(openPR) Familien brechen auseinander und setzen sich wieder neu zusammen als Patchworkfamilien; neue Lebensformen wie Mehrgenerationenwohnen sind im Kommen. Die Trendforscherin Lola Güldenberg greift diese Entwicklung auf und führt sie gedanklich noch ein Stück weiter: „Vielleicht bedeutet das ja, dass die Familiengruft doch wieder stärker nachgefragt wird, weil diese Menschen, obwohl sie nicht verwandt sind, im Tod zusammen sein möchten.“ In Sachen Familiengrab lassen sich zurzeit zwei Trends beobachten: Zum einen sehen Gemeinden eine zarte Renaissance der gemeinsamen letzten Ruhestätte, zum anderen schaffen Kommunen das Angebot eines Mehrfachgrabes mangels Nachfrage ab. Ist also das Familiengrab ein Auslaufmodell oder wieder „in“?
Familiengräber auf dem Friedhof sind Wahlgräber, die für zwei oder mehr Personen eingerichtet werden. Es heißt Wahlgrab, weil es dem Nutzer eine Vielzahl von Wahlmöglichkeiten bietet, im Gegensatz zum schlichten Reihengrab. Zunächst einmal bestimmt der Nutzer des Wahlgrabs, wer darin beigesetzt werden soll, außerdem wählt er die Lage der Grabstätte und bestimmt über die Gestaltung des Grabmals. „Auf dem Land gibt es noch viele Familiengräber, die oft von Angehörigen gepflegt werden“, weiß Rainer Volk, der in Buseck bei Gießen eine Friedhofsgärtnerei betreibt. Es werden aber weniger, weil die Angehörigen wegziehen. „Etliche kaufen aber auch das Grab nach Ablauf der Ruhefrist zurück“, berichtet Volk. Eine weitere Möglichkeit zur Bewahrung von Familiengräbern – vor allem in der Stadt – sind so genannte Grabpatenschaften. Der Pate kümmert sich zu Lebzeiten um die Erhaltung der Grabstätte und lässt sich dann auch in diesem Familiengrab bestatten.
Das Familiengrab hat also nicht nur eine reiche Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft – allen Erosionen des Familienzusammenhalts und der wachsenden Konkurrenz durch andere Bestattungsformen zum Trotz: „Ein Grab auf dem Friedhof bietet einen Grad der Verortung, den andere Bestattungsformen nicht erreichen und nie erreichen werden,“ findet Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e. V. (VFFK). Er begründet das so: „Ein Grabstein oder eine Grabplatte, ein Grabmal mit Figur und Inschrift, eine individuelle Gestaltung mit Symbolpflanzen sowie nicht zuletzt der Friedhof als Ort mitten im Leben, an dem sich nicht nur engste Angehörige, sondern viele andere Menschen begegnen und selbst Ruhe finden – dieses Zusammenspiel von Elementen ist es, was den Friedhof von allen anderen Orten der Trauer unterscheidet.“ An einem Familiengrab kommen die Familien immer wieder zusammen, selbst wenn sie in der ganzen Welt verstreut leben.
Vor allem diese emotionalen Aspekte bringen z.B. Patchwork-Familien zu der Überlegung, sich gemeinsam in einer Familiengrabstätte bestatten zu lassen. Dazu bedarf es allerdings auch des Umdenkens bei denen, die die Gestaltung und Nutzung von Friedhöfen bestimmen: nämlich eine „klare Orientierung auf die Bedürfnisse der Hinterbliebenen“, wie sie etwa der Landschaftsplaner und Friedhofsberater Andreas Morgenroth auf einer Fachtagung forderte. Und tatsächlich ist die Friedhofs-„Szene“ in Bewegung geraten: Bestatter bieten „Patchwork-Treffen“ an, Friedhofsbetreiber richten „Trauercafés“ ein und für die nächste Bundesgartenschau 2011 in Koblenz planen die Aussteller im Bereich „Grabgestaltung und Denkmal“ einen Ausstellungsteil zum Thema „Neue Lebenswelten“: Patchworkfamilien, Großfamilien, Mehrgenerationenfamilien ...













