(openPR) Dieser Mann kennt keine Grenzen! Avantgarde, Jazz, Gregorianik, Trip Hop, Chanson, Tango, Schlager, arabische, indische, lateinamerikanische und asiatische Vokabeln. Jun Miyake mixt all das so geschmackssicher, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Umgesetzt mit Cello, Tuba, Oud, Mandoline, einem bulgarischen Chor und einer Vielzahl elektronischer und akustischer Klangerzeuger, denen Miyake die merkwürdigsten Sounds entlockt, gibt es nur ein Fazit: Wer die Verschmelzung von Gegensätzen mag, wer Tom Waits, David Sylvian oder Chet Baker gut findet, sollte unbedingt in "Stolen From Strangers" reinhören. Nur für Leute mit Schubladendenken gilt: Vorsicht, diese Platte gefährdet ihr musikalisches Weltbild.
Ein ordentliches Pfund gestalterische Freiheit nehmen sich der Protagonist Jun Miyake und sein Adjutant Arto Lindsay heraus. Sie vereinen das Unvereinbare, verschmelzen Öl und Wasser als habe es nie ein Problem damit gegeben. Waghalsig, ohne jemals in die Gefahr des Strauchelns oder Stolperns zu geraten, geht das Duo seinen Weg. Trotz aller stilistischer Wechsel ist der rote Faden, der das Album wie ein dicker Strick durchzieht, jederzeit greifbar. Über alle Absonderheiten und Merkwürdigkeiten hinweg, trägt "Stolen From Strangers" eine deutliche Handschrift. Für diese sichere Federführung wird der japanische Trompeter/Pianist/Produzent seit langem verehrt. Denn das Zepter innerhalb dieses geplanten Chaos gibt Miyake nie aus der Hand. Dafür sorgt seine einmalige, unverkennbare Handschrift beim Erfinden skurriler Arrangements - ein Wesensmerkmal seiner Musik. Hal Willner, Star-Produzent (u.a. Lou Reed, Bill Frisell, Wynton und Branford Marsalis, John Zorn, Sting, Ringo Starr, Keith Richards, Leonard Cohen, Elvis Costello, Nick Cave, PJ Harvey, u.v.a) bringt es auf den Punkt: "Seine Kompositionen sind raffiniert, kompliziert, aber nie aufgeblasen und stets schön, mit einem guten Sinn für Humor".
Dieses Urteil gilt auch für "Stolen From Strangers". Schon der Opener "Alviverde" offenbart Miyakes verspielte Experimentierfreudigkeit und charakterliche Eigenständigkeit, die man sonst nur von Eigenbrötlern wie Tom Waits oder eben Arto Lindsay kennt. Hinzu kommt eine Klangverliebtheit, die sich bis ins letzte Detail des kleinsten Geräuschs fortsetzt. Das Bulgarian Symphony Orchestra, das die Streicherpassagen beisteuert, erhält ein so dezentes Pianissimo-Tremolo, dass jedem Klangfetischisten die Augen tränen. Wie schafft es Miyake bloß, einen so traumhaft magischen Streicher-Klang zu zaubern? In "The Here And After" ist der MPB-Star Vinicius Cantuaria, ein langjähriger Weggefährte Miyakes, an der Perkussion zu hören. "Turn Back" lässt Assoziationen an den unvergesslichen Chet Baker aufleben, dessen Vorliebe für Bossa-Tunes wohl bekannt ist. Sein zerbrechlicher Gesang und seine Interpretationen von Antonio Carlos Jobims Bossa-Evergreens haben sich tief ins Jazz-Gedächtnis eingebrannt. Den direkten Weg in diese neuronalen Tiefen sucht "Turn Back", in der Arto Lindsay sich in der Rolle des Sängers und Noise-Gitarristen wohl fühlt. Überhaupt, Arto Lindsay. Ein Schlüsselerlebnis auf dem Weg zu einer individuellen Musikauffassung ist für Jun Miyake die Zusammenkunft mit Lindsay zu Beginn der 90er Jahre. Auf der Grundlage einer musikalischen Seelenverwandtschaft wächst im Laufe der Jahre eine verlässliche Freundschaft, in der beide u.a. ihre Vorliebe für Bossa Nova ausleben. "Ich spreche kein Portugiesisch, kann nicht singen, nicht Gitarre spielen und bin kein Fachmann brasilianischer Musik. Aber diese Klänge nehmen mich schon lange gefangen und deren Macht wollte ich mit einer eigenen musikalischen Form brechen. Meine einzige Hoffnung war, das mit einem reinen 'unschuldigen' Herzen zu meistern", gibt Miyake im Rahmen seiner musikalischen Trilogie "Mondo Erotica!" (2001), "Innocent Bossa in the Mirror" (2002) und "Glam Exotica" (2003) zu. Die Liebe zum Bossa hat sich in seinem unschuldigen Herzen offensichtlich tief eingebrannt, und erfährt auch auf "Stolen From Strangers" eine angemessene Würdigung. Das auf französisch intonierte "Le Voyageur Solitaire" erinnert an die großen Chansonniers. Serge Gainsbourg, Jaques Brel und Konsorten lassen schelmisch grüßen. Kein Wunder, denn kein Geringerer als Arthur H., der in Frankreich längst ein Star ist, erhebt sein wuchtiges Organ. Wir kennen das Prinzip bereits. Der in den Strophen herrschenden Musette-Mentalität wirkt ein Refrain aus Tuba und bulgarischem Chor entgegen. Die Cosmic Voices Of Bulgaria leisten ganze Arbeit. Fantastisch! In folgenden "Easturn" übernehmen diese himmlischen Stimmen die tragende Rolle. Während das Bulgarian Symphony Orchestra hier in einem der wenigen Momente, in dem ihre Einspielungen nicht elektronisch nachbearbeitet wurden, in Aktion treten darf, koppelt Miyake ihre akustischen Reize mit exquisiten Electro-Jazz Experimenten. Unterstützung erhält er dabei von Dhafer Youssef, dessen Oudspiel und Gesang seit seines "Electric Sufi"-Albums (2001) aus einem kulturübergreifenden Musikverständnis nicht mehr wegzudenken sind. Eine chanson-eske Polka mit Mandoline, Posaunen und kruden Zigeunerstreichern lädt auf "Le Mec Dans Un Train" zum Staunen ein. Es fehlen so langsam die Worte für diesen Erfindungs- und Verknüpfungsreichtum. Als Low-Fi-Bossa könnte man das von Lisa Papineau gesungene "Est-Ce Que Tu Peux Me Voir?" kategorisieren, das sich mit meisterhaft inszenierten Instrumentalteilen schmückt. Hollywood trifft MPB lautet das Motto auf "Outros Escuros". Und da ist es wieder, dieses mystische, verhaltene Streichertremolo, das seit Anbeginn von "Stolen From Strangers " fasziniert. Traumhaft schön, dieser Track. Traumhaft schön, dieses Album.
Übrigens: Das Artwork für "Stolen From Strangers" stammt von Jean-Paul
Goude, dem französischen Star-Fotograf, der bereits Björk und Grace Jones in Szene setzte.
Pressespiegel:
"Der in Paris lebende Tokioter Trompeter ist ein ausgesprochener Schöngeist, ohne dabei in ausgelutschte Platitüden zu verfallen. Vielmehr konstruiert Jun Miyake sein fantastisches musikalisches Hybrid, das er mit einem Augenzwinkern als "Stolen From Strangers" betitelt, aus einem Konglomerat globaler Einflüsse. Ästhetische oder kulturelle Grenzen stoppen ihn dabei nicht, denn er forscht so lange in den Soundwelten, bis er seinen idealen Ausdruck extrahiert hat.
Partner im Geiste und bei dieser Produktion fand er erneut im New Yorker Arto Lindsay und dem Brasilianer Vinicius Cantuaria. Mit ihnen verbindet Miyake die Liebe zum Bossa nova und Jazz. Dazu integriert der Japaner Chanson, etwas Balkan-Brass, ein wenig Arabeskes und Orchestrales, bulgarische Folklore, dezente Elektronik sowie nordische Melancholie.
Fast logisch, dass er dabei nicht mit einer Sprache auskommt, also singen Arthur H., die großartige Lisa Papineau, The Cosmic Voice of Bulgaria, Arto
Lindsay und Satoshi Murakawa auf Französisch, Englisch, Bulgarisch, Portugiesisch und Japanisch. Zwölf traumhafte Songs, die das Anhören zum echten Vergnügen machen und wohligstes Kribbeln auf der Haut erzeugen." (Olaf Maikopf in WOM-Journal 10/2008)












