(openPR) 27.10.2010
Der goldene Herbst – die Zeit der warmen Farben, der leuchtenden Blätter und der ausgedehnten Spaziergänge in der Natur. Allerdings auch die Zeit missmutiger Äußerungen über die Notwendigkeit, lästiges Laub zusammenzuharken und zu entsorgen. Solcherlei Unlustgefühle sind Paul Schwedtke fremd. Der Unternehmer im Ruhestand und Gründer des KräuterPark Stolpe sagt: „Jetzt ist die Zeit, Bäume zu pflanzen.“ Wie er den heimischen Gewächsen gegenüber empfindet und wie er sich mit ihnen beschäftigt verdeutlicht sein Artikel über Lindenbäume.
Linden werden uralt. Sie gehören bei uns zu den langlebigsten Bäumen. Zwar faulen sie oft von innen heraus, gleichen die Schwächung der Statik jedoch durch Sekundärwurzeln wieder aus. Grund für ihr Faulen sind Becherkronen, in die viel Regenwasser läuft. Ein rechtzeitiger Schnitt verhindert solch ein Malheur.
Bestaunt werden Linden wegen ihres Alters. Angeblich gibt es 1000jährige, was man allerdings bezweifeln muss. Erschwert die Messung durch die angesprochene Fäulnis im Stamm. Es ist einfach kein Holz da, das man messen könnte, weder dendrochronologisch noch nach der C 14 Methode – und natürlich gibt es auch keine Jahresringe mehr.
Die Germanen schätzten die Linde als „Salatbaum“. Ihre bis Mitte Mai jungen Blätter kann man auch heute noch dafür verwenden. Die Inhaltsstoffe der Blüten helfen wirksam bei Erkältungen. Schnitzer und Bildhauer lieben das Holz der Linde. Den Bast der Schösslinge, - den Puschen unten am Stamm - verwendeten unsere Vorfahren zum Anbinden und Fixieren von Pfropfstellen beimVeredeln von Obstbäumen, zur Herstellung von Stricken und von Kleidern. Und auch in der Mythologie hat sie vielfache Bedeutungen. Viele Sagen, Geschichten und Lieder ranken sich um die Linden, mehr als um irgendeinen anderen Baum. An Sommerabenden kamen die Menschen an den Dorflinden zusammen und genossen Musik, Gesang und gemütliche Unterhaltung. Oder sie versammelten sich zum Thing oder Gerichtstag.
Noch bis ins 20. Jahrhundert diente der Bereich ihrer dichten Krone als Fest- und Tanzplatz. Oft wurde sogar eine Plattform direkt in die Krone gebaut. Hier vergnügte sich die Jugend bei Musik und Spiel. Warum? Wer einmal einen Sommerabend unter oder in blühenden Linden erlebt hat, der wird den betörenden Duft der Lindenblüten nicht wieder vergessen. Und dieser Duft gelangt durch die Nase und das Jacobson-Organ direkt ins Stammhirn, den Sitz unserer Emotionen. Tanzende unter Linden werden sich kaum der Wirkung dieses Duftes entziehen können. Vielleicht ist er sogar dafür verantwortlich, das so viele Menschen im Mai Geburtstag haben?
Auf dem Hof des KräuterPark Stolpe steht eine etwa 400 Jahre alte Linde. Auch ihr Alter können wir nicht messen wegen der Stammfäule. Ihr Umfang von gut 5 Metern gibt einen Anhaltspunkt. Leider steht sie heute im Wegebereich, so dass sie als Tanzlinde ausscheidet. Jedoch hat das Unternehmen re-natur aus Ruhwinkel, als es den Hof 1983 erwarb, sofort fünf neue Linden gepflanzt. Inzwischen sind sie so groß, dass wir im Sommer 2010 eine Tanzebene unter den Bäumen errichten konnten. Die Einweihung feierten wir an einem lauen Sommerabend, bei betörendem Duft der Lindenblüten und bei „handgemachter“ Musik. Das war für alle Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis.
Es gibt in ganz Deutschland nur noch wenige Tanzlinden, die dann allerding oft zum Tourismus-Magnet werden. Bis auf eine wachsen sie alle im Süden.
Draußen ist jetzt Pflanzzeit. Wie wäre es, schnell eine Linde zu pflanzen?












