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Die wahren Helden von Haiti

11.01.201111:08 UhrVereine & Verbände
Bild: Die wahren Helden von Haiti
UKBS: Veronica Desir überlebte das Erdbeben unter dem Körper ihrer toten Schwester schwer verletzt.
UKBS: Veronica Desir überlebte das Erdbeben unter dem Körper ihrer toten Schwester schwer verletzt.

(openPR) Wiederaufbau schwierig, doch Fortschritte werden erzielt

Karlsruhe / Port-au-Prince – Für die Haitianer war das Jahr 2010 ein Katastrophenjahr. Nach dem verheerenden Erdbeben im Januar mit mehr als 230.000 Todesopfern, folgte im Oktober der Ausbruch der Cholera. Im November fegte Hurrikan Tomás über die Inselrepublik. Bis heute leben mehr als eine Million Menschen in provisorischen Notlagern und sind auf die Hilfe von Organisationen und der internationalen Staatengemeinschaft angewiesen. Die Cholera hat inzwischen über 3.700 Menschenleben gefordert und rund 170.000 Frauen, Männer und Kinder sind, laut Angaben der haitianischen Regierung, wegen Cholera behandelt worden. Die Dunkelziffer liegt vermutlich bedeutend höher. Trotz dieser Katastrophensituationen haben die Haitianer ihren Glauben und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verloren. Und das, obwohl bereits vor dem Erdbeben die Mehrheit von ihnen ums tägliche Überleben kämpfen musste. Sie sind die wahren Helden von Haiti, genauso wie die vielen Helfer, die sich vor Ort für eine bessere Zukunft der Inselbewohner einsetzen.


Heldentum hat viele Namen: Erin Kloos, Veronica Desir, Augusnel Osmé, Jean Nebez Augustin oder Pater Richard Frechette. Erin Kloos stand am 12. Januar 2010 unter der Dusche, als um 16.53 Uhr Ortszeit die Erde bebte. Die 27-Jährige leistete ein freiwilliges soziales Jahr beim Kinderhilfswerk „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ in Haiti. Zum Zeitpunkt des Erdbebens befand sie sich in ihrer Unterkunft im „Padre Wasson Zentrum“. Aufgrund der Stärke des Bebens kollabierte das Gebäude und Erin wurde, wie ihr Bruder Ryan, die Freiwillige Molly Hightower, deren Freundin Rachel Prusynsky, und der Arzt Manuel Castro unter den Trümmern verschüttet. Die herbeigeeilten Helfer, darunter die beiden Haitianer Augusnel Osmé und Jean Nebez Augustin, konnten Erin, Rachel und Dr. Castro lebend aus den Trümmern bergen. Für ihren Bruder Ryan und Molly Hightower kam jede Hilfe zu spät. Trotz dieser traumatischen Erlebnisse kehrte Erin Kloos im Dezember als freiwillige Helferin nach Haiti zurück, um in den Sanitätszelten von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ bei der Bekämpfung der Cholera mitzuhelfen. Bis heute haben die Ärzte und Schwestern der Organisation fast 2.000 Patienten erfolgreich behandelt.
Veronica Desir war zum Zeitpunkt des Erdbebens zwei Jahre alt. Als das Beben sich ereignete, rannte ihre ältere Schwester zu ihr und warf sich schützend über sie. Veronica überlebte unter dem Körper ihrer toten Schwester. Ihr linkes Bein wurde aber so schwer verletzt, dass es, trotz aller Anstrengungen der Ärzte, im Kinderkrankenhaus von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ (St. Damien) amputiert werden musste. Ihr Vater sagte: „Ich fühlte mich so alleine. Meine Frau wurde beim Erdbeben getötet, genauso wie meine älteste Tochter. Und nun musste ich zuschauen, wie meiner jüngsten Tochter das Bein amputiert wurde. Es war unerträglich. Ich bat um Vergebung und betete für Stärke.“ Veronica hat inzwischen im Orthopädiezentrum von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“, wie viele andere Kinder und Erwachsenen, eine Prothese erhalten und gelernt, damit zu laufen. Sie ist inzwischen wieder ein fröhliches kleines Mädchen. Ihr Vater erhielt Arbeit als Lehrer im Physiotherapie- und Rehabilitationszentrum des Kinderhilfswerks. Dort betreuen Therapeuten und Lehrer derzeit rund 120 behinderte Kinder.
Pater Richard Frechette, der Leiter von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ in Haiti, engagiert sich bereits seit mehr als 20 Jahren in dem bitterarmen Karibikstaat. Zusammen mit seinen inzwischen fast 1.000 Mitarbeitern, hat der Priester und Arzt zahlreiche Projekte, darunter ein Kinderdorf, zahlreiche Schulen, medizinische und therapeutische Einrichtungen aufgebaut. Viele von ihnen gelten als zukunftsweisend in Haiti. Zum Zeitpunkt des Erdbebens befand sich Pater Frechette bei seiner sterbenden Mutter in den USA. Auf deren Bitte hin kehrte er umgehend nach Haiti zurück, um dort die Hilfe von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ zu koordinieren und neue Projekte anzustoßen. Allein in den ersten drei Wochen nach dem Beben behandelten die Ärzte und Schwestern der Organisation mehr als 20.000 Verletzte im Kinderkrankenhaus oder in mobilen Kliniken in den Armenvierteln. Da es aufgrund der Traumatisierung bei schwangeren Frauen immer wieder zu Frühgeburten kam, wurde im Kinderkrankenhaus eine Entbindungs- und Neugeborenenstation eingerichtet. Heute wird diese Abteilung von schwangeren Frauen aus dem ganzen Land genutzt. Das Orthopädiezentrum entstand, weil tausenden von Verletzten nach dem Beben Gliedmaßen amputiert werden mussten und Orthopädiezentren im haitianischen Gesundheitswesen rar sind. Inzwischen haben rund hundert Männer, Frauen und Kinder Prothesen erhalten und können wieder ein weitgehend selbständiges Leben führen. Die meisten kommen regelmäßig zur Therapie und die Prothesen für Kinder werden bei Bedarf neu angepasst.
Die Versorgung der Menschen in den Armenvierteln mit Lebensmitteln und sauberem Wasser war bereits vor dem Erdbeben eine der größten Herausforderung für die Mitarbeiter von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“. Unmittelbar nach dem Beben konnten dank der eigenen Bäckerei und Pastafabrik tausende von Hungrigen in den Armenvierteln und Zeltlagern versorgt werden. Bis heute liefern die Mitarbeiter von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ täglich Tonnen von Lebensmitteln sowie mehr als 80.000 Liter sauberes Wasser in die Notunterkünfte und versorgen die Kranken dort medizinisch. Um die Seuchengefahr zu mindern hat „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ als eine der wenigen Hilfsorganisationen sanitäre Anlagen in Notunterkünften errichtet. Insgesamt unterstützt die Organisation mehr als 83.000 notleidende Menschen in Haiti.
Ein besonderes Augenmerk legten Pater Frechette und seine Mitarbeiter nach dem Erdbeben auf die traumatisierten Kinder in den Notunterkünften. Um sie aus dem tristen Alltag herauszuholen und ihnen Normalität und ein kindgerechtes Leben zu ermöglichen, riefen sie ein pädagogisches Notfallprogramm, das „Engel des Lichts“-Programm, ins Leben. 1.500 Kinder und Jugendliche erhalten täglich Unterricht, können durch Spielen, Tanzen und miteinander Lachen die Traumata des Erdbebens bewältigen. Um diese Kinder auch künftig zu fördern, wird eine neue Schule für sie gebaut. Für diejenigen Kinder, die beim Erdbeben zu Waisen wurden, soll demnächst ein neues Kinderdorf in Tabarre, einen Vorort von Port-au-Prince, gebaut werden. Momentan sind Kleinkinder in Alter von bis zu sechs Jahren in einem angemieteten Gebäude untergebracht, dem Babyhaus „St. Anne“, Die älteren Kinder werden von den Mitarbeitern im „St. Louis Child Protection Camp“, einem Containerdorf auf dem Gelände des Kinderkrankenhauses „St. Damien“, betreut.
Die Hilfe zur Selbsthilfe ist ein wesentlicher Bestandteil der Philosophie von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ und sollte Grundlage jeder Entwicklungshilfe sein. Deshalb vergibt das Hilfswerk Kleinkredite an Haitianer, die ihren Traum von einem selbstbestimmten Leben verwirklichen wollen. Mit einem zinslosen Darlehen gründen Frauen Nähereien, Männer betreiben Landwirtschaft oder bauen eine Werkstatt auf. Kleinkredite erhalten auch ehemalige Heimkinder, deren Zuhause beschädigt oder zerstört wurde. Mit dem Geld können sie ihr Haus wiederaufbauen oder renovieren.
Trotz des vielen Leids, das die Haitianer im letzten Jahr getroffen hat, geben sie die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht auf und freuen sich über das Erreichte. So schreiben die haitianischen Mitarbeiter von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“: „Wir sind stolz auf alles, was wir in den letzten Monaten geleistet haben. Von außen betrachtet, sah das Ganze vielleicht hoffnungslos aus. Doch wir sind mittendrin und wir kämpfen für die Kinder. Haiti und die vielen Programme von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ sind der einzige Ort, an dem wir Kraft schöpfen können. Wir selbst haben auch alles oder fast alles verloren. Wir sind nicht nur ein eingespieltes Team, sondern auch eine Familie. Wir leiden und lachen zusammen und schenken uns gegenseitig die Kraft um weiterzumachen.“
Die Menschen in Haiti werden auch mittelfristig noch auf Hilfe angewiesen sein. Deshalb bittet „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ weiterhin um Spenden auf das Konto 12000, BLZ 660 205 00 bei der Sozialbank Karlsruhe. Stichwort: Haiti. Im Spenden-Onlineshop kann unter http:www.MyGoodShop.org gezielt für die medizinische Nothilfe gespendet werden.

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