(openPR) Erste Hybrid-OP-Patientin im HKZ nach Heilung entlassen
Rotenburg/Malsfeld. Eine Operation im herkömmlichen Stil, mit Öffnung des Brustkorbes und Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine, hätte es für Frau Reuther wohl nicht mehr gegeben. Zu viele Faktoren standen dagegen, als die 88-jährige Malsfelderin im Oktober als Notfall in das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg eingeliefert wurde. Seit dem Sommer litt sie bereits unter Druck im Brustraum, das Atmen fiel ihr zusehends schwerer. Mit Wasserablagerung in der Lunge und sehr geschwächt wurde sie dann vor einigen Wochen mit einem Rettungswagen in das HKZ gebracht, wo man ihr bereits 2006 einen Bypass gelegt hatte.
Minimalinvasive Operation
Für den renommierten Herzspezialisten am HKZ, Dr. Graff, war sie ein Fall für den neuen Hybrid-Operationssaal des Herz- und Kreislaufzentrums. Über einen kleinen Schnitt unterhalb der Brust verschafften sich die Ärzte Zugang zur Aorta. Mit einem Ballon wurde die Aorta geweitet und die „alte“ Herzklappe zur Seite gedrückt. Ein neuartiger Stent (Metallgerüst), an dem eine biologische Herzklappe befestigt ist, wurde Frau Reuther an der Stelle eingesetzt, wo die defekte Herzklappe ihren Dienst versagte – am Übergang vom Herz zur Aorta. „Sie sehen, ich strahle. Es geht wieder bergauf“, sagte die 88-Jährige nur wenige Tage nach der Operation sitzend im Bett. Frau Reuther bekommt wieder Luft, konnte nur kurze Zeit nach dem Eingriff ihr Krankenbett verlassen und bereits mit ihrem Trainingsporogramm beginnen: Treppensteigen im Herz- und Kreislaufzentrum. Am Mittwoch (gestern) hat Frau Reuther das Herz- und Kreislaufzentrum in Rotenburg wieder verlassen. Weitere Reha-Leistungen lehnte sie ab – in ihrem Familienverbund in Malsfeld sei für sie bestens gesorgt, meinte die 88-Jährige.
„Weniger“ geht nicht
„Herausragend ist, dass wir jetzt im Hybrid-OP auch betagten Patienten eine neue Herzklappe implantieren und dabei auf den Einsatz der Herz- Lungen-Maschine verzichten können“, erklärt der Herzchirurg und Operateur Dr. Jürgen Graff gegenüber nh24. Die Patientin erholte sich schnell von der Herzoperation und spürt die neue Lebensqualität sofort. Frau Reuther geht es nach so kurzer Zeit deshalb wieder so gut, weil das umliegende Gewebe durch den Eingriff nur gering traumatisiert ist und wir auf den Einsatz der Herz- Lungen-Maschine verzichten konnten. „Das verstehe ich unter minimalinvasiv“, so Dr. Graff.
Graffs Chef, Prof. Dr. Vallbracht, wagt einen Blick in die Zukunft: „Die minimalinvasive Behandlung von Herzkrankheiten wird in Zukunft einer immer größeren Anzahl unserer Patienten zur Verfügung stehen. Irgendwann einmal können wir vielleicht die Mehrzahl aller erwachsenen Patienten ohne Brustöffnung am Herzen operieren.
Hintergrund:
Etwa 300 Aortenklappen werden jährlich im Herz- und Kreislaufzentrum eingesetzt. Geplant ist im ersten Jahr, dass etwa 20% der Patienten minimalinvasiv behandelt werden können. Eine Operation kostet etwa 34.000,- Euro, wobei etwa 16.000,- Euro auf die neue Herzklappe entfallen. Während der Operation arbeiten Kardiologen und Kardiochirurgen an einem „Tisch“. Ein Radiologe ist in Bereitschaft und kann zur Diagnostik herangezogen werden. In Zukunft ist durchaus vorstellbar, dass auch der Radiologe noch im OP-Saal seinen ständigen Platz finden wird und bei den Operationen anwesend ist, so Dr. Graff gegenüber nh24.
Für Guido Wernert, Geschäftsführer des Herz- und Kreislaufzentrums ist die technische Weiterentwicklung auch die Fortführung der Philosophie seines Gesundheitszentrums: „Für unsere Patienten ist es entscheidend, dass die Herzspezialisten in unserem Zentrum mit den besten Techniken arbeiten, die es gibt. Nur so erkennen die Ärzte schnell, welche Herzerkrankung vorliegt und wie sie sofort helfen können.
Das besondere an diesem neuen OP ist sein Konzept. Es handelt sich in unserer Region erstmals um einen gemeinsamen Arbeitsplatz von Kardiochirurgen und Kardiologen – eine Kombination aus Operationssaal und Herzkatheterlabor. Für beide Fachgebiete ist diese direkte Zusammenarbeit am selben OP-Tisch völlig neu."
Ein Aushängeschild für Siemens
Das Herz- und Kreislaufzentrum ist mit dem neuen Hybrid-Operationssaal technisch auf dem neusten Stand der Technik und auf Augenhöhe mit führenden herzchirurgischen Kliniken auf der ganzen Welt.
Die moderne Technik von Siemens im Hybrid-Operationssaal , den Herzkatheterlaboren und bei der Schnittbildgebung (CT und MRT) sind im Routinebetrieb täglich im Einsatz. Grund genug für Siemens, das HKZ und die Gemeinschaftspraxis der Radiologen Dr. Flicker, Dr. Reh und Szabon, mit dem 3 Tesla MRT und dem neuen Computertomographen „Samatom Definition Flash“, als eines von wenigen Referenzzentren weltweit zu benennen. Dabei spielt aber nicht nur die Technik eine wichtige Rolle, vielmehr ist es der gesamte Arbeitsablauf, der „Workflow“ der Diagnostik und Behandlung, der anderen Leistungsträgern weltweit ein Beispiel zum Nachahmen geben soll.













