(openPR) Viele Wege führen hinein, aber nur schwer findet man wieder hinaus. Elfland lockt mit zahlreichen Wundern und nie gehörten Tönen. Eigentlich müssten überall am Wegesrand dieser imaginären Märchenwelt Warnschilder angebracht sein: Achtung: Hohes Suchtpotential! Denn man betritt Elfland auf eigene Gefahr. Schon nach wenigen Takten reibt man sich verwundert Augen und Ohren. Kann das sein? Hört man richtig? Brasilianische Klangfarben mit Drum'n'Bass Texturen, heftige Heavy Metal Attacken auf gehämmerten Klaviersaiten, Punkrock trifft auf John Cage. Alles da in Elfland. Und alles nur von einem Trio gespielt, dem Trio ELF.
Dieses Trio mit Pianist Walter Lang, Bassist Sven Faller und dem überaus lebendigen menschlichen "Drumcomputer" Gerwin Eisenhauer ist ein klassisches Jazztrio in der Besetzung, jedoch keineswegs in seiner Auffassung von dem, was und wie Jazz sein sollte und wie er zu klingen hat. Dieses Idiom erweitern Trio ELF nach ihrem Geschmack, würzen das Ganze mit einer Prise wohl dosierter Elektronik und kreieren ihren ganz und gar eigenen, sehr schmackhaften Cocktail daraus. Die Musik von Trio ELF klingt angenehm vertraut, aber die zarten melodischen Deutungen und die in Moll getauchte Wirklichkeit der Klänge sind zu kapriziös, die elektronische Umsetzung einer rein akustischen Instrumentenwahl zu fein ziseliert, als das man Parallelen zu anderen Bands und Gruppierungen ziehen könnte. Nein, das Trio ELF bleibt in seiner Eigenständigkeit uneingeschränkt, wie auch schon auf den viel beachteten und von den Medien positiv wahrgenommenen Vorgängeralben Elf und 746. Gerade dieser Erfolg gab der Gruppe die Möglichkeit, in den letzten zwei Jahren mehr Konzerte zu spielen und ein größeres Publikum zu erreichen. "Bei diesen Tourneen hatten wir reichlich Gelegenheit, unser Programm Schritt für Schritt zu erweitern und uns organisch weiterzuentwickeln", bestätigt Bassist Sven Faller. "Die Stücke sind aus der Inspiration der Konzerte und der dazugehörigen Reisen entstanden. So gesehen ist 'Elfland' vielleicht dieser Raum in dem wir uns als Band aufhalten."
Aber der Reihe nach: Am Beginn von Elfland lockt eine Stimme das Ohr, voller Wärme und Tiefgang, darunter eine verspielt-vertrackte Melodie. Die Stimme gehört Milton Nascimento, der in seiner Heimat Brasilien als eine der prägendsten Persönlichkeiten in der populären Musik gilt, und den Trio ELF für diese Produktion gewinnen konnten. Ponta De Areia ist ein Nascimento Original, und wer sonst außer ihm könnte und sollte es neu interpretieren? "Dass Milton Nascimento bei ,Ponta De Areia' und ,Anima' mitsang, ist eine besondere Ehre für uns, da wir schon lange große Fans von ihm sind", sagt Walter Lang, der den Brasilianer im letzten Jahr persönlich kennen lernte und ihn kurzerhand fragte, ob er sich eine Zusammenarbeit mit dem Trio ELF vorstellen könnte. Er konnte, und so entstand diese ganz besondere Version des Liedes. "Milton hatte die geniale Idee, nicht die Melodie und den Text zu singen, sondern die Stimme als zusätzliches Instrument einzusetzen und die Melodie dem Piano zu überlassen. So ist er ein echter Teil von Trio ELF geworden, der auch in den Improvisationen Teil des Geschehens ist, anstatt sich nur mit der Melodie zu begnügen und die Soli den Instrumentalisten zu überlassen", ergänzt Sven Faller. Für The Ave war die Musik des britischen Rappers Mike Skinner (alias The Streets) ein wichtiger Einfluss, den die drei Elfen auf ihrer letzten Tour hörten. HipHop trifft auf genial knackige Backbeats mit einer einfachen Pianolinie. Hier zeigt sich das ganze rhythmische Können Gerwin Eisenhauers, dessen live gespieltes Schlagzeug teilweise gesampelt, umprogrammiert und dem Track neu untergemischt wurde. „Der Groove im A-Teil war mit das Härteste, was ich je eingespielt habe und ist inspiriert von Grooves der englischen Grimeszene", sagt Gerwin Eisenhauer zu The Ave. Weiter geht es in rasanter Fahrt an den Ozean. Ocean 11 ist wieder brasilianisch inspiriert, auch dank eines weiteren Gastes: der meisterhafte Perkussionist Marco Lobo (spielt unter anderem mit Billy Cobham) zeigt hier sein ganzes Können. Sein Spiel wird durch die ganz eigene Trio ELF-Soundküche geschickt und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Mit Casa Do Tom folgt eine weitere Komposition von Walter Lang, die von seinen Brasilien Aufenthalten inspiriert wurde. „Meine persönliche Affinität zu brasilianischer Musik besteht schon seit langem, und seit ein paar Jahren verbringe ich viel Zeit in Rio de Janeiro“, bestätigt der Pianist. „‘Casa Do Tom‘ ist eine Hommage an einen der wichtigsten brasilianischen Komponisten, Antonio Carlos (Tom) Jobim. Ich hatte diese Komposition bereits mit Lee Konitz aufgenommen (CD Ashiya, 2007) und bin sehr glücklich über die Trio ELF-Neuinterpretation.“ Vom Ozean führt der Weg in einen geheimnisvollen Garten. Wer hier Vogelgezwitscher und leise Töne erwartet, der wird nach wenigen Sekunden eines besseren belehrt. Sounds In My Garden ist eine krachige Grunge-Variante, die direkt aus Seattle importiert zu sein scheint. Diese harte Seite ist man vom Trio ELF bisher jedenfalls nicht gewohnt. Ausschlaggebend für diesen Track war der New York-Aufenthalt von Sven Faller: „Während meiner Zeit in New York begann ich mich auch für die zahlreichen Strömungen des Alternative Rock und Metal zu interessieren. Dann sah ich 'Tool' bei einem Festival. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Komplexe Musik mit unglaublicher Energie, die intelligent und emotional ist wie Jazz”. Sounds In My Garden, mit einem 5/4 Takt versehen, verarbeitet diese Einflüsse, und ist eine direkt Anspielung auf die Band Soundgarden. Auch der nächste Titel schließt hier nahtlos an. Down ist ein geniales, sanftes und verspieltes Cover der amerikanischen Punk-Band Blink 182. „In Brasilien haben einige junge Fans bei einem Konzert den Text mitgesungen. Da wussten wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Sven Faller zu Down, und Gerwin Eisenhauer ergänzt: „Einerseits mag ich das Stück sehr und andererseits dachte ich, dass wir aus der Nummer noch mehr herausholen können. Etwas, was niemand sonst in der Musik von Blink 182 vermuten würde.“ Das ist mit dieser hymnischen Ballade wirklich gelungen. Pagode De Oceano führt dann direkt zurück an den Strand. Entstanden ist dieses Stück, wie auch Ocean 11, in Brasilien. „Hier setzen wir sowohl die vorherrschenden Beats unserer ersten CD als auch unseren geliebten 'Rubato Groove' in der Bridge ein“, erklärt Walter Lang. Und die zeitlichen Verschiebungen in der Bridge sind wahrlich erstaunlich. Der nächste Track ist dann genau das, was er zu sein vorgibt: Hammer Baby Hammer hüllt sich in ein rhythmisches House-Gewand mit vielen Samples. Anima ist noch einmal ein Milton Nascimento-Original, wo der Sänger auch zum Einsatz kommt. „Eines der schönsten Stücke von Milton über Inspiration und das Leben im Moment“, meint Sven Faller. „Auch hier haben wir Miltons Stimmen ebenso mit subtilen Effekten versehen wie die akustischen Instrumente. Manchmal glaubt man dadurch noch ein weiteres Instrument zu hören, wie ein Phantom.“
Mit dem letzten Titel Elfland heißt es dann so langsam Abschied nehmen von dieser CD und dem Ausflug in eine märchenhafte Welt voller Entdeckungen. Mit einer fast wehmütig anmutenden Pianolinie, kontrapunktisch zum melodischen Bass gesetzt und den gebrochenen freien Drum'n'Bass- Rhythmen entführt der Titel noch tiefer in das wunderbare Elfland hinein, um dann ganz sanft zu verklingen. Jedes Märchen hat einmal ein Ende. Für all diejenigen, die eine zarte Sehnsucht in sich spüren diese Märchenwelt noch einmal zu betreten, bleibt zum Glück die Repeat-Taste am CD-Player.
+++Besetzung+++
Walter Lang piano, sfr
Sven Faller bass, sfr
Gerwin Eisenhauer drums, percussion
Mario Sütel sfr
special guests:
Milton Nascimento
Marco Lobo
+++Auszeichnungen+++
Trio ELF: 746 (2008): CD des Monats-Stereo / Drums & Percussion
Trio ELF: Elf (2006): CD des Monats-Stereo
+++Pressestimmen+++
Stephan Richter in Stereo 12/2008-CD des Monats:
"Die traditionellen Möglichkeiten der Klaviertrioform liegen ja in der größtmöglichen Freiheit der drei beteiligten Musiker bei gleichzeitiger Nähe zum Publikum - eine Freiheit ohne abzuheben. Sie wird hier ideal verwirklicht, und dabei ergeht sich Trio ELF nicht in elegischen Egomanien, sondern hat das Ohr am Puls der Zeit. Dieses Trio sollte das Potential haben, ein ganz großes Publikum zu finden, und selbst die puristischsten der Puristen sollten sich nicht daran stören - denn fraglos spielt das Trio ELF innovativen, großen Jazz."
Ralf Dombrowski in Süddeutsche Zeitung 25.9.2008:
"Im Ausdrucksspektrum des Trio ELF hat Monk ebenso seinen Platz wie Kraftwerk, umrahmt von eigenen Ohrwürmern wie 746. Das Mischungsverhältnis der künstlerischen Elemente ist ausgewogen. Dezente Elektronik und elegant romantizistische Klaviermotive treffen auf kantable, volltönende Kontrabasslinien und die markant flirrenden, von Stopps und Loopfiguren geprägten Rhythmusmuster des Schlagzeugs. So setzt sich ein Klanggefüge zusammen, das nicht nur im Studioambiente, sondern auch auf der Bühne der Unterfahrt unterhaltsam harmoniert und zugleich ein paar Möglichkeiten aufzeigt, in welche gestalterische Richtung es mit der klassischen improvisierenden Klaviertrio-Besetzung gehen könnte."
Werner Stiefele in Audio 9/2008:
"Das Trio ELF hebt (sich) ab. Anders als die meisten Nu-Jazz-Formationen verzichtet es auf digitales Schlagzeug - Gerwin Eisenhauer produziert auch komplizierteste rhythmische Überlagerungen mit Hand und Fuß und hat zudem in Bassist Sven Faller und Pianist Walter lang reaktionsschnelle CoRhythmiker mit Sinn für magische Melodien. Mario Sütel "viertes" Bandmitglied verfremdet und sampelt die Sounds live. Ein packender, transparent tönender Piano-Jazz mit poppigen Rhythmen."
(Werner Stiefele in Audio 9/2008)
+++Tourdaten 2010+++
30.10. Zehntstadel-Leipheim
31.10. Trio ELF meets Würzburg Jazz Orchestra @ Jazzfestival Würzburg
01.11. Trio ELF meets Würzburg Jazz Orchestra @ Unterfahrt München
10.11. Jazztage Dresden
12.11. Jazzclub-Hannover
13.11. Stellwerk-Hamburg
21.11. QQTEC-Hilden
02.12. Jazzfreunde Landshut-Landshut













