(openPR) Vernissage am Freitag, den 5. März 2010 von 19:00 – 21:00 Uhr
um 19.30 Uhr: Performance how long (is) now ? von Anne Wodtcke und Ruth Geiersberger
Ausstellungsdauer: 06. 03. 2010 – 26. 03. 2010
Anne Wodtcke beschäftigt sich auch in ihren aktuellen Arbeiten mit ephemeren, manchmal vor den Augen des Zuschauers oder unter Mitwirkung des Ausstellungsbesuchers entstehenden Skulpturen, die sie meist per Foto oder Video dokumentiert. Von ihr bevorzugte künstlerische Werkstoffe sind - neben dem bereits bekannten Papier und dem eigenen Körper - einfache Gebrauchsgegenstände wie Stühle, Sockel oder Reifenschläuche von LKWs. Dabei gilt ihr Interesse nicht dem Objekt an sich oder seiner individuellen Erscheinungsform sondern vielmehr dem Prozess, der zwischen und mit den Dingen und Menschen stattfindet. Auf konzeptuelle und spielerische Weise wird hier das Thema Skulptur gänzlich neu erfasst. Die Verschränkung von Raum-Körper und Körper-Raum ist neben Massigkeit, Instabilität und Labilität ein weiterer Aspekt, der an dem neuen Material besonders fasziniert.
Die Künstlerin verleiht dem scheinbar wertlosen Material auf diese Weise eine neue Wertigkeit und Bedeutung und konfrontiert uns zugleich mit seiner gewohnten Konnotation. Im Zeitalter zunehmender Virtualität rückt Anne Wodtcke mit ihren temporären Skulpturen und performativen Interventionen auch den Körper wieder in unser Bewusstsein. Neben der `Rückführung der Skulptur ins Menschliche´ ergeben sich somit in Anne Wodtckes aktuellen Arbeiten vielfältige Bezüge zu gegenwärtigen kulturellen Phänomenen: visueller Konsum und reduzierte Wahrnehmung, Virtualität und Entwertung, Dinghaftigkeit und Körperlichkeit werden kritisch reflektiert.
Zusammen mit der Münchner Performerin und Sprecherin Ruth Geiersberger (www.verrichtungen.de) richtet Anne Wodtcke während der Eröffnung ihrer Ausstellung am 5. März 2010 die performative Installation `how long (is) now ?´ in den Galerieräumen aus. Ruth Geiersberger liest dazu verschiedene Textauszüge (u.a. aus Heideggers „Der Begriff der Zeit“) und tritt dabei über das Geräuschhafte von Luft und Wort mit Anne Wodtcke in Kontakt... die einzelnen Elemente verdichten sich zu einer umfassenden KÖRPER-LAUT- SKULPTUR.
Ruth Geiersberger bezeichnet ihre Arbeiten als „Verrichtungen“ und erkundet seit Jahren als „Feldforscherin“ Orte, die sich in einem sogenannten "Wartezustand" befinden: an Bahnhöfen, auf Baustellen, im Bunker, in Kirchen, in leerstehenden Läden oder im Zoo... Dabei thematisiert sie insbesondere die Herstellung von Idyllen aber zugleich auch deren Ent-tarnung, Verlust und Absturz.
Interessanterweise zählen Performances, oder besser gesagt performative Phänomene zum Forschungsfeld von Sozial- und Kulturwissenschaftlern. Medial können sie an den Schnittstellen zwischen Privatem und Öffentlichem, Kunst und Leben, Visuellem und Auditivem sowie zwischen den Gattungen Theater, Tanz, Musik, aber auch politischer Aktion, rituellen Praktiken, Neuen Medien und Digitaler Kunst verortet werden. In der bildenden Kunst wird zudem unterschieden zwischen Performance, Aktionskunst und Happening. Dabei, so schreibt Rudolf Frieblig in seinem wegweisendem Essay „Real/Medial: Hybride Prozesse zwischen Kunst und Leben“, sind "die Grenzen zu raumbezogenen Installationen und interaktiven Environments (...) durchlässig, doch in den neueren Aktionen, die den Körper als Handlungsfeld telematischer und netzbasierter Interventionen positionieren, könnte möglicherweise gerade das Insistieren auf der Realität des Körpers ein zentrales Motiv sein."
(Quelle: http://www.mediaartnet.org/themen/medienkunst_im_ueberblick/performance)
Derzeit ist zu beobachten, dass die „Blütezeit“ der Performance in den 60er und 70er Jahren zunehmend musealisiert wird und die gegenwärtigen internationalen Strömungen dieser Kunstform mit ihren multiplen Zentren u.a. in Amerika, Deutschland, Asien und der Schweiz im Hinblick auf Inhalte und Strategien immer komplexer werden. Das Berliner Festival „In Transit“ hat sich längst etabliert, in New York fand 2009 erstmals die Biennale „Performa09“ statt. Im Hamburg wird der Studiengang „Master of Arts Performance Studies“ angeboten. Des Weiteren gibt es Netzwerke und Veranstaltungsorte wie z. B. „De Appel“ in Amsterdam, die „Kaserne Basel“ oder den „Performer Stammtisch“ in Berlin, die als Plattform oder Forum für aktuelle Performancekunst fungieren.
Gründe genug, dem omnipräsenten Phänomen „Performance“ auch im Rahmen einer Diskussionsrunde am Ende der Ausstellung noch einmal näher auf den Grund zu gehen oder es ganz praxisnah im 2-tägigen Workshop zusammen mit der Künstlergruppe White Market zu erproben.
Bitte vormerken:
FINISSAGE am Freitag, den 26. März 2010 19:00 Uhr / Introduction Performanceprojekt WHITE MARKET
VIDEOSCREENING am Samstag, den 27. März 2010, 19 – 21 Uhr mit Gästen: Adidal Abou-Chamat, Patricija Gilyte, Claudia Kappenberg, Dorothea Seror; anschließend von 21 - 22 Uhr DISKUSSIONSRUNDE zum Thema performance_körper_markt_öffentlichkeit /, Gäste: Adidal Abou-Chamat, Manuel Bonik, Patricija Gilyte, Claudia Kappenberg, Dorothea Seror u.a.
WORKSHOP mit WHITE MARKET (Claudia Kappenberg, Dorothea Seror und Anne Wodtcke) in der Galerie am Samstag, den 27.3. und Sonntag, den 28.3. jeweils von 10 bis 17 Uhr mit abschließender Performance am Sonntag von 17-18 Uhr.
(Anmeldung zum Workshop unter: email













