(openPR) Beraterinnen in Münster fordern, Mütter und pflegende Angehörige bei der Rückkehr in Arbeit gezielter zu unterstützen
IAB-Studie: Mütter tragen das größte Risiko
Zum Internationalen Frauentag machen Beraterinnen im Arbeitskreis BündnisFrauenArbeit auf die schwierigen beruflichen Perspektiven der Mütter im Arbeitslosengeld II-Bezug aufmerksam. Mutter zu sein verringert die Wahrscheinlichkeit, aus dem Arbeitslosengeld II-Bezug wieder in Arbeit zu kommen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Mutterschaft ist demnach einer von neun zentralen Risikofaktoren für den sogenannten „Abgang aus der Grundsicherung in Arbeit“.
In Münster ist das nicht anders. Darauf weisen Beraterinnen von Frauen & Beruf, der VHS und die Beauftragte für Chancengleichheit im JobCenter, Annette von Bischopink, hin. „Von den 3.695 Bedarfsgemeinschaften mit Kindern unter 18 Jahren waren im Oktober 2010 2.002 Alleinerziehende, unter dreijährige Kinder leben in 1.278 Bedarfsgemeinschaften.“ Gerade für deren Mütter sei eine Rückkehr auf den Arbeitsmarkt schwierig. „Und zwar unabhängig davon, ob sie alleinerziehend sind oder mit einem Partner zusammenleben“, so die IAB-Studie.
Zu den Risikofaktoren, die laut IAB die Rückkehr in Arbeit verhindert, gehören außerdem fehlende Ausbildungen oder Abschlüsse, ein höheres Alter, Zuwanderung und auch die Pflege von Angehörigen. Jeder dieser Faktoren halbiere die Wahrscheinlichkeit, wieder in Arbeit zu kommen. Mit Kleinkindern unter drei Jahren, sei die Wahrscheinlichkeit, wieder eine Arbeit zu finden, gleich Null. „Mehr als 50 % der Bedarfsgemeinschaften mit Kindern in Münster sind seit mehr als zwei Jahren ohne Arbeit“, so Annette von Bischopink. Um diese Gruppe gezielter zu unterstützen, werde derzeit im JobCenter in „Team Alleinerziehende“ aufgebaut.
„Wir nehmen die Analyse des IAB sehr ernst“, sagt Brigitte Sträßer von Frauen & Beruf. Eine Gefahr sieht sie insbesondere darin, dass vor allem für Frauen, die mehr als 15 Stunden wöchentlich arbeiten wollen, Kinder ein Hindernis auf dem Arbeitsmarkt darstellen. Das führe dazu, dass viele Frauen auf geringfügige Beschäftigungen ausweichen. Für die Beraterinnen eine Falle: „400-Euro-Jobs sind nicht der versprochene weiche Übergang in die Erwerbstätigkeit“, so Gabriele Rickert von der Volkshochschule. „Frauen, die länger geringfügig arbeiten, erhöhen dadurch nicht ihre Chance auf ein reguläres und existenzsicherndes Arbeitsverhältnis.“
Was vor allem problematisch sei: Sobald eine Frau durch einen geringen Zuverdienst dafür sorge, dass die Familie keine finanziellen Leistungen mehr vom JobCenter erhalte, verliere sie den Anspruch auf erneute qualifizierende und unterstützende Maßnahmen. „An dieser Stelle müssen sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändern“, so Brigitte Sträßer von Frauen & Beruf. „Der Gesetzgeber bietet wenig Spielraum für eine existenzsichernde und eigene Erwerbstätigkeit der Frauen.“













