(openPR) Sie sehen nicht nur aus wie echte Babys, sie verhalten sich auch fast so. Fünf lebensechte Puppen, zwei Jungen und drei Mädchen, nahmen jetzt an der Vorstellung des esperanza Jahresberichtes in der Geschäftsstelle der Caritas Euskirchen teil. Und sie waren nicht nur stille Zeugen des Geschehens, eine brachte sich mit ihrem täuschend echten und anrührenden Babygeschrei auch lautstark in die Pressekonferenz ein.
Die Puppen sind Teil des Präventionsprogramms Babybedenkzeit, welches Caritasmitarbeiterin Anne Winter künftig im Rahmen ihrer sexualpädagogischen Arbeit anbieten wird. Das Programm wurde vor zehn Jahren von zwei Diplom Pädagoginnen aus Delmenhorst entwickelt. Die RealCareBabys genannten Puppen simulieren realistisch den Tagesablauf eines echten Säuglings. Sie melden sich, durchaus lautstark, wenn sie Hunger haben, ein Bäuerchen machen müssen oder die Windel voll ist. Ermöglicht wird die Durchführung des Präventionsprogramms durch die finanzielle Unterstützung des Ehe- und Familienfonds des Erzbistums Köln.
„Wir werden die Puppen an Schulen einsetzen, erste Anfragen von Schulleitungen liegen uns bereits vor,“ so Winter. Nach entsprechender Bearbeitung der Thematik im Unterricht können Schülerinnen und auch Schüler je einen Säuglingssimulator für mehrere Tage mit nach Hause nehmen, um dort den Umgang mit einem Säugling unter realistischen Bedingungen zu üben. „Die Puppen sind ein echtes Hightech Produkt,“ berichtet die Caritasexpertin. Die Elektronik in den Simulatoren zeichnet genau auf, wie sich die Babypraktikanten im Umgang mit ihren Säuglingen bewähren. Diese Informationen werden dann von Winter mit einem speziellen Gerät ausgelesen. „Schummeln unmöglich,“ so Winter. Mit dem Einsatz der Simulatoren wolle man den Jugendlichen deutlich machen, welche Verantwortung eine Elternschaft mit sich bringe. Und das durchaus erfolgreich, wie Zahlen aus anderen Bundesländern belegen. Dort wo die Simulatoren bisher eingesetzt wurden, stieg das Alter, in dem die Jugendlichen selbst Eltern werden wollten, deutlich auf Ende Zwanzig bis Anfang Dreißig.
„Hier ist Aufklärung wichtig, denn wir kennen durchaus 14- bis 15jährige Mädchen, die keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt sehen und deshalb ein Kind als alternativen Lebensentwurf für sich betrachten,“ so esperanza-Beraterin Irene Rütten.
Überhaupt ziehe sich Perspektivlosigkeit und Familienarmut wie ein roter Faden durch den aktuellen Jahresbericht der Beratungsstelle. „Das Sozialgefüge wackelt, da fällt der Kitt aus dem Rahmen,“ so Caritas-Chef Franz Josef Funken. So würden in Deutschland 18% der Kinder und Jugendlichen in einkommensarmen Familien aufwachsen, in NRW sei davon jedes 4. Kind betroffen. Und auch die Zahlen der Euskichener Caritas-Beratungsstelle sprächen eine deutliche Sprache.
Insgesamt 352 Menschen suchten 2009 Rat und Hilfe bei der Schwangerschaftsberatungsstelle der Caritas. Neben Einzelberatungen wurden 94 Paarberatungen, 23 Familienberatungen und 6 Gruppenberatungen durchgeführt. Auffällig sei der Trend hin zu längerer und intensiverer Begleitung der Ratsuchenden. „Allein 30 Klienten wurden 2009 von uns in 6 und mehr Gesprächen beraten,“ berichtet Rütten. Dies hänge auch mit der Summe an Fragen und Unsicherheiten zusammen, mit denen sich werdende Eltern heute konfrontiert sähen. Lediglich 39% der Ratsuchenden waren zum Zeitpunkt der Beratung verheiratet, nur 16% bezogen Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit und weniger als ein Drittel hatte eine abgeschlossene Berufsausbildung.
„Wir stellen immer mehr Belastungen bei unseren Klienten fest. Nicht allein die materielle Armut ist hier bedeutsam,“ betont Rütten. Zwar sei die Frage nach finanzieller Unterstützung nach wie vor die Hauptmotivation sich bei esperanza zu melden, im weiteren Beratungsprozess offenbarten sich aber häufig auch soziale und emotionale Defizite. Die Gefahr einer Überforderung der künftigen Eltern steige so ebenfalls an. „Hier haben wir in den letzten Jahren ein ganzes Hilfesystem aufgebaut,“ so Funken. Neben der Beratungsstelle umfasse dies den Väterberater, das Caritasnetzwerk Frühe Hilfen, die Familienhebamme oder auch die flexiblen Erziehungshilfen des Wohlfahrtsverbandes.
„Besondere Bedeutung kommt dabei unseren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu,“ betont der Caritas-Chef. „Diese Menschen leisten Großartiges, teils unter schwierigsten Bedingungen, egal ob als Familienpatin oder Leihoma, egal ob in den Familien selbst oder in der Begegnungsstätte Kinderkram, egal ob bei Alphabetisierungs- oder Säuglingspflegekursen!“ Rund 5.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit seine so allein in diesem Bereich 2009 geleistet worden. Diese Arbeit gebe es für die Gesellschaft aber eben nicht zum Nulltarif: „Wir qualifizieren unsere Ehrenamtlichen, begleiten sie fachlich und bieten ihnen die Möglichkeit sich auszutauschen.“ Hier bringe der Caritasverband erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen ein. „Die Kreispolitik wäre auch in Zeiten knapper Kassen gut beraten, dies entsprechend zu würdigen,“ so Funken abschließend.












