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Versorgungsmanagement: Ziel ist die Zusammenarbeit aller Akteure

20.09.201011:57 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Versorgungsmanagement: Ziel ist die Zusammenarbeit aller Akteure
Prof Dr. Rainer Riedel, Institut für Medizin-Ökonomie und Medizinische Versorgungsforschung, Rheinische Fachhochschule Köln
Prof Dr. Rainer Riedel, Institut für Medizin-Ökonomie und Medizinische Versorgungsforschung, Rheinische Fachhochschule Köln

(openPR) Eine große Herausforderung im Versorgungsmanagement liegt noch immer in der Evaluation der Versorgungskonzepte und der Verwertung der daraus generierten Daten – in diesem Punkt waren sich die Referenten und Teilnehmer der Konferenz einig. Pilotprojekte und Studien liefern zwar erste Ergebnisse, dennoch fehlen hier oftmals die Beweise für kausale Zusammenhänge zwischen der Teilnahme eines Versicherungsnehmers am Programm und der Erreichung der damit verbundenen Zielstellungen. Statistische Modelle und wissenschaftliche Ansätze können hierbei Unterstützung liefern. „Diese Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Praxis finde ich sehr spannend“, so Dr. Anne Brinkmann aus dem Bereich Versorgungsmanagement der Techniker Krankenkasse, „aber auch sehr schwierig“.



LEIPZIG, 14. und 15. September 2010. Auch in diesem Jahr waren Fach- und Führungskräfte aus der Gesundheitsbranche auf Einladung der Gesundheitsforen Leipzig in die Messestadt gekommen, um sich auf der Konferenz „Versorgungsmanagement: Von der Analyse bis zur Evaluation“ mit Experten aus Wissenschaft und Praxis auszutauschen. Der Fokus der bereits zum zweiten Mal stattgefundenen Veranstaltung lag auf der Evaluation und der Nachhaltigkeit von Versorgungs- und Präventionsprogrammen. Mit seinem Beitrag „Der Bezug zwischen Analyse und Evaluation“ legte Thomas Höpfner, Leiter des Teams „Krankenversicherung“ bei den Gesundheitsforen Leipzig, die theoretische Grundlage für die folgenden Beiträge aus Praxis und Wissenschaft. „Die größte Herausforderung sehe ich vor allem bei der Evaluation der Programme“, so Höpfner. Dr. Anne Brinkmann, eine weitere Referentin der Konferenz konnte dem nur zustimmen, „dies ist ein Thema mit dem man sich unbedingt beschäftigen muss, denn Evaluationsergebnisse werden oft gar nicht oder nur unzureichend verwertet“.

Mit dem TK-Gesundheitscoach stellte Dr. Anne Brinkmann, Hauptverwaltung Versorgungsmanagement der Techniker Krankenkasse, ein Versorgungskonzept vor, das sich an Versicherte mit verhaltensassoziierten Krankheiten, wie Diabetes Typ 2, Herzinsuffizienz und koronare Herzkrankheiten, richtet. „Durch das persönliche Coaching am Telefon sollen die Patienten Experten über ihre eigene Krankheit werden, Hemmungen und Ängste abbauen und ihr Verhalten nachhaltig ändern.“ Der Coach vermittelt dafür am Telefon Wissen über richtige Ernährung und Trinkverhalten, gibt Ratschläge zu Sportmöglichkeiten und leistet Motivationshilfe im Umgang mit dem inneren Schweinehund. „Unsere Teilnehmer bewerten das Programm durchweg positiv und empfehlen dies auch weiter.“, schloss Frau Brinkmann ihre Ausführungen.

Auch die HanseMerkur Krankenversicherung AG bietet mit dem Vorsorgeprogramm „Aktiv gesund bleiben“ ihren Vollversicherten ein Telefon-Coaching zur Förderung einer gesundheitsbewussten Lebensweise an. „Im Grunde sprechen wir mit unseren Programm gesunde Menschen an, um sie zu motivieren, etwas für ihre Gesundheit zu tun“, betont Dr. Anke Schliecker, Projektleiterin Gesundheitsmanagement. Bei diesem Programm kann auch der behandelnde Arzt vom Patienten mit eingebunden werden.

Beide Programme zeigen nach der Beendigung der Coaching-Phase positive Ergebnisse. „Die größten Veränderungen zeigten sich vor allem im Trinkverhalten“, so Dr. Anne Brinkmann. „Im Durchschnitt konnte unter den Teilnehmern eine Gewichtsreduktion von drei Kilogramm beobachtet werden“, berichtete Frau Dr. Schliecker.

Die Nachhaltigkeit ist für das Gelingen solcher Konzepte ein wichtiges Kriterium. Die HanseMerkur Krankenversicherung AG startet daher im November – genau ein Jahr nach Beendigung der ersten Coaching-Phase – eine erneute Befragung der Teilnehmer, um die Nachhaltigkeit der Wirkungen bewerten zu können. Eine weitere Herausforderung bleibt die Evaluation der Daten und das Herstellen von Kausalitäten. Trotz positiver Befunde stellt sich die Frage, ob die Wirkungsmechanismen, die man bei den Versorgungs- und Vorsorge-Konzepten annimmt, auch tatsächlich greifen?

Zwar können verschiedene Einzeldaten generiert werden, doch „diese Größen rechnerisch zu verknüpfen bleibt meist offen“, argumentierte Frau Dr. Brinkmann.
„Wenn wir heute über Versorgungsforschung sprechen, liegt der größte Fehler oft darin, ob überhaupt evaluiert wird“, ergänzte Professor Dr. Rainer Riedel vom Institut für Medizin-Ökonomie und Medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln in seinem Vortrag. Oft werde bei einer Vielzahl von Programmen verpasst, die „rich-tigen“ Datensätze zu generieren. Daher plädiert er für eine Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren. Er rät den Krankenkassen, mit Ärzten und Krankenhäusern eng zusammenzuarbeiten, denn die Daten der Versorgung müssen miteinander vernetzt werden.

Innovative Versorgungsformen und –modelle könnten jedoch nicht von heute auf morgen implementiert werden. Dafür sei es notwendig, schwerpunktmäßig mit einzelnen Krankenhäusern zu kooperieren und Pilotprojekte zu starten. Nach entsprechend positiver Evaluation sollten die Projekte ausgeweitet werden.

Ralf Pourie, Leiter Projekt- und Produktmanagement der 4sigma GmbH, stellte eine vernetzte IT-Unterstützung für den Ablauf von Versorgungsmanagementprogrammen vor. Dabei werden alle Komponenten – von der Analyse bis zur Ergebnisauswertung – dargestellt. Die Lösung biete dem Gesundheitscoach eine Hilfestellung – die ihm nicht nur einen Überblick über relevante Kundendaten, sondern auch über behandelnde Ärzte, wichtige Termine oder zur Verfügung gestellte Geräte verschafft.

In seinem Vortrag „Effizientes bewerten: Ökonomische Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen“ stellte Guido Büscher vom Institut für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie des Universitätsklinikums Köln statistische Modelle vor, die zur Kosten-Nutzen-Bewertung von gesundheitsspezifischen Maßnahmen und Projekten genutzt werden können. „Solche Modelle führen schlussendlich zu den gleichen Ergebnissen und sind zudem meist effektiver als Studien“. Sie können alle relevanten Werte und Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten eines Krankheitsszenarios berechnen und daraus die Kosten und Nutzen eines Programms darstellen. Doch darüber, ob man den Bogen zwischen diesen theoretischen Ergebnissen und der praktischen Relevanz tatsächlich spannen kann, waren sich die Teilnehmer der Konferenz nicht einig. „Die Praxis sieht doch meist ganz anders aus und ist viel komplexer, als solche statistischen Überlegungen“, betonte Dr. Monika Walchner-Bonjean vom BKK Landesverband Bayern.

Professor Dr. Volker Gehrau, Institut für Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, vermittelte mit seinem Vortrag über massenmediale Kampagnen und interpersonelle Kommunikation die theoretische Grundlage zur Diskussion über die Relevanz von Gesundheitskommunikation für das Versorgungsmanagement. „Wir ignorieren, dass die Menschen die Massenmedien nicht nur wahrnehmen, sondern auch darüber sprechen“. Dies müsse bei der Konzeption und Evaluation von Kampagnen beachtet werden – vor allem in der Gesundheitsbranche sei dies wichtig. Für Gesund-heitskampagnen spiele vor allem das Vertrauen eine große Rolle – dies baue sich in persönlichen Gesprächen viel besser auf als durch Massenmedien allein. Kampagnen müssen also so konzipiert sein, dass sie zu Diskussionen anregen.

Dieter Stroll, Geschäftsführer der mindline media GmbH, und Katja Korehnke, Geschäftsführerin von Korehnke Kommunikation, stellten die Ergebnisse einer Gruppendiskussion zur Qualität von Patientenkommunikation vor. Die Teilnehmer der Diskussion bewerteten eine Vielzahl von Informationsbroschüren zum Thema Diabetes Typ 1 und 2. „Die Ergebnisse zeigen, dass eine direkte Ansprache der Patienten als sehr wichtig empfunden wird“, betonte Dieter Stroll. Auch die Auswahl der Abbildungen in den Broschüren wird von den Teilnehmern als sehr wichtig beurteilt. „Die Patientenkommunikation ist ein ganz wichtiges Thema“, argumentiert Dr. Anke Schliecker, „über welches wir uns viel zu wenig Gedanken machen“.

Die Teilnehmer der Konferenz waren sich darin einig, dass die Thematik des Versorgungsmanagements noch viel Potenzial birgt und dass das Gelingen innovativer Konzepte im Versorgungsmanagement stark abhängig ist vom Zusammenspiel aller Akteure des Gesundheitswesens.

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