(openPR) 1928 in Wolfen geboren, war „als Flakhelferjahrgang“ für Wolfgang G. Schröter nach dem Abitur 1947 der Weg in ein Praktikum in der Filmfabrik naheliegend - es gab kaum andere Arbeitsmöglichkeiten in Wolfen. In der Filmprüfstelle der Agfa lernte er bei hervorragenden Meistern die fotografischen Techniken der Schwarz-Weiß und Farbenfotografie.
1949 nahm er das Studium am damaligen Institut für Farbenfotografie an der Akademie für Grafische Künste und Buchgestaltung in Leipzig auf.
Nach Abschluss seines Studiums war Schröter freischaffend als Bildreporter und Farbfotograf tätig, vor allem für die Illustrierte „Freie Welt“. Seit 1972 war er Gastdozent für Angewandte Farbfotografie an der HGB Leipzig und 1992 bekam er eine Professur auf dem Gebiet der Medienkunst. Neben seiner Dozententätigkeit nahm er Auftragsarbeiten auch für große Industriebetriebe der DDR an. So beispielsweise auch für die Filmfabrik Wolfen.
Passend zum diesjährigen Jubiläum „100 Jahre Filmfabrik Wolfen“ zeigt das Industrie- und Filmmuseum eine Auswahl von ca. 50 Arbeiten, die Schröter im Auftrag der Filmfabrik seit den 50er Jahren angefertigt hat.
Frühe Reportagen aus den 50er Jahren erinnern an das Schaffen in der Filmfabrik nachdem das Werk ab 1953 nicht mehr zur sowjetischen Aktiengesellschaft gehörte. Neben Aufnahmen aus der Filmproduktion sind auch Arbeitsmomente aus dem Bereich Chemiefaser dargestellt.
Beruflich erfüllend war für Prof. Schröter die Zusammenarbeit mit der Filmfabrik im Rahmen der Warenzeichenumstellung von AGFA auf ORWO seit 1964. War Werbung in der DDR allgemein ein Unding und kaum im Alltag präsent, wurden für die Einführung des neuen Warenzeichens so viel Mittel und Möglichkeiten bereit gestellt, dass sich diese Art der Werbung durchaus mit der westlichen messen konnte. Schröter hatte die Möglichkeit, aufwändige farbfotografische Experimente durchzuführen. So entstanden beispielsweise lebensgroße farbige Fotogramme, Farbäquidensitogramme, Strobochromatogramme, elektronische Umsetzungen analog und digital, Montagen für großformatige Diapositive für Messen, Ausstellungen und Printmedien usw.
Ziel dieser aufwändigen Bemühungen war die Einführung des neuen Warenzeichens weltweit. Die Aufnahmen - meist im Format 18 x 24 cm – dienten zur Herstellung von metergroßen Diapositiven als beherrschendes Bildelement für die ORWO Messestände mit Schwerpunkten Fotokina und Leipziger Messen. Eine Auswahl der Werke die im Rahmen der Warenzeichenumstellung entstanden, werden in der Ausstellung gezeigt.
In der DDR wurden die aufwändig gestalteten ORWO-Kalender zu geschäftlichen Aushängeschildern. Für diese Kalender fertigte Schröter Aufnahmen an, die im Kontrast zum technischen Milieu des Werkes Kostbarkeiten und Kunstschätze aus dem Grünen Gewölbe und dem Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden oder der Rüstkammer in Moskau zeigen.
Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, dem 06. Mai 2010, um 19 Uhr laden Prof. Wolfgang G. Schröter und das Industrie- und Filmmuseum Wolfen herzlich ein.
Biografie von Wolfgang G. Schröter
am 7. Mai 1928 in Wolfen geboren, besuchte die Oberschule in Bitterfeld
war im letzten Kriegsjahr, von 1944 bis 1945, Flakhelfer
überlebte und machte 1947 sein Abitur
in der Filmprüfstelle der AGFA-Filmfabrik Wolfen arbeitete er als fotografischer Praktikant
1949 erfolgte die Aufnahme des Studiums am Institut für Farbenfotografie, der späteren Abteilung für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
1953 Diplom, war danach freischaffend als Bildreporter und Farbfotograf tätig, vor allem für die illustrierte »Freie Welt« mit intensiver Reisetätigkeit, u.a. nach China und Indien (1959)
Gründungsmitglied der Gruppe »action fotografie« zusammen mit F.O. Bernstein, Barbara Haller, Kurt Hartmann, Evelyn Richter, Günter Rössler, Gerhard Heyde, Karl-Heinz Müller, Volkmar Jäger, Rosel Jäger-Bock, Renate und Roger Rössing
Ab 1964 intensive Zusammenarbeit mit der Werbeabteilung der Filmfabrik Wolfen, im Zuge der Warenzeichenumstellung von AGFA auf ORWO waren aufwändige farbfotografische Experimente möglich
Ende der 1960er Jahre erste Versuche mit elektronischer Fotografie
langjährige Zusammenarbeit mit Carl Zeiss Jena
1966 erste Buchveröffentlichung »Das große Color-Praktikum«
Seit 1972 Gastdozent für Angewandte Farbfotografie an der HGB Leipzig -
Vorlesungsreihe über »Bürgerliche« Fotografie an der Sektion Journalistik der Leipziger Universität
Aufarbeitung der lokalen Leipziger Fotogeschichte im Buch »Hermann Walter. Fotografien von Leipzig«, erschienen 1988 in Zusammenarbeit mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, Herrn Kaufmann
langjährige Zusammenarbeit mit dem Insel-Verlag und dem Verlag Edition Leipzig
1990 Gründung der Bildagentur »Punctum« in Leipzig zusammen mit Bertram Kober und Hans-Christian Schink
leitet ab 1991 die Werkstatt für Elektronische Medien an der HGB in Leipzig
1992 zum Professor für Medienkunst ernannt
Aufbereitung seines umfangreichen Archivs seit der Emeritierung 1994











