(openPR) Fürth, 25. März 2011 – Knochen- und Gelenkerkrankungen haben vielfältige Ursachen und klinische Manifestation. Die Mannigfaltigkeit der Auslöser für musko-skelettale Erkrankungen hat in den letzten Jahren das Feld der Osteologie erweitert und zu einer Interdisziplinarität geführt. Der jährliche Osteologie Kongress des Dachverbands Osteologie (DVO) forciert diese Entwicklung und ist zu einem wichtigen Forum für Forscher und Mediziner geworden, das wesentlich zum Austausch zwischen Wissenschaft und klinischer Anwendung beiträgt.
Netzwerkbildungen im Bereich der osteologischen Forschung haben einen großen Beitrag zu Veränderungen im Verständnis von Knochenerkrankungen geleistet, so dass beispielweise das Skelettsystem heute nicht mehr als Organ zu interpretieren ist, welches einem einzelnen Fachgebiet zugeordnet ist, sondern eine Interaktion zwischen den einzelnen klinischen Feldern verlangt. Diese Entwicklung ist auch von zentraler Bedeutung in der zukünftigen klinischen Osteoporose-Therapie. So sind heute Ärzte auf dem Gebiet der Osteologie gefordert, die Wechselwirkungen vom Knochensystem mit anderen Organen zu erkennen und in ein ganzheitliches Therapiekonzept einfließen zu lassen.
Kommunikation: Knochenerkrankung und Immunsystem
In den vergangenen Jahren konnte aufgedeckt werden, dass eine enge Interaktion zwischen Immunsystem und Skelettsystem besteht, die im Rahmen des Forschungsfeldes Osteoimmunologie untersucht wird, wobei noch nicht vollends bekannt ist, wie Entzündung Osteoporose auslöst. Bekannt ist, dass gering gradige chronische Erhöhungen von Entzündungsmarkern im Blut mit einer verminderten Knochendichte und einer erhöhten Frakturneigung einhergehen.
Knochengesundheit und Bildgebung: neue Erkenntnisse
In der Osteoporose ist die Knochendichtemessung nach wie vor eine essentielle Methode zur Bestimmung des Frakturrisikos und zur Verlaufskontrolle unter Therapie. Mit neuen Methoden wie z.B. der quantitativen Computertomographie oder der Finiten Elemente Analyse sowie mit Hilfe hochauflösender medizinischer Bildgebung werden neue Einblicke in die Veränderung der Festigkeit der Knochenstruktur gewonnen, um klinische Therapien weiter zu optimieren. Darüberhinaus werden quantitative bildgebende Methoden zunehmend auch für andere muskuloskelettale Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder der Arthrose entwickelt. Ein weiteres Gebiet ist Charakterisierung der Muskeleigenschaften, wie z.B. des Fettgehaltes, sowie neue Methoden der molekularen Bildgebung, sie z.Zt. primär in der präklinischen Forschung eingesetzt wird.
Volkskrankheit und seltene Erkrankungen
Im Bereich der muskuloskelettalen Erkrankungen ist Hypophosphatasie (HP) im Gegensatz zur Osteoporose zu den seltenen Erkrankungen zu zählen. Diese seltene, autosomal rezessiv vererbte Erkrankung ist charakterisiert durch eine Störung der Knochenmineralisation mit Knochendeformitäten, Frakturen oder auch chronischer nicht bakterieller Osteomyelitis, schwer Betroffene Säuglinge können nach der Geburt daran versterben. Bislang war eine effektive Therapie nicht verfügbar. Jetzt wurde eine Enzymersatz-Therapie an Säuglingen und Erwachsenen erfolgreich erprobt, im Lauf dieses Jahres wird sie im Rahmen einer ersten Studie auch in Deutschland verfügbar. Der Bundesselbsthilfeverband HPP Deutschland e.V. verleiht auf diesem Kongress erstmalig einen Forschungspreis und unterstreicht damit die Relevanz der interdisziplinären Forschung, verbunden mit der Erwartung, dass Forschung im Bereich Seltener Erkrankungen in Zukunft vermehrt gefördert wird und die Versorgungslage Betroffener damit nachhaltig gebessert werden kann.
Knochengesundheit und DVO
Der Dachverband Osteologie (DVO) als Gemeinschaft aller ärztlich wissenschaftlichen Fachgesellschaften in der Osteologie umfasst alle Forscher im diesem Bereich und hat flächendeckend Qualitätsstandards, Handlungsalgorithmen und notwendige Kompetenz-Strukturen (S3-Leitlinie, Zertifizierungen „Osteologe/in DVO“ und „Osteologisches Schwerpunktzentrum DVO“) geschaffen. Zur Qualitätsevaluation hat der DVO im letzten Jahr auch ein Deutsches Osteoporose-Register initiiert. Es bleiben weiterhin Maßnahmen erforderlich, die eine schnelle Übertragung der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis gewährleisten, Maßnahmen zur Vorbeugung von Erkrankungen implementieren und Versorgungsprozesse optimieren. „Die Forschung muss Grundlage für die weitere Verbesserung medizinischer Versorgungsstrukturen sein und dem Patienten zu Gute kommen“, so die DVO-Vorsitzenden Prof. Dr. Heide Siggelkow und Dr. Hermann Schwarz.












