(openPR) Eine Stimme in der Dämmerung. Sie flüstert. Sie spricht mit leiser Eindringlichkeit. Sie klingt weich, zart, behutsam. In aller Ruhe artikuliert sie, ohne je einen Satz zu forcieren. Versonnen, melancholisch, unaufgeregt ist ihr Ton. Sie spricht mit dem Selbstbewusstsein dessen, der weiß, dass er nicht um Aufmerksamkeit buhlen muss. Man hört sie, auch wenn sie ganz bei sich bleibt. Sie ist einfach da, lässt organisch wachsen, was aus ihr kommt, und wirkt, als sei sie schon immer anwesend. Immer diese Stimme in stillen, stimmungsvollen Momenten, in denen das Licht ganz schräg aufs Pflaster fällt und drumherum kaum Bewegung und Geräusch ist. Ein eigentümlicher, starker Sog geht von ihr aus. Es ist die Stimme von Domenic Landolf. Und zwar die Saxophon-, Bassklarinetten- und Altquerflötenstimme dieses leisen und besonderen Instrumentalisten.
Im Trio mit Bassist Patrice Moret und Schlagzeuger Dejan Terzic hat Landolf jetzt seine zauberhaften Dämmerstimmen-Klänge für Pirouet konserviert: New Brighton heißt die CD, die Musik voller soghafter Schönheiten präsentiert und auf der ein Trio-Spiel von besonders intimer Intensität zu erleben ist. Dreizehn Aufnahmen, die fesselnde Stimmungen schaffen. Eine Magie der Momente tut sich hier auf. Jedes Stück eröffnet eine eigentümliche eigene Klangwelt, die in einer berückenden Selbstverständlichkeit in sich ruht - und den Hörer einlädt, sich in ihr einzurichten. Man kann in diesen Klangwelten spazieren gehen, flanieren, sich einfach treiben lassen. Und man erlebt spannend-schöne Augenblicke mit unterschiedlichsten Nuancen. Schon die puristische Besetzung dieses Trios hat großen Reiz. Blas-Instrument, Bass, Schlagzeug - ohne akkordische Instrumente wie Klavier oder Gitarre. Schönheit und Intensität erwächst hier gerade aus der Sparsamkeit und Klarheit der Dialoge, die die Instrumente führen können. Eng verzahnt ist das Zusammenspiel von Landolf, Moret und Terzic, so als seien die Nerven-Enden der Musiker auf geheimnisvolle Art miteinander verbunden. Immer aus einem Guss, immer in einem Fluss. Und dabei fungieren Bass und Schlagzeug nicht so sehr als "Begleiter" der Bläserstimme, sondern eher als gespiegelte Ichs. Die facettenreiche Versonnenheit von Landolfs Linien taucht im entsprechenden Gestus auch stets im frei beweglichen Bassspiel Patrice Morets auf. Wie eine poetische Verlängerung der Hauptstimme wirkt dieser Bass, ein subtil weitergesponnenes Echo in den Tiefen - das sich selbstverständlich auch solistisch emanzipieren darf, was Moret bravourös und stimmig tut. Und das Schlagzeug von Dejan Terzic fächert mit geistvoller Klangvielfalt weite Räume auf, in denen das hohe Klingeln eines Glockenspiels melodische Versatzstücke wie aus fernen Traumwelten beisteuert. Fast etwas Surreales haben die musikalischen Augenblicke, die dabei entstehen. Gebannte Momente mit eigentümlichem Zauber, der einen nicht so schnell wieder loslässt.
Domenic Landolf spielt auf dieser CD Tenorsaxophon, Bassklarinette und
Altflöte. Seinen Tenorsaxophon-Ton versteht Landolf faszinierend vielfältig zu schattieren. Ob gleich im ersten Track der CD, Lehar, oder besonders im letzten, der Interpretation des Standards My Old Flame: Immer wird man überrascht durch Klänge von enormem Nuancenreichtum. Bei Lehar könnte man das Tenorsax zunächst fast mit einem Altsax verwechseln, bei My Old Flame drängt sich nach den ersten Tönen gar der Gedanke an eine Flöte auf - so fein modelliert Landolf seine Saxophonstimme. Nie ist diese Stimme eindimensional. Immer setzt Landolf in ihr subtile technische Mittel ein, um zu intensivem, stimmungsdichtem Ausdruck zu gelangen - etwa die Klang-Metamorphosen in Track 10, Malstrom, dann die fast wie Frage- und Antwort-Spiele mit sich selbst erscheinenden hohen Linien und tiefen, signalartigen Phrasen im Titelstück New Brighton sowie schließlich die satten Kantilenen in Track 12, The Beatles Go East. Immer aber fällt eines besonders auf: die Gelassenheit, mit der Landolf spielt. Nirgends erweckt der Musiker den Eindruck von effektbetontem Muskelspiel, das beeindrucken möchte. Ganz im Gegenteil: Alles scheint absolut konsequent im Dienste der musikalischen Stimmungen zu stehen. Und so klingt bei Landolf auch die Bassklarinette vornehmlich lyrisch und zart - etwa in Les Bouts du Monde - und knallt nicht mit rhythmischen Pointen und tiefen Schnalzern ins Geschehen. Die Flöte schließlich wirkt bei ihm geradezu archaisch, Farbgeber in ritualartigen musikalischen Prozessen, nicht zuletzt in einem Stück wie Track 5, Calling the Spirits, und Track 9, Kululeka. Ein Instrumentalist der Vielfalt, die - in der Unaufgeregtheit, in der sie daherkommt - zugleich den Eindruck einer völlig geschlossenen Einheit macht. Genau das trifft auch auf die rätselhaft schönen und schön rätselhaften Kompositionen Landolfs zu (die hier mit Kollektivschöpfungen des Trios wechseln). Stücke von durchweg äußerst starken eigenen Stimmungen, die aber alle zusammen ganz und gar eins sind. Und Stücke mit Titeln, die Rätsel aufgeben, etwa The Beatles Go East oder Lehar - als Ratespiele für Hörer, die gern nach Querbezügen suchen. All das zusammen - die Titel, die Kraft der Kompositionen, die Subtilität des Instrumentalklangs und das enorm feinfühlige Zusammenspiel des Trios - ergibt ein packendes Spektrum. Musik, in der es viel zu entdecken gibt. Musik zum Lauschen für Liebhaber von Nuancen. Musik, in der eine gelassene Stimme aus der Dämmerung viel zu sagen hat. Es ist die Stimme von Domenic Landolf.
+++Besetzung+++
Domenic Landolf tenor saxophone, bass clarinet, alto flute
Patrice Moret bass
Dejan Terzic drums
+++Tour 2010+++
25. Mai 2010 Basel · Bird's Eye
26. Mai 2010 Basel · Bird's Eye
27. Mai 2010 Aarau · Theater Tuchlaube
10. Juni 2010 Oberengstringen · Jazzclub Allmend
22. September 2010 Winterthur · Theater am Gleis
Domenic Landolf mit Pablo Held Trio
2.-5. Juni 2010 Basel · Bird's Eye
+++Biografie Domenic Landolf+++
Der 1969 in Bern geborene Musiker, Komponist und Hochschuldozent Domenic Landolf studierte von 1988 bis 1992 an der Swiss Jazz School in Bern beim Schweizer Saxophonisten Andy Scherrer, in dessen Sextett er zude spielte. Zur "Schweizer Jazzelite" zählend, spielt Landolf neben Saxophon und Klarinette auch Bassklarinette und Flöte. Er trat u.a. auf mit Bert Joris, Bill Holman, George Robert, Gunther Schuller, Joe Lovano, Reggie Johnson und Jimmy Woode und ist auf Einspielungen von Matthias Spillmann, Eliane Cueni, Daniel Schläppi, Adrian Mears, Roman Schwaller und Regula Haener zu hören. 1999 erschien sein Debütalbum Levitation im Quartett mit Pianist Jean-Paul Brodbeck, Bassist Fabian Gisler und Schlagzeuger Dominic Egli, gefolgt 2003 von Wanderlust (Pirouet Records) mit Jean-Paul Brodbeck am Piano sowie Fender Rhodes, Fabian Gisler am Bass und Dominic Egli am Schlagzeug. Domenic Landolf unterrichtet Saxophon an der Musikhochschule Basel, wo er seit 1995 lebt. "In seinem Spiel verbindet Domenic Landolf Eleganz und Kraft, und er überrascht regelmäßig mit außergewöhnlichen Kombinationen", schrieb Tom Gsteiger in Der Bund.












