(openPR) Interview mit dem Generaldirektor, Thomas von Schilling, über die aktuelle Situation in der Kolping-Stiftung in Paraguay. Von Stefan Cornelius.
Frage: Herr Schilling, Sie sind neben Ihre Funktion als Generaldirektor der Kolping-Institute auch Koordinator für Projekte des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), in der Kolping-Stiftung in Paraguay. Ist das korrekt?
Antwort: Ja, korrekt.
Frage: Herr Schilling, die Tageszeitung (taz.de) bezieht sich in Ihrem aktuellen Artikel auf Ihr Schreiben an das BMZ in dem Sie denen mitteilen dass die Anwälte des Vereins der Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerks (SEK), Zitat: „die Vorstandsmitglieder in Paraguay mit Klagen zu überziehen, dass sie ihres Lebens nicht mehr froh werden, wenn sie einer Abberufung Fuzelliers nicht zustimmen würden“. Wie ist dies zu verstehen?
Antwort: Nun, ich muss ihnen sagen, es ist schon interessant festzustellen wo meine E-Mails an das BMZ so landen! Im Nachhinein ist dagegen nichts mehr einzuwenden. Zugern hätte ich Herrn Tintelott beim SEK über die letzten Geschehnisse befragt, und zwar bevor die Presse das Thema aufgreift.
Um Ihrer Frage zu beantworten. In meinem Schreiben an das BMZ teilte ich denen mit, dass der Vorstand von FUKOLPA, Brigitte Fuzellier, von ihrer Geschäftsführertätigkeit entbunden hat. Zudem zitierte ich ein Gespräch zwischen dem damaligen Präsidenten und weitere Vorstandsmitglieder, welches die taz im Artikel zitierte. Im weiteren Mail-Inhalt informierte ich das BMZ über den aktuellen Ermittlungsstand.
Frage: Herr Schilling, Sie sagten gerade den „aktuellen Ermittlungsstand“. Wie ist das zu verstehen? Die Außenprüfung des BMZ ist doch bei Ihnen abgeschlossen!
Antwort: Herr Cornelius, das ist sie eben nicht. Die Prüfung der Außenrevision des BMZ ist bei uns noch im vollen Gang. In meiner Mail-Mitteilung an das BMZ informierte ich die zuständigen Prüfer darüber dass wir noch weitere belastende Dokumente gefunden haben, die den SEK direkt belasten.
Darüber unterrichteten wir Herrn Tintelott und Herrn Drolshagen in unserem Gespräch, am letzten Mittwoch, einem Tag vor dem Vorstandsbeschluss über die Absetzung von Frau Fuzellier. Wir zeigten den beiden Herrn 18 Order voll mit belastenden Dokumenten, die am nächsten Dienstag an das BMZ verschickt werden sollten. Herrn Tintelott verschlug es die Sprache und Herr Drolshagen schien dies auch nicht zu gefallen. Denn die Herren waren bisher der Auffassung dass die Ermittlungen des BMZ bei uns bereits abgeschlossen waren. Sie sagten nur, „warum haben sie uns das nicht früher gesagt“. Was auch immer sie damit sagen wollten.
Was der SEK nicht wusste, das wir mit dem beiden Außenprüfern des BMZ noch am letzten Tag ihrer Außenprüfung in Paraguay vereinbarten, dass die Prüfung mit unserer Hilfe über die Distanz weiter fortgesetzt wird. Es gibt eine klare Vereinbarung zwischen uns und dem BMZ. Wir haben seitenweise Listen und Stapel an Kopien angefertigt und über die Deutsche Botschaft an das BMZ geschickt. Die nächste große Übersendung sollte am 28. September 2010 an das BMZ erfolgen. Zuvor hatten wir nur die Unterlagen behandelt die wir zufällig gefunden und die wir zur Anzeige gebracht haben. In die Tiefe der Buchhaltung selber sind wir nie zuvor richtig gegangen. Erst als die Prüfer vom BMZ uns die Anweisung gaben. Wir dachten immer es wäre besser wenn dies ein externes Prüfungsunternehmen machen würde. Aber leider fehlten uns hierzu die Gelder.
Frage: Herr Schilling, Sie erzählten mir vor diesem Interview dass Sie sehr froh waren als Herr Tintelott, im Beisein von Frau Häuser von der Deutschen Botschaft, das Gespräch mit Ihnen und Frau Fuzellier suchte. Können Sie mir mehr dazu sagen? Was hatten Sie beide mit Herrn Tintelott besprochen?
Antwort: Also, dieses Gespräch fand am letzten Dienstag statt. Ein Tag vor dem Gespräch mit dann beiden Herrn. In der Tat, ich war sehr froh dass es zu einem Gespräch kam. Das war für mich ein gutes Zeichen. Insbesondere nach den vielen Schreiben die unbeantwortet blieben. Ich glaube hier hatte die Deutsche Botschaft und das Auswärtiges Amt gemeinsam mit dem BMZ sehr gut vermittelt. An dieser Stelle möchte ich gern aus meinem Schreiben an das BMZ zitieren, weil es inhaltlich Ihre Frage beantwortet.
Zitat: „In dem Gespräch mit Herrn Tintelott boten wir an, dass wir uns zum Ende des Jahre aus der Kolping-Stiftung zurückziehen, wenn dies für das Fortbestehen der Einrichtung notwendig sein sollte.
Wir hatten den Eindruck dass das Weiterbestehen der Kolping-Stiftung und der Institute nur noch an uns liegen würde. Unsere Bedingung: wir wollten die gesamte Administration, sauber dokumentiert übergeben. Zeitfenster bis zum 31.12.2010. Nächste Woche wird unsere Bilanz 2009 fertig und könnte durch einen WP geprüft werden. 2010 sind wir auf aktuellen Stand. Zwei Wochen drauf und die Bilanz 2010 wäre dann auch fertig.“
Im übrigen hatten die externen Wirtschaftsprüfer uns angekündigt dass der BMZ-Bericht von 2009 zur Mitte der nächsten Woche auch geprüft ist.
Im Gespräch baten wir Herrn Tintelott dafür zu sorgen das keine personellen Änderungen stattfinden. Bis die Prüfungen durch das BMZ und der EU abgeschlossen sind. Frau Häuser von der Deutschen Botschaft pflichtete uns bei und bat ebenfalls um eine friedliche Lösung.
Frage : Herr Schilling, was ist genau am letzten Donnerstag geschehen?
Antwort : Vergangenen Donnerstag hat der Vorstand von FUKOLPA mit einer Gegenstimme des Präsidenten beschlossen, Frau Fuzellier als Geschäftsführerin abzuberufen. Diese Beschlussfassung steht der aktuellen Satzung entgegen.
Frage : Herr Schilling, was meinen Sie mit ihrer letzten Bemerkung „der aktuellen Satzung entgegen“?
Ganz einfach, Frau Fuzellier war laut Beschlussfassung vom Januar 2010 auf weitere fünf Jahre vom FUKOLPA-Vorstand als Geschäftsführerin eingesetzt. Sie hat auch einen langfristigen Arbeitsvertrag. Laut der aktuellen Satzung konnte Frau Fuzellier ihres Postens nur enthoben werden, wenn ihr ein nachweisliches Fehlverhalten vorgeworfen werden kann, und dies war nur über ein richterlichen Beschluss im Rahmen eines ordentlichen Gerichtsverfahrens möglich.
Ich habe mit Frau Fuzellier am Freitag darüber gesprochen. Auch, warum sie der Empfehlung ihres Anwaltes nicht folge leistete, eine einstweilige Verfügung gegen diesen Beschluss bei Gericht zu erwirken. Sie sagte mir dazu nur drei Dinge:
Erstens, „es ist gleichgültig wie die Beschlussfassung zustande gekommen ist. Ob genötigt wurde oder nicht. Fakt ist: dieser Beschluss ist der Wille des Vorstands und ich bin nur eine Angestellte. Ich habe mich mit allen Kräften für diese Menschen und für diese Einrichtung eingesetzt, und wenn sie meine Dienste nicht mehr benötigen dann gehe ich.“
Zweitens, „am Donnerstag hat der Vorstand von FUKOLPA meine Abberufung beschlossen. Der Vorstand hat es nicht für notwendig gehalten mich darüber zu informieren. Erst am Freitag konnte ich die Beschlussfassung an der Informationstafel in der Kolping-Stiftung wie alle anderen lesen.
Drittens, „in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag sind diese Leute in unser beider Büro und das meiner Sekretärin, der Buchhalterin, und der Personalleiterin eingebrochen. In unser Büro, wo sich alle belastenden Dokumente für das BMZ, die EU, für das LKA in Deutschland, und die paraguayische Staatsanwaltschaft befanden. Damit ist das Thema für mich gelaufen. Ich übernehme keinerlei Verantwortung mehr für Dokumente und Güter. In Deutschland nennt man so etwas „Strafvereitlung“. Konnten diese Leute nicht bis zum nächsten Tag warten und in meinem Beisein, und einer Notarin, eine ordentliche Übergabe tätigen. Es ist unglaublich, diese Leute haben die Dreistigkeit, den Ex-Hauptbuchhalter Jorge Enrique Caballero als neuen Administrationsdirektor einzusetzen. Denn wir bei der paraguayischen Staatsanwaltschaft angezeigt haben. Das ist mir einfach zu viel. Hierzu fällt mir ein Bibelspruch ein: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! (1. Johannes 2,1-6).“
Danach ist noch etwas geschehen!
Frage : Herr Schilling, was meinen Sie mit „noch etwas geschehen“?
Antwort : Wissen Sie, wir haben von Anfang an sehr merkwürdige Erlebnisse gehabt. Wie von unsichtbarer Hand wurden wir angeleitet und geführt. Wir erhielten immer rechtzeitig und auf sehr merkwürdige Art und Weise alle Informationen die wir brauchten um gegen die Korruption weiter vorzugehen. Es ist so als wenn Gott selbst hier am Werk ist. Gestern dachten wir es ist zu Ende. Nein, es geht immer noch weiter!
Einer der Vorstandmitglieder von FUKOLPA, der aus Angst vor Repressalien auf keinen Fall genannt werden möchte, lies uns den Inhalt einer E-Mail von Herrn Hans Drolshagen, der an die Vorstandsmitglieder von FUKOLPA versendet wurde, zukommen. In diesem Schreiben beglückwünschte Herr Drolshagen den FUKOLPA-Vorstand und gab in 15 Punkten klare Anweisung in Spanisch.
Herr Cornelius sie können doch Spanisch? Dann lesen Sie und zitieren Sie aus diesen Schreiben selbst!
Einverstanden, die wichtigsten Punkte sind:
Punkt 2, hier erklärt Herr Drolshagen dass er immer noch der Geschäftsführer des SEK ist und sich auf die totale Unterstützung, die er auf einer Sitzung am 8. September 2010 erhalten hat, stützt.
Punkt 3, hier erklärt Herr Drolshagen dass er die Person ist, die die Entscheidungen gegenüber der Mitgliedsverband und der Kolping-Stiftung trifft.
Punkt 10, hier stellt Herr Drolshagen unmissverständlich klar, das ohne seine Zustimmung keine Entscheidungen und Koordinierungen vom FUKOLPA-Vorstand getroffen werden dürfen. Herr Drolshaben behält sich die Entscheidung über die Ernennung des neuen Generaldirektors der FUKOLPA vor.
Ein interessanter Punkt ist die Position 13. Da schreibt Herr Drolshagen: Die Personen mit denen wir weiterhin noch enge Kontakte haben, sind unsere Rechtsanwälte (Dr. José Sosa Gustale) und unsere Verteidigter vor der Staatsanwaltschaft in Fernando de la Mora, für Jorge Enrique und Herrn Guillermo Lezcano. Herr Lezcano ist in diesem Moment nicht unserer externer Auditor (Prüfer) sondern auch ein affektierter von BF. Wir verteidigen beide zusammen. Jorge Enrique ist für mich eine ehrliche Person und weit davon entfernt korrupt zu sein, wie es BF gesagt hat. Seid vorsichtig: welche nicht zugunsten von BF sprechen, sind Diebe und korrupt.
Schlussfolgern müssen auch Sie, selbst!
Zwischenfrage : Ich Frage mich auch, wieso gelangt dieses Schreiben in Ihren Besitz?
Antwort : Wie bereits gesagt, viele Merkwürdigkeiten haben wir erlebt. Im übrigen ist der Präsident von FUKOLPA gestern von seinem Amt zurückgetreten. Wie er offiziell erklärte, möchte er an dieser kriminellen Übernahme nicht teilhaben.
Ja und dann haben wir noch das Schreiben des Kolping-Mitgliedsverbandes an den Päpstlicher Nuntius vom 18. September 2010. Dieses Schreiben welches mir vorliegt wurde von Präsidenten des Mitgliedsverbandes verfasst. Hier widersprechen sich Aussagen und Beurkundungen. Dieses Schreiben in Verbindung mit der Klageschrift der Rechtsanwälte vom SEK bestätigen im Kontext die Nötigung der Vorstandsmitglieder, wie im Schreiben an das BMZ von mir zitiert.
Frage : Herr Schilling, Frau Fuzellier steht unter dem Vorwurf der Vorteilsnahme zugunsten ihrer privaten Firma (Loofah SA). So ist es jedenfalls auf der Internetseite von Kolping-International zu lesen. Können Sie mir hierzu was sagen?
Antwort : Zu den Vorwürfen kann ich leider nichts sagen. Aus der Presseerklärung des SEK kann ich nicht entnehmen um welche Sachverhalte es genau geht.
Ich weiß nur das Frau Fuzellier ehrenamtlich im Vorstand dieser Firma tätig ist. Es sich um ein Sozialprojekt handelt, wo hunderte Kleinbauern daran beteiligt sind. Soweit mir bekannt ist wurde diese Firma mit Hilfe einer amerikanischen NGO gegründet um den Kleinbauern und Kunsthandwerkern eine Perspektive zu verschaffen. Ich war selbst zu gegen wie der frühere Bundespräsident, Horst Köhler, diese Sozialprojekt in besonderer Weise lobte.
Mir kommt da gerade so ein Gedanke auf. Ich habe die Vermutung das da etwas in Vorbereitung ist. Diese Bemerkung des SEK kommt nicht von ungefähr. Es hat für mich den Anschein das die Herbeiführung eines strafrechtlicher Aspekts zu einem besonderen Zweck geschaffen werden soll. Nur so eine Vermutung!
Frage : Wie meinen Sie das?
Antwort : Erstens, Sie müssen nur jemanden in ein kriminelles Licht stellen und schon glaubt demjenigen niemand mehr. Die meisten Bekannten distanzieren sich in kürzester Zeit. Eine Taktik die immer Wirkung gezeigt hat.
Zweitens, hierzu müssen Sie das paraguayische Rechtssystem kennen und wissen wie es angewendet werden kann. Zum Beispiel, wenn Sie kostengünstig ein arbeitsrechtliches Problem lösen möchten, in dem Sie zum Beispiel keine Abfindung zahlen wollen, müssen Sie nur ein strafrechtlichen Aspekt schaffen. Wie das genau funktioniert möchte ich hier nicht erörtern. Fakt ist: Werden Sie strafrechtlich Angeklagt, verlieren Sie alle Ihre arbeitsrechtlichen Ansprüche. So ein Prozess kann Jahre dauern. Auch wenn sich zum Schluss heraus stellt dass sie unschuldig sind. Bis dahin ist ihr Ruf längst ruiniert. Um so etwas auf die Beine zu stellen brauchen Sie ein Spezialist, ein Anwalt für Strafrecht, mit entsprechenden Hintergrund.
Wissen Sie, eben ist mir ein Licht aufgegangen! So ein Spezialist für Strafrecht, genau dieser ist gerade der neue Geschäftsführer von FUKOLPA. Wieso bin ich da nicht eher darauf gekommen? Nicht nur das, ich kenne diese Person persönlich und alle seine Nebenaspekte. Ich muss zugeben, hier hat der SEK taktisch eine exzellente Wahl getroffen.
Frage : Herr Schilling, was meinen Sie mit Nebenaspekten, exzellente Wahl?
Antwort : Hierzu möchte ich mich nicht äußern, da es sich hier auch um die Persönlichkeitsrechte dieser Person handelt, und wie gesagt, ich diese Person kenne. Nu soviel sei gesagt, eine liebe Kollegin von mir hat im Auftrag einer Klientin, über einen Zeitraum von neun Monate über diese Person umfassende Recherchen zusammengestellt. Ich habe Einblick in die Recherchen nehmen dürfen.
Frage : Um wem handelt es sich?
Antwort : Es tut mir leid, diesen Namen möchte ich nicht in diesem Interview vermerkt wissen. Bitte respektieren Sie das.
Frage : Herr Schilling, haben Sie Angst vor dieser Person?
Antwort : Nein, das habe ich nicht. Falls es zu einem Schlagabtausch kommen sollte, wird es mit aller wahrscheinlich nur Verlierer geben. Damit wäre niemanden geholfen. Außerdem möchte ich denjenigen nicht unnötig vor dem Kopf stoßen, da wir uns bisher nicht feindlich gegenüber stehen.
Frage : Herr Schilling, wie sehen Sie ihre Zukunft bei FUKOLPA.
Antwort : Ich habe vor zweieinhalb Jahren gesagt dass ich nur eine beschränkte Zeit bei FUKOLPA tätig sein werde. Frau Fuzellier hatte mich damals um Hilfe gebeten. Ich denke meine Zeit bei FUKOLPA ist jetzt um. Es ist jetzt Zeit für mich zu gehen. Mich erwarten andere Aufgaben, wichtige Aufgaben die ich in letzter Zeit vernachlässigt habe.
Frage : Herr Schilling, geben Sie auf?
Antwort : Das hat nichts mit aufgeben zu tun. Die Mitgliedsverbände des Internationalen Kolpingwerks und die Verantwortlichen müssen dieses Problem jetzt selbst lösen, oder auch nicht. Die Entscheidung liegt alleinig bei denen.
Ein letzte Frage : Was empfehlen Sie momentan den Beteiligten?
Antwort : Einfach mal das Ego nach hinten schrauben. Jetzt ist nicht die Zeit für Rachegelüste, das schafft nur unnötige Fronten. Es ist an der Zeit das hier endlich mal Ruhe einkehrt.
Vielen Dank für das Interview.










