(openPR) Umfrage von Opodo.de zeigt: Die Deutschen lehnen die angekündigte Flugsteuer in großer Mehrheit ab und werfen der Bundesregierung Abzocke vor. Ein Rückgang der Zahl der Flugreisenden deutet sich an.
Hamburg, 28. Juli 2010. Unverständnis, Empörung, Abzocke-Vorwürfe: Neben den Protest der Luftfahrtbranche und koalitionsinternen Streit tritt jetzt der Ärger der Bevölkerung über die neue Flugsteuer. Drei Viertel der Befragten lehnen die Pläne des Bundesfinanzministeriums ab, auf jeden in Deutschland startenden Flug bis zu 26 Euro Steuerabgaben aufzuschlagen. Weit mehr als die Hälfte sieht in der Flugsteuer sogar Abzocke, die allein dazu diene, den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen (67,1 %). Über 50 Prozent drohen mit Konsequenzen und wollen seltener fliegen. Das ergab eine Umfrage, die der Online-Reiseservice Opodo.de im Juli unter 662 Kunden durchführte.
Abzocke-Vorwürfe statt Verständnis für Sparzwänge: Die Bundesregierung ist offenbar daran gescheitert, die Notwendigkeit einer neuen Flugsteuer glaubwürdig zu begründen. Gerade einmal 8,4 Prozent der Befragten stimmen mit der Regierung darin überein, dass die neue Flugsteuer im Angesicht von Krise, Schuldenbergen und leeren Kassen notwendig sei. Nur 17,9 Prozent denken, dass die neue Steuer gerechtfertigt sei, da sie Umweltverschmutzung verhindere. Die Bundesregierung kann die Rechtfertigung und die angegebenen Zwecke der Flugsteuer – Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro und aktiver Umweltschutz – somit nicht erfolgreich vermitteln. Hingegen teilen 17,5 Prozent der Befragten die Einschätzung der Luftfahrtbranche, dass die Wirtschaft unter einer Flugsteuer leide und deutsche Arbeitsplätze gefährdet werden.
Fliegen die Deutschen nun seltener?
Diese Befürchtungen der Luftfahrtbranche könnten sich bewahrheiten. Wie bereits jetzt abzusehen ist, werden Reisedienstleistungen durch die Erhöhung der Flugpreise in großem Maß in Frage gestellt. Über die Hälfte der Befragten gibt an, handfeste Konsequenzen aus den steigenden Preise zu ziehen und in Zukunft deutlich seltener (17,1%) oder etwas seltener zu fliegen (36%). Weniger als die Hälfte der Deutschen wird demnach noch an dem bisherigen Reiseverhalten festhalten und genauso viel fliegen (46,9%). Selbst wenn einige Reisende letztenendes die Verteuerung zähneknirschend akzeptieren sollten, ist diese Ankündigung ein eindeutiges Warnsignal an die Reisebranche. Die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten dramatisch ausfallen.
Profitiert das Reiseziel Deutschland?
Aber warum in die Ferne schweifen, liegt das Urlaubsglück doch recht nah. Wird die Fernreise teurer, könnte Urlaub in der Heimat an Attraktivität gewinnen. Profitiert am Ende vielleicht das Reiseziel Deutschland von verteuerten Flügen? Hier besteht in der Tat Hoffnung. Während vier Fünftel es kategorisch ausschließen, wegen erhöhter Preise ihr Reiseziel zu ändern, geben ganze 20 Prozent der Befragten an, nun häufiger Urlaub in Deutschland machen zu wollen. Sollte sich auch nur ein Teil dieser Prognose bewahrheiten, würde sich unter der Prämisse „Weniger Flug – mehr Deutschland“ ein umfassender Strukturwandel abzeichnen: Der deutsche Tourismus wäre der große Nutznießer der Krise.
Umweltschutz würde Flugsteuer rechtfertigen
Dass die Flugsteuer die Wirtschaft belasten wird, kann als ausgemacht gelten. Aber lässt sich die Flugsteuer über den Umweltschutz rechtfertigen? Denn während drei Viertel der Befragten die Steuer in der jetzigen Form ablehnen, spricht sich ein deutlich geringerer Anteil kategorisch gegen jegliche Art von Luftverkehrsabgabe aus (31 %). Die Mehrheit ist vielmehr für eine neue Steuer – wenn sie denn den richtigen Zwecken dient. Mehr als die Hälfte würden für effektiven Umweltschutz tiefer in die Tasche greifen (51,5%). Ein knappes Drittel akzeptiert eine Flugsteuer unter der Bedingung, dass die Bürger nicht belastet werden (30,5%). Nur 23,1 Prozent sehen in effektivem staatlichen Schuldenabbau eine Rechtfertigung für höhere Abgaben. Sorgen um wirtschaftliche Belastungen für Unternehmen machen sich indes nur wenige (15,3%). Es zeigt sich, dass die Empörung über die Flugsteuer nicht nur von einem gesunden Egoismus getragen wird – sondern auch von der Überzeugung, dass die Flugsteuer zu den angegebenen edlen Zielen wenig taugt.
Umweltschutz durch Flugverzicht?
Doch eine weitere Schlappe für die Bundesregierung zeichnet sich bereits ab: Die erhoffte Verlagerung des Reiseverkehrs auf andere Verkehrsmittel könnte vor allem dem Auto zugute kommen. Von allen alternativen Transportarten werden die meisten Befragten auf die Straße ausweichen und somit zum alljährlichen Stauchaos beitragen (25,8%). Das erklärte Ziel des Bundesfinanzministerium, durch eine „ökologische Lenkungswirkung“ die Umwelt zu schonen, könnte sich in das Gegenteil verkehren: Noch mehr Verkehr und Umweltbelastung zur Urlaubszeit.
Die Auswirkungen der jüngst angekündigten Änderungen an der Gesetzesvorlage bleiben daher abzuwarten. Ohne substantielle Anpassungen und Verbesserungen dürfte es schwer werden, die Notwendigkeit und Angemessenheit einer Flugabgabe gegenüber den Bürgern glaubhaft zu vermitteln und einen Schaden für die Wirtschaft zu vermeiden.











