(openPR) Es sei ihm "eine Herzenssache gewesen", antwortet der Schlagzeuger Oliver Strauch auf die Frage, nach der Motivation hinter seinem "New York Album". Musikalisch eher auf der Schiene des klassischen Jazz gewesen ist er schon immer, wie man an seinen vergangenen Projekten ablesen kann. Mit seinem Projekt "Groovin' High" veröffentlichte er bereits zwei, von der Kritik und dem Publikum begeistert aufgenommene Alben zusammen mit dem Baritonsaxophonisten Professor August-Wilhelm Scheer, bei denen unter anderem auch Randy Brecker mitwirkte. "Hardbop von heute" nannte es der KulturSpiegel, der Bandname "Groovin' High" sei "keine leere Versprechung", fand das Clarino-Magazin. "Diesem Album gelingt es, Momente der Inspiration in einer mystischen Live- Atmosphäre akustisch abzubilden. Eine totale jazzikalische Erfahrung!", schwärmte seinerzeit das Magazin Sonic. Auch Oliver Strauchs DVD-Veröffentlichung mit Begleitbuch "JFK Show Live in Berlin", das kongenial politische Rede (Kennedy), visuelle Darbietung und Musik verbindet, stieß auf großen Anklang und wurde mit dem SR-Medienkunstpreis 2007 ausgezeichnet.
Für sein "New York Album" ging Oliver Strauch seinen respektvoll der Jazztradition huldigenden Weg noch konsequenter weiter. Dieser führte ihn diesmal direkt an die Quelle - nach New York. Es ging um eine Zusammenarbeit mit einem altgedienten Recken des Jazz - mit dem Pianisten Kenny Werner, dem einstigen Mentor von Brad Mehldau, der sich schon in den 70er Jahren mit der Musik von Bix Beiderbecke, George Gershwin und Charles Mingus auseinandersetzte und intensiv mit Archie Shepp zusammengearbeitet hatte. Beide holten sich, in Gestalt des Bassisten Matt Penman noch einen dritten Mann an Bord, der ihre Ambitionen unterstützen sollte: Es ging um nichts weniger als die Aufnahme eines Albums, das die Atmosphäre des Jazz der späten 50er Jahre für den zeitgenössischen Hörer nachvollziehbar machen sollte. Oliver Strauchs Wahl war nicht von ungefähr auf Kenny Werner gefallen. Immerhin ist er einer von seinen Lieblingspianisten, den er nur zu gerne ins Rampenlicht rückt, denn "Kenny Werner ist einer der meistunterschätzen Jazzmusiker", wie Strauch betont, "ein musicians musician, einer der ganz Großen!" Aber dies wäre am ehesten den musikalischen Kollegen bewusst, weniger dem breiten Publikum. Es sei aber "an der Zeit, dass mehr Hörer dem Spirit Kennys begegnen können - sein Timbre, besonders bei Balladen, verschlägt mit jedesmal den Atem!"
Das für "New York Album" gewählte Repertoire wird all diesem gerecht - der traditionsbewussten, aber gleichzeitig wagemutigen Haltung Oliver Strauchs, der Virtuosität und Brillanz Kenny Werners und der soliden Bodenhaftung des Neuseeländers Matt Penmans, der mit seinem Bass der Musik das Fundament und die Erdfarben hinzufügt. In epischer Breite entfalten sich vor den Ohren des staunenden Zuhörers scheinbar altbekannte Stücke wie Cole Porters Easy To Love, Bruno Martinos Estate oder Jerome Kerns The Song Is You in neuen, spannenden Interpretationen. Richtig ins Volle greift die Band aber bei Mal Waldrons Soul Eyes, das bereits John Coltrane so faszinierte, dass er eine eigene Version davon aufnahm, und bei George Gershwins I Loves You Porgy aus "Porgy And Bess". Speziell bei dieser Aufnahme sei Kenny Werner, schwärmt Oliver Strauch, "eine Sternstunde gelungen - er spielt sehr risikoreich, seine Höhenflüge sind wirklich einzigartig!" Und alles seien "First Takes", ein "richtiges Konzert, mit all den kleinen Unperfektheiten, die den Jazz so reizvoll machen."
Die Suche nach dem "New York Sound" war nicht allein wegen der beteiligten Musiker ein Erfolg - auch das Aufnahmestudio "System Two" in Brooklyn hatte seinen Anteil daran: "Dort steht ein wunderbarer Steinway Flügel", erzählt Strauch, "der vorher seinen Platz in der Carnegie Hall hatte. Schon Alfred Brendel und Daniel Barenboim haben auf ihm gespielt. Kenny war von dem Klang dieses Instruments ganz angetan. Das Außergewöhnliche an diesem Studio ist aber dieser besondere Sound, den ich ,New-York-Sound' nenne - groß, akustisch und in einer Tradition, die uns alle geprägt hat!" Der Modern Jazz, der Bebop, seien schließlich in New York entstanden, fährt er fort.
Der Sound dieser Stadt, betont Strauch, sei der "seiner Helden", von Miles, Trane, Bird und Bill Evans. "Ihn habe ich tief eingeatmet und ihm nachgespürt!" Praktisch verkörperlicht hat sich dies in seiner Brooklyn Mystery Suite, der einzigen Eigenkomposition der Platte: "Das fing für mich alles ein - die Leichtigkeit und Tiefe der Stadt, die Taxifahrt über den Hudson, die Skyline . Mit Kenny und Matt derart frei zu spielen, war ein riesiges Privileg! Dennoch", fügt er augenzwinkernd hinzu, "findet sich in dieser Komposition viel Europa wieder."
Und was bietet der Jazz heutzutage, was macht ihn aus? Strauch fasst das sehr gut in Worte: "Jazz ist Freiheit. Ich wollte mich in dieser Phase in den improvisierten Jazz fallen lassen, und zwar aus einem einfachen Grund: es macht mich glücklich. Ich hoffe, andere auch."
+++Band+++
Kenny Werner piano
Matt Penman bass
Oliver Strauch drums
+++Tourdaten 2010+++
Oliver Strauch, Kenny Werner, Johannes Weidenmüller
15.10. Merzig-Schloss Fellenberg
16.10. Luxembourg-Abbaye de Neumunster "Autumn Leaves"
17.10. Mannheim-Enjoy Jazz Festival
18.10. Saarbrücken-Hochschule für Musik Saar
19.10. Frankfurt-Jazzkeller
20.10. Stuttgart-Bix
21.10. Köln-Altes Pfandhaus
22.10. Lörrach-Jazztone
+++Rezensionen+++
Jazz Podium, Hans-Bernd Kittlaus 9/2010:
"Der Saarbrücker Schlagzeuger Oliver Strauch suchte nach seinem höchst
erfolgreichen Zusammenspiel mit Randy Brecker in seiner Band Groovin' High im Februar 2009 erneut den Kontakt zu exzellenten amerikanischen Musikern. Diesmal nahm er im Trio mit Pianist Kenny Werner und Bassist Matt Penman auf. Das Programm besteht aus fünf Standards und Strauchs eigener "Brooklyn Mystery Suite", das die drei sehr impressionistisch ausmalen. Auch wenn die CD unter Strauchs Namen erscheint, übernimmt der Drummer nicht die Solistenrolle. Die überlässt er überwiegend Werner, einem der kreativsten Köpfe der amerikanischen Szene und gefragtem Lehrer, u.a. von Brad Mehldau. Werner hatte sich nach dem Unfalltod seiner Tochter etwas zurückgezogen und auch sein langjähriges festes Trio aufgelöst. In dieser neuen Trio Formation gibt er sich eher melancholischen Stimmungen hin und zeigt nur in "The song is you" seine Fähigkeit zu heftigstem Swing. Strauch versucht nicht, Werners langjährigen Schlagzeuger, den hyperkinetischen Ari Hoenig, zu kopieren, sondern leistet überzeugende Rhythmusarbeit und setzt klug Akzente, zum Beispiel im schönen "Estate", das auch Penman Gelegenheit zu einem gefühlvollen Solo gibt. Die CD macht Appetit auf einen Live-Auftritt des Trios im Rahmen einer kleinen Deutschland Tournee im Oktober 2010."
Stereo, Tilmann Urbach 10/2010:
"Wie aus einem Guss musizieren sich die drei durch die Songs."
Westzeit, Klaus Hübner 9/2010:
"Wer ein "New York Album" einspielt, der bewegt sich ganz bewusst
auf er klassischen Jazzschiene. Zeitgenössische Jazzmusik taugt nämlich noch nicht für besinnlich-nostalgische Rückblicke, wie sie der Schlagzeuger Oliver Strauch wagt. Gemeinsam mit dem altgedienten Pianisten Kenny Werner und Bassist Matt Penman (u.a. Nils Wogram, Wolfgang Muthspiel) serviert Strauch eine kleines Tablett voller Jazztraditionals im Stil der fünfziger Jahre. Er beginnt mit einer Cole Porter-Nummer ("Easy To Love"), interpretiert - natürlich - George Gershwin ("I Loves You Porgy") und spielt seine eigene Komposition "Brooklyn Mystery Suite". Bei Strauch gibt es keinen modischen Schnickschnack, keine Weiterentwicklung archaischer Jazzstrukturen - hier regiert die blanke, unverfälschte, pure Musik eines längst vergangenen Zeitalters. Das Zuhören macht trotzdem Spaß."
soultrainonline.de, Holger S. Jansen 9/2010:
"Dass Pianist Kenny Werner und Bassist Matt Penman die zwei weiteren
tragenden Säulen des Trios des Schlagzeugers Oliver Strauch sind, kündigt bereits das Cover vollmundig an und hält alle Versprechungen, die man aufgrund des bisherigeren musikalischen Werdegangs Strauchs sowie des Titels, "New York Album", haben kann. Denn tatsächlich schafft es das Trio, den sechs Kompositionen von George Gershwin über Cole Porter bis zu Eigenkompositionen von Oliver Strauch selbst, die musikalische Klangfarbe von dem, was sich seit über einer Dekade als New York Jazz identifiziert, zu geben, wobei es sicher hilfreich war, dass das Album in, man hätte es sich denken können, New York City aufgenommen wurde. Mit seinem Groovin' High-Projekt (Oliver Strauch's Groovin' High, der SOUL TRAIN berichtete) und den daraus resultierenden zwei Alben zeichnete Oliver Strauch bereits auf, dass Jazz, mitteleuropäischer Jazz, eben nicht immer nur im Kopf eine Existenzberechtigung hat, sondern ebenso Nachdruck auf Herz, Bauch und das Tanzbein haben kann, ja gar sollte. Selbstverständlich geht das "New York Album" diesen Schritt in Richtung Harmonie, Melodie und einer funky Attitüde erst einmal zurück in Richtung Traditionen. Wie sonst hätte das Trio wohl auch Klassiker wie "Easy To Love" von Cole Porter bearbeiten sollen? Doch dass gerade Strauch auch gerne mit Melodieführungen und Harmonien und etwas mehr Struktur arbeitet, wie es die Musterkinder der deutschen Jazzpolizei machen, hilft der Klangfarbe des Albums, einen sehr warmen, flüssigen Eindruck zu machen, der alles andere als aufdringlich ist. Natürlich ist der Zugang zur Musik auf "New York Album" gerade für ungeschulte Ohren in Sachen Jazz, New York Jazz, nicht so einfach wie der der Groovin' High-Alben. Hat man sich aber in die Materie reingehört, wird man auch als Neueinsteiger ins große Jazz-Universum schnell Neugier in Begeisterung umwandeln können. Das "New York Album" ist ein tatsächlich unterhaltsames, zeitgenössisches
Jazzgemälde, dass mit stilistischem Auge mit der Subströmung New York Jazz liebäugelt und die elitären Jazz-Analytiker als auch unvoreingenommene Neueinsteiger ins Genre beider maßen überzeugt. Spielfreude trifft Unvoreingenommenheit - so sollte es eigentlich immer sein."












