(openPR) Einjähriges Projekt mit demenziell Erkrankten wissenschaftlich ausgewertet
Märchen haben eine überaus positive Wirkung auf demenziell Erkrankte – dies ist das Ergebnis einer „Märchenstube“, die unter wissenschaftlicher Begleitung durch Dr. Antje Rethschulte am Küpper-Menke-Stift in Osnabrück durchgeführt wurde. „Wir sind immer aktiv auf der Suche nach neuen Ideen, die eine Bereicherung und eine Verbesserung der Lebensqualität für unsere Bewohner bedeuten. Mit dieser Zielsetzung haben wir auch das in Zusammenarbeit mit Frau Meyer entwickelte Märchenprojekt begonnen“, so Sabine Weber, Geschäftsführerin der Diakoniewerk Osnabrück gGmbH. Die professionelle Märchenerzählerin und Leiterin des Projektes, Sabine Meyer, hat ein Jahr lang wöchentlich mit einer festen Gruppe Demenzerkrankter in der Altenhilfeeinrichtung der Diakoniewerk Osnabrück gGmbH gearbeitet, Märchen frei erzählt, gesungen und unter Einsatz von Requisiten und Kostümen Erinnerungen wach gerufen – mit erstaunlichen Ergebnissen.
„Das allgemeine Wohlbefinden und die Ausgeglichenheit der demenziell erkrankten Bewohner haben sich während der Märchenstunden sichtbar gesteigert“, fasst Rethschulte die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Dies erlebten auch die Mitarbeiterinnen des Begleitenden Sozialen Dienstes, Ursula Loos und Mathilde Hohmann, die im Alltag eine verbesserte Kommunikationsbereitschaft feststellten. „Auch Bewohner, die zu Beginn wenig oder gar nicht am Geschehen teilgenommen haben, waren nach kurzer Zeit sehr aufmerksam und haben sich aktiv beteiligt“, schildert Meyer ihre eindrücklichen Erlebnisse.
Märchen und die Situation des Erzählens seien im Langzeitgedächtnis mit emotionalen Erlebnissen aus der Kindheit oder der Elternschaft verknüpft, so erläutert Meyer die Wirkung. Da das Langzeitgedächtnis bei demenziell erkrankten Menschen meist noch sehr gut funktioniert, seien sie mit Märchen emotional zu erreichen.
Neben der teilnehmenden Beobachtung konnten durch Befragung der Pflegenden und der Angehörigen jeweils zu Beginn und am Ende des Projekts wichtige Erkenntnisse über die Wirkung von Märchen auf demenziell Erkrankte gewonnen werden. Jede Sitzung wurde auf Video aufgenommen und der Ablauf und das Verhalten jedes Teilnehmers im Abschluss analysiert. Außerdem wurden jeweils vier der Probanden kurze Zeit nach der Märchensequenz befragt, um die Konzentrations- und Merkfähigkeit zu überprüfen.
Ermöglicht wurde das Projekt durch die Finanzierung der Stiftung des Gesundheitszentrums Bad Laer. „Wir sind sowohl dem Sponsor, aber auch allen Mitarbeitern im Küpper-Menke-Stift sehr dankbar, dass sie das Projekt mitgetragen und unterstützt haben. Es hat erheblichen Aufwand bedeutet“, weiß Geschäftsbereichsleiterin Sabine Weber zu schätzen.
Die Ergebnisse des Projektes fassen Meyer und Rethschulte wie folgt zusammen:
Das Wohlbefinden und die Entspannung wurden durch die Märchen deutlich gesteigert. Das Aggressionspotential und die sonst zum Krankheitsbild gehörende Unruhe gingen deutlich zurück.
Die Bereitschaft zur Kooperation wurde gefördert. Der Umgang miteinander war äußerst freundlich und hilfsbereit. „Unter den Probanden hat sich auch Zusammenhalt entwickelt. Die Teilnehmer haben sich gegenseitig geholfen, die Fragen zum Inhalt der Märchen zu beantworten, haben sich gegenseitig Mut gemacht und haben auch bei der Arbeit mir den mitgebrachten Requisiten miteinander kooperiert“, berichtet die Erzählkünstlerin.
Weiterhin war die Konzentrationsfähigkeit, die bei diesem Krankheitsbild eigentlich sehr eingeschränkt ist, erstaunlich ausgeprägt. Alle Zwischenrufe oder Fragen waren auf die Märchen bezogen. „Störungen von außen, beispielsweise das Geschehen vor dem Fenster oder auf dem Flur, wurden kaum wahrgenommen, was für Demenzerkrankte sehr außergewöhnlich ist“, so Rethschulte.
Die Mitteilungsbereitschaft wuchs. Auch die Bewohner, die sonst kaum noch sprechen, berichteten von ihren persönlichen Erinnerungen.
Das reine Vorlesen von Märchen hat nicht denselben Effekt. Das freie Erzählen in Kombination mit Requisiten oder Liedern und der Freiraum zur Interaktion sind entscheidend für den Erfolg.











