(openPR) Horst Dieter Rauh, Nächtliche Muse. Über die Träume bei Proust
Matthes & Seitz, Berlin 2010, 106 S., Euro 12,80
Der wohl größte Erzähler des 20. Jahrhunderts, Marcel Proust, spürt in seinem Monumentalroman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" dem Geheimnis von Zeit und Erinnerung nach. Aus der Fülle der Motive sticht eines hervor, das in dieser Studie zum ersten Mal eingehender behandelt wird: der Traum als kreatives Spiel, als Stichwortgeber und wichtiges Moment der Inspiration. Der Traum ist jene Gegenwelt, dem sich bei Proust das reale Romanwerk verdankt: weil ein junger Mann davon träumt, Schriftsteller zu werden. Für Proust war der Traum eine „nächtliche Muse“, vergleichbar der Prinzessin Scheherazade, die in „Tausend und einer Nacht“ den Erzählfluß am Leben erhält. Solange sie erzählt, wird sie nicht sterben. Der Traum ist Experimentfeld für Gedanken, ein Mittel, um neue Wirklichkeit zu schaffen: Ohne den Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, zu kennen, hat Proust seine eigene Philosophie von Traum und Erinnerung entwickelt. Menschen träumen, weil sie sterblich sind; sie träumen den Traum von Unsterblichkeit. Da jeder Traum aber erzählt werden will, verdankt sich ihm sogar die Literatur.











