(openPR) In den 70er Jahren dominierte er das Mittelgewicht in Deutschland und der „Osterhasengriff“ war gefürchtet. „Osterhasengriff“, das war der Hallbergmooser Ausdruck für einen Beinsteller mit Armklammer, diesen konnte er perfekt. Jeder Gegner kannte die Technik, doch fast alle fielen darauf rein. Auch der jetzige 1. Vorsitzende des KSV Witten Detlef Englich erinnert sich noch an den Kampf gegen Peter Neumair im Finale der Deutschen Meisterschaft 1980: „Ich wusste natürlich welche Technik er anwenden würde, aber er besiegte mich trotzdem damit.“ Es war der letzte Deutsche Meistertitel von Peter Neumair, er beendete seine erfolgreiche Laufbahn noch im selben Jahr.
Durch den Olympiaboykott in Moskau blieb ihm die 3. Teilnahme an Olympischen Spiele verwehrt und als er dann 6kg für die Bundesligamannschaft abkochen sollte, widerwillig in die Sauna ging und darin umkippte, hörte er auf und betrat seither keine Ringermatte mehr.
Am 9. Oktober 1950 wurde Peter Neumair in Freising geboren und wer in dieser Zeit in Hallbergmoos groß wurde, den führte es früher oder später zum SV Siegfried Hallbergmoos. Ringen, das war seine Leidenschaft. Er war ein ehrgeiziger Sportler und es war nicht nur sein Talent, das ihn so erfolgreich gemacht hat. Sein Trainingsfleiß war enorm und er hat es sich auch erarbeitet. Von 1969 bis 1980 wurde er 11x deutscher Meister der Männer. Der größte Erfolg war sicherlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972 in München wo er mit gerade mal 21 Jahren den 6. Platz belegt hat. „Für einen so jungen Sportler wie mich ist mit der Olympia-Nominierung ein Traum in Erfüllung gegangen. Es war alles überwältigend“. Er selbst habe die Anfangsfeier nicht mitmachen können, denn seine Freistil-Kämpfe waren gleich in den ersten Tagen angesetzt, aber zahlreiche sportliche Wettbewerbe, besonders der Boxer und Leichtathleten habe er mit Begeisterung besucht. „Und die Ringkämpfe der Mannschaftskameraden waren natürlich ebenfalls Pflichtveranstaltungen“, denn wir hatten ein tolles Team, das sich gegenseitig unterstützte“, weiß er noch, wenn er davon erzählt, wie man sich gegenseitig vom Mattenrand aus angefeuert habe. Stolz kann er auch auf seine eigenen Leistungen sein Er wurde zwar „nur“ Sechster, doch bewies er selbst gegen die beiden Erstplatzierten seine Stärke. Gegen den Silbermedaillen-Gewinner Petterson hat er nur knapp 5:6 verloren und dem zehn Jahre lang unbesiegten Russen, Olympiasieger Tetaschwilli, sei er ebenfalls nach neun Kampfminuten nur nach Punkten unterlegen.
Obwohl Deutscher Doppelmeister in beiden Stilarten durfte er nicht in den Greco-Wettbewerben starten und konnte so die Olympischen Spiele ohne Wettkampfstress genießen. Er erlebte die Dietrich-Enttäuschungen hautnah mit. Der „Kran von Schifferstadt“ wurde im Freistil-Schwergewicht nur Fünfter, obwohl er sich eine Medaille ausgerechnet hatte. Noch schlimmer erwischte es ihn im klassischen Stil. „Er hat zwar den übergewichtigen Amerikaner Chris Taylor mit einem spektakulären Überwurf besiegt, von dem oft geschrieben wurde, doch seine Medaillen-Träume nach einer Niederlage begraben müssen. Und als ich und Adolf Seger, der mit Bronze unser erfolgreichster Freistilringer war, am nächsten Tag zum Frühstück kamen, war Dietrich weg. Er hatte seine Sachen gepackt, niemanden informiert, sondern ist abgereist. Er war zu enttäuscht, um weiterringen zu können“, erzählt Neumair dem Sportjournalisten Franz Vogel in einen Interview der Freisinger SZ 2002, dass dieser zum 30. Gedenktag an das Olympiaattentat mit ihm geführt hatte. Er selbst habe es nicht direkt mitbekommen, „aber dieser schreckliche Moment hat sehr deutlich in unseren Olympia-Alltag eingegriffen. Danach war nichts mehr so wie vorher, besonders die Kontakte zwischen den Sportlern waren plötzlich unterbrochen und im Olympischen Dorf, wo vorher so richtig die Post abging und wir tolle Abende verbrachten, kehrte große Stille ein.“
Einer der ihm ständig über den Weg lief und größere Erfolge zu verhindern wusste war der Leipziger Horst Stottmeister, der sich bei einen Telefonat gut und auch gerne an die Zeit zurück erinnert: „Fast immer, wenn wir gemeinsam auf internationalen Turnieren waren, wollte es das Los, dass wir auch gegeneinander kämpfen. Ich bin dabei eigentlich immer siegreich von der Matte gegangen und hoffe, dass Peter nicht Alpträume von mir hatte. Trotz des damaligen „kalten Krieg“ hatten wir ein gutes sportliches Verhältnis. Ich wünsche Peter alles Gute und vor allem Gesundheit zum 60. Geburtstag.“
Im Jahr 1976 gelang es ihm dann doch eine Medaille auf internationaler Matte zu erkämpfen. Bei den Europameisterschaften in Leningrad sicherte er sich die Silbermedaille. Bei der Weltmeisterschaft in Mexico Stadt 1978 belegte er den undankbaren 4. Platz. Den späteren Weltmeister und damaligen Ausnahmeringer der DDR Uwe Neupert konnte er jedoch in diesem Turnier besiegen, unterlag jedoch gegen Benjamin Peterson, USA und Anatoli Prokoptschuk, UdSSR.
Auch Sepp Fritsch erinnert sich an die gemeinsame Zeit mit Peter Neumair zurück: „Er ist ein sehr geselliger Typ. In unserer Mannschaft war er der Motor. Nicht nur die jungen, nein auch die gleichaltrigen und älteren schauten zu Peter auf. Wir waren in dieser Zeit allgemein sehr erfolgreich, ein Grund dafür war sicher Peter, der uns alle mitgerissen und motiviert hat. Ich bin froh das ich ihn damals als Mannschaftkollegen hatte, denn ich orientierte mich an ihm. Er hat uns immer wieder zum Training animiert, auch wenn die Lust mal nicht so groß war, aber an ihm kam keiner ran, er war einfach zu stark.“ - nur eines so behauptet Sepp Fritsch, da war er nicht so gut: „Im Schafkopfen, da war und bin ich besser als er.“
In bester Erinnerung hat auch Manfred Werner den Ausnahmeringer aus Hallbergmoos: "Ich kenne Peter Neumair aus meiner Zeit als Kampfrichter und habe ihn selbst noch gepfiffen. Er war immer ein sehr höflicher und freundlicher Sportler, der trotz seiner Erfolge nie abgehoben ist. Die sportlichen Erfolge sprechen für sich selbst und vor allem war er auch gegen die starken Ringer aus der UdSSR nicht chancenlos. Natürlich möchte ich als DRB und BRV Präsident Peter Neumair zu seinen 60. Geburtstag gratulieren und wünsche ihm alles Gute und beste Gesundheit.
Dem SV Siegfried hielt er sowohl als aktiver und auch als Zuschauer bis heute die Treue. Nur wenige Bundesligakämpfe wo er nicht am Mattenrand dabei ist. Wir hoffen, dass dies noch sehr lange der Fall sein wird.











