(openPR) Kassel. Für den Allgemeinmediziner Dr. Gerhard Euler ist die Nachtruhe am vergangenen Mittwoch um 2 Uhr vorbei. Eine verzweifelte junge Frau steht in der Kasseler Bereitschaftsdienstzentrale vor der Tür und braucht einen Zahnarzt. Sie leidet unter starken Zahnschmerzen. Der Arzt gibt ihr die Rufnummer des zahnärztlichen Notdienstes. Doch nach knapp einer Stunde ist die Frau wieder da. Der Grund ist, dass Sie unter der Nummer keinen Zahnarzt erreichen konnte. Leider ist das für Dr. Gerhard Euler kein Einzelfall: „Ich erlebe immer wieder, dass Zahnärzte trotz Notdienst nicht ans Telefon gehen.“
„Wir Ärzte sind die Deppen“ Das ärgert den pensionierten Arzt sehr. Er schiebt regelmäßig von 19 bis 12 Uhr Nachtdienst in der Bereitschaftsdienstzentrale. „Ich leiste meinen Dienst korrekt. Das erwarte ich auch von den Zahnärzten.“ Weil die es mit der Erreichbarkeit allerdings nicht so genau nehmen, ist es Dr. Euler, der nachts aus dem Bett springt. Viel tun kann er als ungelernter Zahnarzt natürlich nicht. In den meisten Fällen gibt er den Patienten ein Schmerzmittel oder Antibiotikum bei eitrigen Abszessen. „Das ist für mich als Arzt mit Leib und Seele mehr als unbefriedigend.“ Warum die Zahnärzte im Notdienst nicht ans Telefon gehen, kann Dr. Euler nur vermuten. „Die wissen eben, dass wir Dienst schieben. So haben die ihre Ruhe und wir sind die Deppen.“
Zahnarzt Dr. Kuhlmann: “Wir sind als Zahnärzte zum Notdienst verpflichtet”
Für den renommierten Zahnarzt ist es undenkbar, Notfall-Patienten abzuweisen, da es schließlich vorgeschrieben ist, erreichbar zu sein. Zweimal im Jahr haben die vier Praxis-Zahnärzte Wochenend-Notdienst, 24 Stunden von 7 bis 7 Uhr. Sprechstunde gibt es von 10 bis 12 und 16 bis 17 Uhr, während der restlichen Zeit ist ein Anrufbeantworter geschaltet, der die Handynummern der Zahnärzte ansagt. Wir sind Zahnärzte und wir wollen für unsere Kasseleler Patienten immer als Zahnarzt auch ansprechbar sein.
Die meisten Kollegen würden sich an den Notdienst halten, sagt Kuhlmann. Trotzdem kennt auch er Patienten, die den Notdienst nicht erreichen konnten. „Das sollte natürlich nicht passieren. Schließlich kann es sich auch um einen Unfall handeln.“
Patienten sollten schriftlich Beschwerde einreichen
Zur Regelung des Notdienstes heißt es von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen (KZVH): „Notdienst bedeutet erstmal Rufbereitschaft. Der Zahnarzt muss nicht in der Praxis sein, aber er muss über Telefon erreichbar sein.“ Dafür müsse in der Praxis ein Anrufbeantworter laufen, der Festnetz- oder Handynummer des Arztes ansagt. Der Tipp der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen an unzufriedene Patienten: „Reichen Sie schriftlich Beschwerde ein. Nur so können wir den Vorfall prüfen.“ Ein Rat, den die wenigsten Patienten befolgen. Dr. Euler: „Wenn die Schmerzen weg sind, hat kaum einer Lust auf Papierkram.“ Der Allgemeinmediziner will auch in Zukunft nachts aufstehen, um zu helfen. „Ich bin Arzt aus Leidenschaft. Aber veräppeln lasse ich mich nicht.“
+++ EXTRA INFO +++ Einheitliche Notdienstnummer. Welche Nummer man bei einem zahnärztlichen Notfall wählen muss, ist auf der Homepage der KZVH zu erfahren. Waren früher unterschiedliche Leitstellen zuständig, ist ab 2011 eine hessenweit einheitliche Notrufnummer geplant. Für den Großraum Kassel gilt diese bereits seit einem halben Jahr. Anrufer aus z.B. Hofgeismar, Kassel Nord-West und Süd-Ost erfahren unter 01805/ 607011, welcher Zahnarzt in ihrem Bereich Notdienst hat. Das System erkennt bereits an der Nummer, aus welchem Notfallbereich der Anrufer kommt. Wer mit dem Handy anruft, muss Postleitzahl oder Vorwahl eingeben.









