich das Immunsystem.

„Wenn wir verhindern könnten, dass die NGK2D-Liganden in den Blutkreislauf abgegeben werden, wäre das ein vielversprechender neuer Therapieansatz gegen Krebs“, erklärt Salih. Die Forscher wollen noch einen Schritt weiter gehen und das Immunsystem sogar unterstützen. Denn in weiteren Experimenten entdeckten sie, dass mittels bestimmter Medikamente die Produktion von NKG2D-Liganden in Tumorzellen erhöht werden kann. „Auf diese Weise würde die Immunantwort der Killer-Lymphozyten gegen die Krebszellen sogar verstärkt“, erläutert Steinle. „Bis zum klinischen Einsatz unserer Studienergebnisse ist jedoch weiterhin intensive Forschungsarbeit nötig.“

Seit 2002 wurden die Arbeitsgruppen von Salih und Steinle von der Deutschen Krebshilfe gefördert. In dieser Zeit veröffentlichten die Wissenschaftler bereits vierzehn wissenschaftliche Artikel über ihre Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet in renommierten internationalen Fachmagazinen. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Fortschritte in der Krebsforschung erfordern nicht nur viel Geduld und Ausdauer, bis sie den Betroffenen zu Gute kommen können, sondern auch einen gesicherten finanziellen Rückhalt über einen längeren Zeitraum. Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel für eines der Hauptanliegen der Förderinitiativen der Deutschen Krebshilfe: Die hohe Qualität der onkologischen Forschung in Deutschland weiter zu steigern, um die Heilungschancen der Betroffenen zu erhöhen.“


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Hintergrund-Information: Krebsforschung

Die Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. So konnten die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahren erheblich verbessert werden. Diese Erfolge sind im Wesentlichen auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken, denn die gemeinnützige Organisation ist der wichtigste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. 2009 investierte die Deutsche Krebshilfe über 30 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung viel versprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen.


Projektnr.: 107537

Bonn, 7. Juni 2011

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