(openPR) Was braucht es, um spirituell zu sein? Ein Sitzkissen? Yogakurse? Räucherstäbchen? Gerade junge Menschen können damit oft nicht viel anfangen, vermissen den Bezug zu ihrer Lebenswelt. Im März wird die Sprache bisheriger Zen-Literatur revolutioniert: Respektlos, bissig und selbstironisch berichtet Brad Warner, wie er dem Zen mitten im Leben begegnet ist – mit der Bassgitarre.
BIELEFELD. „Zu Anfang hatten Punk und Zen eine Menge gemeinsam“, sagt Brad Warner: Die Einsicht, dass Autorität falsch ist. „Je mehr Macht du einer Autoritätsfigur einräumst, desto übler kannst du dich in ihrem Namen benehmen. Und das ist der Grund, warum Leute, die Gott zu ihrer obersten Autoritätsfigur machen, immer zum Übelsten dessen, was die Menschheit zu bieten hat, fähig sind.“
Das Buch „Hardcore Zen“ kann als Manifest des Nonkonformismus gelesen werden. In den USA verkaufte sich die erste Auflage binnen drei Monate, inzwischen wurde das Buch in fünf Sprachen übersetzt. Humorvoll plädiert Warner für eine Haltung, die Werte konsequent hinterfragt und nach eigenen Antworten sucht, anstatt neue Regelpakete und leere Gesten hervorzubringen: „Buchstaben auf Gebäude zu schmieren bewirkt nichts, außer den armen Schweinen, die sich um die Gebäudewartung kümmern, zusätzliche Arbeit zu machen. Niemand wird dieses "A" sehen und beschließen, mehr über die Philosophie der Anarchie zu lernen.“
Noch spannender ist es, die eigenen Werte zu hinterfragen – der Punkt, an dem Punk und Zen verschmelzen. Mit „Zero Defex“ durchläuft er die Stationen einer aufstrebenden Bandkarriere, als er an der Uni in einem Kurs über Zen landet. Ihm dämmert: „Wenn deine Träume buchstäblich wahr werden, ist es sogar noch schwerer. Dann kannst du dir selbst nicht mal mehr was mit weiteren Wenn-Doch-Nurs vormachen.“ Er lässt sich von Gudo Nidhijima Roshi zum Zen-Meister initiieren.
Immer wieder schlägt Warner Brücken von der modernen Popkultur zum Zen und zeigt: Erleuchtung ist nichts, was indischen Prinzen vor 2.500 Jahren vorbehalten war. Es ist kein Trip, keine Flucht vor der Wirklichkeit. Im Gegenteil: Wer mit seinem Idealismus direkt vor der eigenen Nase beginnt, der ist dem Geheimnis des Gewahrseins schon fast auf die Schliche gekommen. Der lernt, das Chaos zu lieben. Der hat erkannt, dass wir genau jetzt, in diesem alltäglichen Moment, absolut frei sind – und sei es beim Dreh einer neuen Folge von Ultraman, einer japanischen Trash-Monsterserie, bei der Warner im Produktionsteam mitarbeitet.
Über Zen sind vom schulmeister-lichen Selbsthilferatgeber bis hin zum hochkomplizierten Lebenswerk älterer Meister schon viele Bücher geschrieben worden. Doch selten hat jemand so gewitzt und schnörkellos mit Vorurteilen aufgeräumt und gezeigt, dass es nichts Praktischeres gibt als eine Hinwendung zum eigenen Selbst: „Diese Welt ist besser als das Paradies, weil das Paradies immer irgendwo anders ist.“











