(openPR) Vom 5. April bis zum 3. Juli 2011 zeigt das Braunschweigische Landesmuseum im Vieweghaus am Burgplatz die Sonderausstellung „Luxus in Scherben. Fürstenberger und Meißener Porzellan aus Grabungen“. Ungewöhnlich: Der Schwerpunkt der Schau mit rund 600 Objekten, die zum Teil erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt werden, liegt auf der Präsentation bürgerlichen Alltagsporzellans des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Ausstellung basiert auf dem Projekt „Fragmente einer Legende – Weißes Gold aus Grabungen“ des Sächsischen Landesamtes für Archäologie, das 2010 im Japanischen Palais in Dresden gezeigt wurde. In Kooperation mit dem Museum im Schloss – Porzellanmanufaktur Fürstenberg GmbH wurde die Schau für Braunschweig um die Geschichte der Porzellanmanufaktur Fürstenberg erweitert. Ab dem 21. April 2011 wird mit dem Untertitel „Residenzarchäologie in Braunschweig und Wolfenbüttel“ im Archäologischen Museum des BLM in der Herzoglichen Kanzlei in Wolfenbüttel eine zweite Ausstellung zum Thema „Luxus in Scherben“ präsentiert.
Porzellan fasziniert die Menschen seit seiner Erfindung in China im 7. bis 9. Jahrhundert n. Chr. In Europa gelang die Entschlüsselung des Herstellungs-Geheimnisses erst mehr als 1000 Jahre später, durch Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Dresden und Meißen. Im Jahre 1710 mündete die Entdeckung der Rezeptur in der Gründung der ersten Porzellanmanufaktur Europas in Meißen durch August den Starken. Seitdem wird das kostbare repräsentative Porzellan aus Herrscherhäusern gepflegt und gesammelt. In Nachahmung der höfischen Gepflogenheiten schmückte auch das Bürgertum seinen Tisch mit Porzellan – dieses Porzellan jedoch wurde nie systematisch gesammelt. Gefunden wird es heute bei archäologischen Ausgrabungen, also buchstäblich „in Scherben“. Rund 400 aus solchen Scherben rekonstruierte Objekte geben in der Ausstellung zum Teil ungewöhnliche Einblicke in den bürgerlichen Alltag des 17. bis 19. Jahrhunderts, von der Teetasse bis zur Toilettenschüssel.
„Ich freue mich sehr, dass wir mit der ersten Ausstellung ein Projekt präsentieren können, das gleichzeitig den Besucher und den Wissenschaftlers faszinieren kann“, erklärt Dr. Heike Pöppelmann, die im Oktober 2010 die Leitung des Braunschweigischen Landesmuseums
übernommen hat. „Dass es noch dazu ein archäologisches Projekt ist, macht die Sache natürlich umso schöner“, schmunzelt die promovierte Archäologin.
Was die Ausstellung für den Besucher spannend macht: sie erzählt die faszinierende Geschichte der Entdeckung des Porzellans in China und Europa, berichtet über Wirtschaftspionage zum Geheimnis der Rezeptur, über Markenpiraterie, erklärt, wie die Farbe auf das weiße Gold kommt, und wieso die Teekanne so aussieht, wie sie heute aussieht. Inszeniert ist der älteste erhaltene Porzellanbrennofen in Europa, der erst vor ein paar Jahren in Fürstenberg entdeckt wurde. Der Kurator der Ausstellung, Dr. Stefan Krabath, hat ihn zusammen mit Dr. Sonja König selbst ausgegraben. Der Ofen stellt ein einzigartiges Denkmal für die niedersächsische Wirtschaftsgeschichte und die Neuzeitarchäologie dar, das es für zukünftige Generationen zu erhalten gilt.
Anschaulich können die Besucher erfahren, wie Porzellan zusammengesetzt ist und wie es hergestellt wird. Die Ausstellung präsentiert kostbarstes herrschaftliches Porzellan der Welfenfürsten, aber auch Gebrauchsgeschirr des Bürgertums - denn chinesische Importe standen in einfacher Ausführung auch beim gehobenen Bürgertum auf dem Tisch.
Den Wissenschaftler Dr. Krabath fasziniert an dem Projekt das wissenschaftliche Neuland, das mit der Erforschung des bürgerlichen Gebrauchsporzellans betreten wird.
Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen rundet die Ausstellung ab, angeboten werden z. B. Porzellan-Workshops sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Die Sonderausstellung wird ebenfalls das Programm des Internationalen Museumstags am 15. Mai bestimmen, der unter dem Motto „Scherben bringen Glück“ viele Aktionen für Groß und Klein rund um das „weiße Gold“ bieten wird.
Der Museumsshop wird für die Ausstellung um spezielle Artikel erweitert und bietet neben filigranen Teelichtern aus Porzellan Schmuck und Literatur zum Thema an.
Publikation:
Zur Ausstellung erscheint eine fest gebundene Begleitpublikation mit 64 Seiten und 87 Abbildungen zum Preis von 9,50 €
















