(openPR) "Singen ist für mich der Ausdruck purer Freude", sagt Sublime und erinnert sich an die Worte eines Priesters, die bis heute in ihr nachhallen: "Wir singen nicht, weil wir glücklich sind. Wir sind glücklich, weil wir singen!" Glücklich macht auch das Hören von Ludic', dessen Name vom französischen ludique hergeleitet, spielerisch bedeutet: "It grew and developed it's flavours with time - like a bottle of good wine", schmunzelt Sublime. Seit 2002 reift das ursprünglich als Soloalbum geplante Ludic'. Im Lauf der Jahre wird der Einfluss ihres musikalischen Partners, Jun Miyake, jedoch so unüberhörbar, dass Ludic' als Duo-Album erscheint und mit zahlreichen Gästen (u.a. Vinicius Canturia) realisiert wird. Jun Miyake war in seiner Kindheit vermutlich derjenige, für den beim Kinderspiel "Reise nach Jerusalem" nie ein Stuhl übrig blieb, denn dieses "zwischen allen Stühlen" hat er zur Marke geformt und perfektioniert: "Unclassifiable" nennt iTunes Ludic', und genau dieses "unclassifiable" ist Miyakes unverkennbare Handschrift. Das jüngste Zeugnis seiner Tonkunst beschert er uns 2008 mit dem vielbeachteten "Stolen From Strangers", das mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet und zur Jazz thing und cd-kritik.de CD des Jahres 2008 gewählt wird. In Frankreich ehrt die Galerie Lafayette Miyake als "Künstler des Jahres", die Frankfurter Allgemeine Zeitung schwärmt von einem "polyglotten Zyklus, der zuweilen wie eine Hörfilmfassung von Jim Jarmuschs 'Night On Earth' klingt".
Seine Klangkunst bildet das kompositorische Fundament von Ludic'. Darüber
webt Sublime einen roten Faden, der eine ebenso seltsame Schönheit versprüht, wie Miyakes Musik es tut. Miyake, ein in Paris lebender Japaner,
und Sublime, eine in Tokyo lebende Französin, arbeiten seit den späten 80ern miteinander - fast genauso lange, wie Sublime in Japan lebt. Warum Ludic' dennoch sehr französisch klingt, erklärt Jun Miyake: "Alle Texte sind in französisch. Aber es ist nicht nur die Sprache, die es französisch klingen lässt. Es ist Sublimes 'whole touch and feel, who makes it sound french'. Aber: Wenn man sich die Backings ohne Sublimes Stimme anhört, ist bei weitem nicht alles französisch. 'Féria' klingt deutsch, 'Minérale' englisch, 'Mem' Pas Peur!' amerikanisch und 'Chiquito' nach einer Gypsy-Brass-Band." Das Jazz thing-Magazin ergänzt: "Da tauchen krude Weill'sche Momente auf, um sich intelligent an minimalistisch instrumentierte, zart gesungene Säuseleien, ein verwegenes Tango-Thriller-Lied oder fingerschnippenden Django-Swing zu schmiegen. Vorsicht: Suchtgefahr!"
Stilistische Vielfalt kennzeichnet nicht nur Miyakes, sondern auch Sublimes Schaffen, die, wenn sie nicht gerade ein Soloalbum veröffentlicht, mit dem Produzenten Hal Willner, dem Gitarren-Querulanten Arto Lindsay oder dem japanischen Akkordeonisten und Björk-Kollaborateur Coba die Bühne teilt; mit der Malerin Keeda Oikawa Art & Groove-Performances realisiert; mit dem Adaptieren von Bertolt Brecht- oder Jean Cocteau-Stücken beschäftigt ist oder mit einem ihrer Soloprogramme/Bandprojekte um die Welt reist. "Eines Abends kam nach einer Show ein Zuschauer mit einem glücklichen Lächeln zu mir und sagte: ‚Als ich heute Abend hier ankam war ich müde und down, nun fühle ich mich unglaublich wohl - weil ich eine riesige Portion positiver Energie erhalten habe'. Das ist, was ich bei jeder Show, jeder Performance und jeder CD suche: Einen Raum zu schaffen für gute Gefühle 'that lifts the mind up'." Sublime, Jun Miyake und Ludic' erfüllen diesen Auftrag mit Bravour!
+++Besetzung+++
Sublime: vocals
Jun Miyake: trumpet, piano, pianica, whistle, fender rodes, samples
und
Vinicius Cantuaria, Peter Scherer, Hitoshi Watanabe, Masahiro Sayama, Dairo Miyamoto, Edmundo Carneiro, Jon Handelsman, Bulgarian Symphony Orchestra u.a.
+++Rezensionen+++
Olaf Maikopf in Jazz thing 82/2010:
Die Französin Sublime lebt seit über 20 Jahren vorzugsweise in Tokio und traf dort auf den Trompeter Jun Miyake, mit dem sie seither immer wieder kooperiert - zum Beispiel im vergangenen Jahr auf Miyakes von der Kritik gefeiertem Album Stolen From Strangers. Bei dieser aktuellen Arbeit steht zwar der Name der Sängerin am Anfang, aber Ludic‘ könnte auch ein reines Miyake-Album sein. Denn musikalisch dockt es beinahe dort an, wo der mittlerweile in Paris lebende Japaner schon längere Zeit seinen Stil gefunden hat: bei einer sinnlichen Hybride aus französischem Chanson, Jazz, Exotica und etwas Elektronik. Allerdings schlägt das Pendel bei diesen gleichberechtigten Duo deutlich in Richtung einer vergnüglich lebensfrohen - aber auch mal parodierenden - Annäherung an die multikulturelle "Chanson Francaise". Da tauchen krude Weill'sche Momente auf, um sich intelIigent an minimalistisch instrumentierte, zart gesungene Säuseleien, ein verwegenes Tango-Thriller-Lied, Balkan-Brass-Abenteuer oder fingerschnippenden Django-Swing zu schmiegen. Eine übelzeugend abwechslungsreiche, dabei immer sehr gefühlvolle und virtuose Unterhaltung. Vorsicht: Suchtfaktor!
omm.de, Sabine Kaufmann 26.2.2010:
Man verliert sein Herz augenblicklich an dieses Album - mir jedenfalls ging es so - man geht darin mit einem Wimpernschlag hoffnungslos unter, ein herrlicher, gefühlvoller Untergang. Sublime ist eine Sängerin, von deren Ausstrahlung es auf diesem Erdenrund wohl nur wenige gibt. In der großen Tradition des französischen Chansons stehend, schafft sie mit fragil erscheinendem Timbre eine verzauberte Stimmung zwischen schillernden Traumbildern und tänzerischen Lounge-Rhythmen. In dem japanischen Multiinstrumentalisten und Arrangeur Jun Miyake hat Sublime einen idealen Partner gefunden. Die Musik, die beide gemeinsam für das Album "Ludic´" geschrieben haben, gehört zum Schönsten, das ich in den letzten Jahren gehört habe, das Album in seiner Gesamtheit ist schlicht ein fröhlicher, virtuoser Geniestreich, ein musikalisches Gesamtkunstwerk mit satten Riffs vom Blech, schwebenden Streichereinsätzen, spielerisch erscheinenden Flötentönen, südamerikanischen Rhythmen, einer gehörigen Portion Melancholie und Romantik - vor allem aber voll guter Laune und mit (3) Pfiff! Wer französisch kann, wird mit Vergnügen die Texte mitlesen, die das Beiheft in voller Länge enthält - und wer nicht, wird sich an dem eleganten, pikanten, mal zuckersüßen, mal erotischen, dann wieder mysteriösen oder auch verschmitzten musikalischen Paket erbauen, das Sublime und Jun Miyake mit Hilfe eines großen und hervorragenden Ensembles, das bisweilen Big-Band-Stärke erreicht, geschnürt haben. Es bedient auf höchstem Niveau mit brillanten Ideen eine breite Palette musikalischer Felder, ohne sich zu wiederholen oder sich festlegen zu lassen. Der Opener "Férie" legt die französische Basis, auf die das Folgende faszinierend aufbaut. "Mêm´ pas peur!", das oben erwähnte Stück mit Pfiff läßt heitere Erinnerungen an den Orchester-Stil der späten 60er Jahre und die Musik von Jacques Loussier in "Engelchen oder die Jungfrau von Bamberg" aufkommen. Wie das anschließende "Permettez Please" und der Titelsong "Ludic´" eines meiner Lieblingsstücke. Klassisches Chanson bietet "Chiquito", und "Thriller Latina" fordert inklusive Pizzicato zum Tango auf. Und wenn das zauberhafte und witzige "Au Clair de Lune" nicht ein bißchen vom alten Pferde-Kino hat... - und die hervorragende Sprechstimme Sublimes kommt in "Tokyo je t´aime" beeindruckend zur Geltung. Ein außergewöhnliches Album, das Anspruch auf die höchste Auszeichnung der Musenblätter erheben kann: den Musenkuß!
schallplattenmann.de, Bernhard Sauer 15.3.2010:
Nach dem viel beachteten und nicht zuletzt mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Album "Stolen From Strangers" (2008) kollaboriert der in Paris lebende, japanische Multiinstrumentalist Jun Miyake (tp, fl-h, p, pianica, whistle, Fender Rhodes, samples, programming) wieder einmal mit der Chanson-haften Stimme der seit 20 Jahren in Tokio lebenden, französischen Universalkünstlerin Sublime. Die elaborierten, leicht jazzigen Soundscapes reflektieren Miyakes Komposititionserfahrung aus (Tanz-)Theater-Musikproduktionen für und mit Pina Bausch, Robert Wilson, Philippe Decoufle oder Hal Willner. Gäste wie Vinicius Cantuária oder Peter Scherer (Ambitious Lovers) tragen zeitgemäßes Bossa-Flair bei, wobei Miyake in seinem weltmusikalischen Bilderbogen ebenso mit Einflüssen spielt, die von fingerschnippendem Lounge Jazz, über entschleunigten Gypsy Brass Band Sound und elektronifizierten Tango Nuevo ala Gotan Project bis hin zu kruder Zirkus/Cabaret-Musik Weill'scher Stilprägung reichen, ohne jemals den Rahmen zu sprengen. Wer kunstvollen Global-Pop ala Pink Martini schätzt, liegt hier mit Sicherheit goldrichtig.
Bayerischer Rundfunk-B5 aktuell 15.3.2010-CD-Tipp der Woche:
Angefangen hat der japanische Trompeter Jun Miyake als Jazzmusiker.
Inzwischen ist er Komponist extravaganter Weltmusik. Zu hören auf Ludic, seinem neuen Album, das er mit der Sängerin Sublime eingespielt hat. An der Trompete: Der Meister selbst - Jun Miyake, Weltbürger und Schöngeist aus Tokyo. Seit einigen Jahren lebt der Japaner nun in Paris. Hier hat er Stolen From Strangers eingespielt, eines der überragenden Weltmusik-Alben des vergangenen Jahrzehnts. Für seine aktuelle CD hat sich Miyake mit Textdichterin und Chanteuse Sublime zusammengetan, alles andere als eine Mesalliance jedenfalls, ein ziemlich kongeniales Team. Ludic' heißt dieses Album: Ein raffiniertes Spiel mit den Klangfarben des französischen Chansons, des Bossa Nova, des Cool Jazz und Easy Listening der Fünfziger und Sechziger Jahre.- Eine eigenartige Mischung, die Miyake hier wieder mal anrührt. Außerdem nachweisbar im Mix: Tango, Anklänge an den italienischen Filmmusik-Komponisten Nino Rota sowie Bläsersätze, die vom Balkan stammen könnten. Man muss sich Zeit nehmen für diesen verblüffenden, erfrischenden Stilmix, schliesslich bricht Miyake mit den üblichen Gepflogenheiten der Pop - wie der Jazzmusik. Eine regelrechte Wundertüte, dieses exquisite Album. Ludic von Jun Myiake und Sublime ist beim Münchner Yellowbird-Label erschienen.
alternativmusik.de, Karoline Fritzsch 22.3.2010
Wie in den meisten Bereichen lohnt es sich auch bei der Musik, seine Horizonte stetig zu erweitern. Wer immer dasselbe hört, wird irgendwann gelangweilt sein, und beim Überfluss an guter Musik abseits des Mainstreams ist das wirklich nicht nötig. Sowohl solcherart gelangweilten Menschen als auch denen, die einfach Spaß daran haben, gute Musiker beim Ausüben ihrer Leidenschaft zu erleben, sei Ludic’, die Kollaboration der französischen Sängerin Sublime und des japanischen Multitalents Jun Miyake, ans Herz gelegt. Das Album, an dem beide Künstler seit 2002 gearbeitet haben, vereint Sublimes träumerische Stimme mit all den Finessen, mit denen Miyake als Komponist, am Klavier und mit der Trompete aufzuwarten weiß. Herausgekommen ist eine unwiderstehliche Mischung aus Chanson, Jazz, Swing und musikalischen Einflüssen aus (fast) aller Welt, auf die man sich ohne vorgefertigte Meinungen zu „World Music“ einlassen sollte. Sublimes Gesang verortet das Album imfranzösischsprachigen Raum, doch Jun Miyakes geschickte Arrangements schicken den Hörer auf eine Reise, die an den unterschiedlichsten Stationen haltmacht. Feria, der erste Song des Albums, vereint den Geist von Pariser Chansons mit einem Tangorhythmus, der die Sängerin genauso mitreißt wie den Hörer. Doch schon Minérale, der zweite Titel, schlägt eine ganz andere Richtung ein und überzeugt mit seiner träumerischen Stimmung und einem Anflug von Elektronik, der den Hörer tief in die Klangwelt des Songs hineinzieht und dabei gleichzeitig seine Sinne schärft. So groß die Unterschiede zwischen diesen zwei Titeln auf den ersten Blick auch sein mögen, wirken sie jedoch nie unvereinbar. Sublime und Jun Miyake haben nicht umsonst soviel Arbeit in ihr Werk gesteckt – sie haben das erreicht, wovon alle Musiker träumen: ein unglaublich professionelles, in sich geschlossenes Album, das trotz aller Arbeit nie die ursprüngliche Spontaneität und Freude an der Musik einbüßt. Im Laufe des Albums wechselt die Klanglandschaft immer wieder; und während Chiquito mit Bläserarrangements spielt, die an Zigeunerballaden erinnern, ist Thriller Latina ein Tango, wie er im Buche steht. Tokyo je t’aime schließlich besingt die komplizierte und doch erfüllende Liebesbeziehung von Sublime und ihrer Wahlheimat in wundervoll wehmütiger Weise. Wenn das Album schließlich mit Je Trace endet, hat man nicht nur wegen der üppigen, orchestralen Hintergrundmusik das Gefühl, einem fesselnden Film entstiegen zu sein. Was man während eines Hördurchgangs von Ludic’ an Eindrücken mitnimmt, könnte durchaus einige Filme füllen. Doch dieses Album ist ein musikalisches Kleinod, dem mit nur ein oder zwei Durchläufen Unrecht getan wäre.











