(openPR) Von Martin Müller-Mertens
Einen Augenblick lang fühlt man sich in die frühen 90er Jahre versetzt, als das Wort Räumung im geeinten Berlin seinen Klang erhielt. Eines der letzten linksalternativen Wohnprojekte Berlins steht vor dem erzwungenen Aus. Der Senat präsentiert sich in stoischer Härte. Die 30 Bewohner und ihr Sympathisanten-Umfeld üben sich in verbal-radikalen Ankündigungen. Die Knüppel liegen bereit, die Kameras sind aufgebaut. Mittendrin die Liebigstraße 14. Am 3. Februar soll sie Geschichte sein.
Beliebt waren sie nie, die wenigen verbliebenen einst besetzten Häuser. Zu bürgerfeindlich-elitär statuierte sich die Szene stets, um auf irgendeine Verankerung zu hoffen. Des Nächtens brennende Autos jedweder Preisklasse – seit zwei Jahren neues Symbol der gentrifizierten Hauptstadt – zementierten den Abschottungsring der "Alternativen". So darf sich Innensenator Ehrhard Körting (SPD) einer still nickenden Zustimmung sicher sein, wenn er im Innenausschuß des Abgeordnetenhauses jeden Kompromiß ausschließt. "Die Polizei ist rechtlich verpflichtet, dem Gerichtsvollzieher Amtshilfe zu leisten" sagt Körting in dem ihm eigenen Stil, der politische Fragen gerne auf formaljuristische Formeln herunterbricht. Zugleich "gedenkt" Körting "nicht", den Bewohnern ein Ausweichobjekt anzubieten.
Diese bereiten sich derweil auf ihre mystische letzte Schlacht vor – besungen wurde sie bereits vor Jahrzehnten. Ein Festival ist organisiert, eine "Ermittlungsausschuß" im Stile verflossener 1. Mai-Demonstrationen gebildet, für die angereisten Unterstützer eine "Pennplatzbörse" eingerichtet. Außerdem hagelt es Martialiken: "Ob Großdemo oder Kleingruppenaktion, dieser Räumungsversuch wird nicht unbeantwortet bleiben." Doch es gibt keinen "Räumungsversuch", sondern eine Räumung. Nur so vergleichsweise ruhig, wie im vergangenen Jahr beim Liebig-Pendent in der Brunnenstraße 183 soll es nicht zugehen.
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