(openPR) Wer kennt sie nicht, die „Made“ im Apfel? Genauer betrachtet handelt es sich dabei um die Raupe des Apfelwicklers. Als Konsument, der sein Obst auf dem Wochenmarkt oder in irgendeinem Lebensmittelgeschäft einkauft, ist man einfach ein wenig angewidert von einem befallenen Apfel. Apfelbaum-Besitzer aber kann ein stärkerer Befall der Früchte in ihrem Gärtner-Stolz oder auch wirtschaftlich richtig treffen.
Sieht man sich den Lebenszyklus des Apfelwicklers an, so wird jedoch schnell deutlich, zu welchen Zeitpunkten oder Entwicklungsphasen man sich gegen diesen Schädling zur Wehr setzen kann:
Bei normalem Witterungsverlauf schlüpfen die ersten Apfelwickler-Falter Mitte Mai. Nun beginnt die Paarungszeit, wobei die männlichen Falter von den Sexuallockstoffen der Weibchen angezogen werden. Bald nach der Begattung beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Bis zu achzig Eier legen sie einzeln auf jungen Früchten oder in deren Nähe ab. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die ersten Raupen. Zunächst kriechen sie zwei oder drei Tage auf der Frucht herum und fressen an deren Schale; dann bohren sie sich ins Innere. Vier Wochen bleiben sie darin, dann kommen sie wieder ans Tageslicht. Ist die beschädigte Frucht bereits zu Boden gefallen, erspart das der Raupe die Mühe, sich an einem selbst gesponnenen Faden abzuseilen.
Auf jeden Fall macht sich die Raupe dann unversehens auf den Weg zum Baumstamm, um sich dort unter der Rinde einen festen Kokon zu spinnen. Dieser durch abgenagtes Holz verstärkte Kokon schützt die Raupen über etliche Monate, bis sie sich im April oder Mai des folgenden Jahres verpuppen.
In warmen Sommern beginnt die Verpuppung teils jedoch bereits Ende Juli. Das bedeutet dann, dass im August eine zweite Faltergeneration erscheint. Sie wirkt sich besonders schädlich auf die Ernte aus, denn jetzt werden die Äpfel befallen, die sonst den Ertrag gebracht hätten.
Der skizzierte Lebenszyklus des Apfelwicklers bietet bereits zwei Ansatzpunkte zu seiner Bekämpfung: Zum Einen ist es enorm wichtig, vorzeitig herabgefallenes Obst schnell einzusammeln und zu beseitigen. Damit werden auch die noch darin enthaltenen Raupen entfernt. Zweitens kann man gegen Ende Juni am Stamm Manschetten aus Wellpappe anbringen. Diese Pappstreifen müssen oben mit Hilfe eines Drahtes eng an den Stamm gedrückt werden, während sie unten ein wenig von der Rinde abstehen. Aufwärts wandernde Raupen kommen dann nicht weiter und können etwa wöchentlich abgesammelt werden. Es gibt solche Manschetten fertig zu kaufen. Dazu Dr. Helmut Haardt, Abteilungsleiter für Biologischen Pflanzenschutz bei re-natur GmbH: „Ich habe solche Pappstreifen nicht in unser Programm aufgenommen. Bei Bedarf findet sich doch in jedem Haushalt oder Unternehmen ein geeigneter Wellpappkarton, aus dem man sich Pappstreifen schneiden kann.“
Die bis hier genannten Methoden sind normalerweise für sich schon hilfreich und oft ausreichend. Für den Fall aber, dass sich Apfelwickler wirklich als wiederkehrendes Problem herausstellen, schildert Dr. Haardt in einem von ihm erstellten Infoblatt die folgenden drei Ansätze zur biologischen Bekämpfung:
a) Pheromonfallen fangen die Falter
Der synthetisch hergestellte Sexuallockstoff der Weibchen steht heute in Form von Dispensern zur Verfügung, die in der Lage sind, den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich freizusetzen. In Verbindung mit Trichterfallen werden männliche Apfelwickler gezielt fangen, wodurch die Paarung und Vermehrung gestört wird.
Mitte Mai bis Mitte August sollten die Fallen in die Baumkronen gehängt werden. Es reicht eine Falle pro Baum. Alle sechs Wochen werden sie mit einem neuen Lockstoff-Dispenser bestückt.
b) Trichogramma-Schlupfwespen vernichten die Eigelege
Die nur 0,4 mm großen Trichogramma-Schlupfwespen sind Eiparasiten, die ihre eigenen Eier in die der Apfelwickler legen. Die Trichogramma-Larven ernähren sich während ihrer Entwicklung vom Inhalt des Wirtseies und verpuppen sich darin. Etwa zwei bis drei Wochen später schlüpft aus den Schädlingseiern eine neue Generation von Nützlingen. In einer Vegetationsperiode können sich auf diese Weise 5 bis 8 Generationen von Schlupfwespen entwickeln.
Ab Mitte Mai werden Nützlinge in Form von eibestückten Karten im Abstand von drei Wochen drei- bis viermalig ausgebracht. Flugbeginn, Eiablage und Schlupf der Larven sind stark von der Witterung abhängig. Pheromonfallen dienen zur Kontrolle der Flugaktivität des Apfelwicklers als wichtige Information für den Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen.
Wird die erste Flugaktivität festgestellt, sollte sofort mit der Ausbringung begonnen werden. Mit Hilfe der Pheromonfallen lässt sich dies gut nachweisen.
Auf jeder Trichogramma-Karte sind insgesamt 3000 Eier mit circa 8 verschiedenen Altersstufen von Trichogramma aufgeklebt. Schon ein bis zwei Tage nach der Ausbringung im Baum schlüpfen die ersten Tiere, weitere folgen über einen Zeitraum von bis zu 20 Tagen.
Trichogramma-Schlupfwespen sind sehr laufaktive Tierchen, ihr Aktionsradius beträgt etwa 6 Meter. Durch ein gezieltes Absuchen der Blätter finden sie die abgelegten Eier.
Je Hochstamm werden 3 - 4, je Halbstamm 2 – 3 und bei Pillar/Spindelformen in jeden dritten Baum eine Karte platziert.
c) Räuberische Nematoden bekämpfen die Winterlarven
Die zur Überwinterung am Stamm eingesponnenen Larven werden mit Nematoden der Art Steinernema feltiae behandelt. Diese natürlichen Feinde sind winzige Fadenwürmer, die durch ihren gezielten Einsatz 70 – 90 % der Apfelwickler-Larven abtöten und damit die Eiablage der Apfelwickler im darauf folgenden Frühjahr um 50 – 70 % reduzieren.
Ab Ende September werden die Nematoden im Spritz- oder Streichverfahren an den Stamm aufgebracht. Die Temperaturen sollten nach der Behandlung für einige Stunden 8° C nicht unterschreiten. Günstig sind feuchte Bedingungen. Die Verwendung des beigefügten Haftmittels erleichtert die Beweglichkeit der Nematoden und verbessert die Wirtsfindung.
Haben die Nematoden die Apfelwickler-Larven erreicht, dringen sie in diese ein und töten sie mit Hilfe eines spezifischen Bakteriums ab.
Pheromonfallen, Schlupfwespen und Nematoden sowie viele Informationen rund um den Biologischen Pflanzenschutz finden sich auf www.re-natur.de












