(openPR) Leipzig packt's an /
geschrieben von Ralf Julke am 29.03.2005, 00:00 Uhr
Kinder brauchen eine Lobby, auch wenn Ämter und Behörden für sie „nur das Beste“ wollen. Gerade wenn Ämter und Behörden für sie das Beste wollen. Dann ist die Gefahr nämlich am Größten, dass sie zu bloßen Zahlen in einer Statistik werden, in der es am Ende nur noch um eines geht: das liebe Geld. Und es hat gedauert, bis die Kleinsten in Leipzig eine Lobby gefunden haben. Bis zum Herbst letzten Jahres. „Auch wenn wir uns schon zwei Jahre vorher mit dem Thema beschäftigt haben“, sagt Thomas Kujawa, Mitinitiator der Stiftung.
Die Leipziger kennen ihn auch als Sprecher des 1999 gegründeten Gesamtelternrates der Stadt Leipzig (GER), entstanden als Gremium sämtlicher Elternvertretungen in Krippen, Kindertagesstätten und Horten. Gerade Ende der 90er Jahre hatte sich gezeigt, dass der Freistaat und die Stadt Leipzig bei neuen Kürzungsrunden vor den Kindereinrichtungen nicht halt machen würden. Gleichermaßen wurde deutlich, dass der Sanierungsbedarf in den meisten Einrichtungen wuchs und auch das Angebot nicht unbedingt den Wünschen der Eltern genügte.
Auch Leipzigs KiTas schwebten irgendwo in der nichtvollendeten Rolle vorwärts aus der „sozialistischen Vorschule“ hinüber in die Anspruchslosigkeiten westlicher Heile-Kinderwelt-Modelle. Einen echten Dialog zwischen Einrichtungen, Eltern und Behörden gab es nicht. „Nicht aus Boshaftigkeit, das haben wir bald gemerkt“, erinnert sich Thomas Kujawa, „eher aus einer Angst heraus, die Eltern könnten jetzt einfach fordern und die Arbeit noch schwerer machen.“ Das mussten auch die Erzieherinnen erst lernen, dass Eltern sehr wohl bereit sind, mit anzupacken, sich einzubringen für die Einrichtung, die sie für ihre Knirpse ausgewählt haben.
Über fünf Jahre Arbeit haben gezeigt: Es geht. In vielen kleinen Projekten haben Eltern sich eingebracht in den Erhalt, den Ausbau und die Qualitätsverbesserung in Kindereinrichtungen. Der Gesamtelternrat wurde nicht nur zum Sprachrohr der Eltern von rund 14.000 Kindern, er wurde auch zu einem wichtigen Gesprächspartner für das Jugendamt der Stadt. Aber der Status quo genügt nicht. Das wissen alle Beteiligten. Die im ganzen Freistaat geplanten Zugangsbeschränkungen für Leipziger KiTas brachten das Grundproblem wieder klar auf den Punkt: Wenn es um Geld geht, hört - scheinbar - die Kinderliebe auf.
„Wir brauchten dringend ein Forum, mit der echte Lobbyarbeit für unsere Kinder geleistet werden kann“, erzählt Thomas Kujawa. Die Form einer Stiftung lag nahe, damit wäre zumindest ein gewisser finanzieller Hintergrund geschaffen. Die eigentliche Lobby-Arbeit ist pures Ehrenamt. „Leute mit guten Ideen gibt es genug“, weiß der Diplom-Kaufmann, „aber Leute, die nicht bereit sind, sich für ihre Ideen auch einzusetzen, nutzen uns allen nichts. Man muss auch was dafür tun wollen, damit Kinder eine glückliche Kindheit haben und größtmögliche Chancen für ihren Lebensweg.“
Deswegen gibt es mehrere Möglichkeiten, sich in der Kinderlobby einzubringen. Als Stifter zum Beispiel oder Spender, der mit Geld hilft, wenn die Zeit zum Mitwirken fehlt. Man kann aber auch in mittlerweile zwölf Arbeitsgruppen mitmachen, die wesentliche Ideen der Eltern versuchen in die Praxis umzusetzen.
Das Projekt „MusiKÜSSchen“ ist so ein Projekt, gestartet noch vor Gründung der Stiftung im Herbst 2004 gemeinsam mit der Musikschule J. S. Bach. Die Lehrer der Musikschule begreifen dadurch musikalische Früherziehung in den KiTas nicht mehr als Konkurrenz, sondern als echte Ergänzung für ihre Arbeit und mögliche Basis für neuen Nachwuchs. „KiTas als offene Kommunikationszentren“ befindet sich im Leipziger Osten derzeit in Erprobung. „Mehr-Sprachigkeit“ findet sich ebenfalls im Probestadium in einigen Einrichtungen.














