(openPR) Unmittelbar – dieses Wort kommt unwillkürlich beim Hören der CD Grüner der Jazzsängerin Sarah Kaiser in den Sinn. Unmittelbar wirkt die Musik in ihrem schlanken, zurückhaltenden und dennoch packenden Groove. Unmittelbar und ungekünstelt wirkt der Gesang, tritt die Sängerin nach vorn, präsentiert sich unprätentiös und mit einem Lächeln. Unmittelbar schließlich wirken auch die mit der Jazzmusik kombinierten deutschen Texte, die hier mit einer Selbstverständlichkeit dargebracht werden, die erstens jeden Verdacht auf Peinlichkeit ad absurdum führt und zweitens auch den dogmatischsten Englischverfechtern unter den Jazzkritikern den Wind aus den Segeln nehmen sollte. „Ich will echt sein, mich nicht verstecken,“ begründet die Berlinerin ihre Wahl der Sprache. „Deshalb ließ ich mich darauf ein. Das Texten auf Deutsch ist für mich inzwischen natürlich geworden. Ja, es fühlt sich beizeiten ‚nackt‘ an, weil es so direkt ist, so transparent. Deshalb aber auch so nah!“
Eigentlich verdanke sie den Impuls, sich den deutschen Texten zu verschreiben, Thomas Siffling von der Plattenfirma JAZZ'n'ARTS: „Thomas und ich besprachen die Produktion,“ erzählt Sarah Kaiser. „Ich hatte zwei Songs mit deutschem Text. Die gefielen ihm. Überzeugend, sagte er. Ob ich nicht gleich das ganze Album auf Deutsch machen wolle?“ Diesen Schritt vom Englischen zum Deutschen zu vollziehen, meint sie, habe sich anfangs ungewohnt angefühlt: „Es war aber auch ein Schritt, den ich bewusst gemacht habe. Es bedeutete für mich, dass ich mehr zu meinen Worten und Klängen stehen kann, ja stehen muss.“ Ganz alleine war Sarah Kaiser dabei indes nicht. Hinter der Musik auf Grüner steht nicht nur sie selbst, sondern in der Tat eine ganze Band, die auch einen elementaren Beitrag zu den Kompositionen, zum Arrangement und der Musik selbst liefert, die Sarahs Texte illustriert. „Ein Lied lebt ja auf gewisse Weise“, erklärt Sarah, „es verändert sich beim Proben, bei den Aufnahmen, auch später auf der Bühne. Die Musiker, die es spielen, prägen es gleichzeitig. Ohne sie wäre es nicht dasselbe.“ Zwei Stücke der CD, dabei auch das Titelstück Grüner, werden direkt als Bandkomposition gewürdigt: Seit längerem ist es ein Trio, das Sarah Kaiser den Rücken stärkt – am Kontrabass Martin Simon, an Fender Rhodes und Klavier Samuel Jersak. Im Studio übernahm Tommy Baldu den Schlagzeugstuhl; live wird Martin Rott seinen Platz einnehmen (in der Band folgt er Lars Binder, der ebenfalls Kompositionscredits bekommt). Der insgesamt bedeutendste Beitrag stammt sicherlich von Samuel Jersak, der bei den Aufnahmen auch die Rolle des Koproduzenten einnahm. Bei der Mehrheit der elf Stücke steuerte er maßgebliche Anteile zu Arrangement und Komposition bei. Noch aufgewertet wird die Musik des traumwandlerisch sicher aufspielenden Teams aus Kaiser, Jersak, Simon und Baldu durch die Bläsersätze der „Mannheim-Connection“ Thomas Siffling (tp), Olaf Schönborn (sax) und Uli Röser (tb). Überhaupt, die Musik … Was macht den Jazz zum Jazz? „Erstmal, klar, die Instrumentierung muss stimmen,“ meint Sarah Kaiser. „Als Basis Kontrabass, Rhodes, Schlagzeug! Das fühlte sich für mich an wie auf dem Hochseil ohne Netz. Wir entschlossen uns außerdem dazu, rein akustisch aufzunehmen, nur ein absolutes Minimum im Nachhinein zu bearbeiten und nicht nachzubessern. Dies galt besonders für die Stimme. Lieber etwas roh, dafür aber echt!“
Wer der Platte aufmerksam zuhört, merkt, dass sich dieser Ansatz gelohnt hat – die Musik, der Gesang, die Arrangements, ja die gesamte Dramaturgie des Albums, wirkt wie aus einem Guss. Dabei stets lebendig und bisweilen verschmitzt, was auch an den Themen und Texten liegt. In Guerilla Gärtner begeistert sich Sarah Kaiser für eine im wahrsten Sinne „aufkeimende“ Bewegung, die in Nacht-und-Nebel-Aktionen für Stadtbegrünung sorgt, im optimistischen Ich will steigert sie sich in ein fulminantes Scatsolo. Den Titelsong Grüner erklärt sie selbst mit einem Augenzwinkern: „Dieses Syndrom, das ‚Gras ist immer grüner auf der anderen Seite`, droht uns so oft den Blick zu verstellen auf alles Gute und Schöne um uns herum!“ Insgesamt sehr erfrischend, wie Sarah Kaiser mit Texten und Stimmungen umgeht und dabei gleich eine neue Art von Jazz kreiert. Schön. Grüner. Und unmittelbar.
+++Band+++
Sarah Kaiser vocals
Samuel Jersak fender rhodes, piano, keyboards
Martin Simon bass
Tommy Baldu drums & percussion
Thomas Siffling trompete
Olaf Schönborn saxophon
Uli Röser posaune
+++Tourdaten 2010+++
+13.10. Stuttgart-Bix
+15.10. Mannheim-Alte Feuerwache
Konzert im Rahmen des Enjoy Jazz Festival
+20.10. Berlin-Kunstfabrik Schlot
+22.10. Hamburg-Stellwerk
+29.10. Hambergen-Uwe-Brauns-Halle Sarah Kaiser-Band
mit Olaf Schönborn (sax). Benefizkonzert bei
"Zukunft(s)gestalten - Initiative gegen Kinderarmut"
+30.10. Göttingen-St.-Johannis-Kirche Sarah Kaiser Band
mit Olaf Schönborn (sax). Benefizkonzert bei
"Zukunft(s)gestalten-Initiative gegen Kinderarmut"
+31.10. Potsdam-EFG Potsdam/Gemeindesaal Sarah Kaiser
mit Samuel Jersak. Konzert "Gast auf Erden-
Kirchenlieder neu entdeckt"
+6.11. Gifhorn-St. Nikolai Kirche Sarah Kaiser Band mit Olaf
Schönborn (sax). Benefizkonzert bei
"Zukunft(s)gestalten-Initiative gegen Kinderarmut"
+++Rezensionen+++
Volker Doberstein in Jazz Podium 10/2010:
"Die Berliner Sängerin Sarah Kaiser hat viel gewagt, mit ihrem neuen Album Grüner, auf dem sie ausschließlich mit deutschen Texten arbeitet. Ein Wagnis, das sie mit Labelchef Thomas Siffling geteilt hat, der das Album nicht nur mitproduziert hat. Siffling war es nämlich, der Sarah Kaiser dazu ermutigt hat, durchgängig deutsche Songtexte zu schreiben. Und es hat funktioniert. Weil die Texte, für die zum Teil auch Gastautorinnen mit ins Boot geholt wurden, gut genug sind, auf beiden Ebenen zu bestehen: der inhaltlichen wie der musikalischen. Je nach Lust kann man sie als Hörer bis in ihre Tiefenschicht hinunter wahrnehmen oder sie mit der Musik einfach nur weggleiten lassen ins rein Atmosphärische. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass Sarah Kaiser über eine zweifellos hervorragend ausgebildete und sehr vielseitige Stimme verfügt, mit der sie an sich bereits zu den besten und darüber hinaus interessantesten deutschen Jazzsängerinnen zu zählen ist. (....) Die Qualität dieser zwar durchaus groovebetonten, aber nie krachenden und im Grunde durchweg filigranen Produktion ist bestechend."
Jazzthetik, Christoph Giese 9-10/2010:
"Die Berliner Sängerin Sarah Kaiser setzt auf die deutsche Sprache. Der Erfolg von Roger Cicero macht Mut. Und Grüner, ihre erste Platte für das JAZZ'n'ARTS-Label von Thomas Siffling, der zusammen mit Olaf Schönborn und Uli Rösler auch die Horn-Section dieser Produktion bildet, kann sich wirklich hören lassen. Denn Sarah Kaiser hat mit ihrem langjährigen musikalischen Partner Tastenmann Samuel Jersak zwölf schöne Songs geschrieben. Den traurigen Liebessong "Du tust weh", der mit warmen Fender-Rhodes-Klängen die wunde Seele streichelt, und als Gegenpol dem optimistisch-schwungvollen radiotauglichen Opener "Ich will", desen Melodie sich rasch ins Ohr einnistet. Sarah Kaiser singt über die vielen Facetten des Lebens und macht das entwaffnend offen und sympathisch. Und immer verständlich - der deutschen Sprache sei Dank."
GROOVE FM - CD-Tipp des Monats 9/2010, Henning Schwörer:
"In diesem Monat schlagen wir etwas leisere Töne an, die aber wunderbar in diesen Spätsommer passen. Sarah Kaiser legt mit "Grüner" ihr mittlerweile viertes Album vor, dass in gewisser Weise für sie auch ein kleiner Kurswechsel ist: Die Lieder sind nicht nur komplett in deutscher Sprache geschrieben, sondern auch mit zwei Ausnahmen komplett von Sarah Kaiser getextet. Den Reiz dieser Platte macht vor allem die Mischung aus: Deutsche Texte, gemischt mit einer Portion Jazz und eine gehörigen Prise Soul ist etwas Neues am deutschen Jazzhimmel. Gerade in dieser reduzierten Variante, in der man jedes Instrument einzeln genau hören kann. Das macht die Spannung für den Hörer aus. Ein einziger Genuss für alle Freunde guter Musik."



















