(openPR) Vom 19.- 29. Januar 2010 gastiert der GewandhausKinderchor in Israel. Es ist der zweite Teil des interkulturellen Projektes „Brundibár – eine Kinderoper verbindet Deutschland und Israel“. Geplant sind Aufführungen und Konzerte in Tel Aviv, Herzliya und Rishon LeZion.
Im März 2009 begannen der GewandhausKinderchor und der Moran Choir aus Israel unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel das interkulturelle Kooperationsprojekt „Brundibár – eine Kinderoper verbindet Deutschland und Israel“, das mit der gemeinsamen Aufführung (22. März 2009) der Kinderoper „Brundibár“ im Gewandhaus ein Zeichen der Freundschaft und kulturellen Verständigung zwischen Deutschland und Israel setzte.
Im Mittelpunkt des zweiten Teils des Projektes steht eine Konzertreise nach Israel, die vom 19. bis zum 29. Januar 2010 stattfinden wird. Neben den gemeinsamen Aufführungen der Kinderoper und Konzerten in verschiedenen Städten Israels (Tel Aviv Herzliya, Rishon LeZion) sind auch vielfältige Begegnungen israelischer und deutscher Kinder/Jugendlicher geplant. Damit engagieren sich die Sängerinnen und Sänger über ihre Kunst hinaus für einen lebendigen interkulturellen Dialog.
Wichtiger Bestandteil des Projektes ist zudem ein kulturelles Rahmenprogramm, das u. a. Zeitzeugengespräche sowie die historisch fundierte Auseinandersetzung mit den geschichtlichen Geschehnissen beinhaltet und Einblicke in die unterschiedlichen Kulturen Israels und Deutschlands ermöglicht.
Am 26. Januar geben die beiden Chöre drei Aufführungen im Performing Arts Centre in Rishon LeZion. Die Veranstaltungsstätte gilt als bester Konzertsaal Israels. Die drei Aufführungen finden am Vormittag und Vorabend des „Internationalen Holocaust Gedenktages“ (27. Januar) statt.
Am Vormittag des 27. Januars gestaltet der GewandhausKinderchor gemeinsam mit dem Moran Choir eine Zeremonie zu diesem besonderen Gedenktag im Kibbuz Tel Yitzhak (südöstlich von Netaniya).
Ebenfalls am 27. Januar, abends in Tel Aviv, wird der Leipziger Chor die Eröffnung der Ausstellung „Die Mädchen vom Zimmer 28“ musikalisch umrahmen. Die Ausstellung der Autorin Hannelore Brenner-Wonschick dokumentiert eine Gruppe von Mädchen, die von 1942-44 ein Zimmer im KZ Theresienstadt bewohnten. Einige der dort lebenden Mädchen traten in der Theresienstädter Inszenierung von „Brundibár“ auf.
Die Auftritte des GewandhausKinderchores in Israel beginnen bereits am 24. Januar. Anlässlich der Unterzeichnung einer Absichtserklärung über die weiteren Schritte der sich anbahnenden Städtepartnerschaft zwischen Herzliya und Leipzig ist eine Festveranstaltung in Herzliya vorgesehen. Den musikalischen Rahmen liefert der GewandhausKinderchor mit einem Konzert. Neben einer Wirtschafts- und Kulturdelegation aus Leipzig werden Leipzigs OBM Burkhard Jung und die Oberbürgermeisterin von Herzliya, Yael German, anwesend sein.
Die Inszenierung
„Brundibár“ erlangte traurige Berühmtheit vor allem durch die Rolle, die es im Konzentrationslager Theresienstadt gespielt hat.
Philipp J. Neumann arbeitet diese Besonderheit in einer historisch fundierten Inszenierung heraus. So bildet die Inspektion des Internationalen Roten Kreuzes, dem tatsächlichen Besuch am 23. Juni 1944 nachempfunden, die Rahmenhandlung. Zur Täuschung der Weltöffentlichkeit inszenierten die Nationalsozialisten ein „normales Leben“ in Theresienstadt, wozu auch die Darbietung des Schlusschores aus „Brundibár“ beitragen sollte. Neumann erfindet eine Verspätung des Roten Kreuzes, so dass die Kinder die Gelegenheit nutzen, um „Brundibár“ zu spielen. Während des Wartens auf die Delegation schafft die Musik Ablenkung von dieser perfiden Vorführsituation. Hans Krásas Kinderoper wurde für viele zum Symbol der Hoffnung.
Der historische Kontext
Der Prager Komponist Hans Krása komponierte „Brundibár“ 1938 für einen Wettbewerb des damaligen Ministeriums für Schulwesen und Volksbildung. Gesucht wurde die schönste Kinderoper. Zur Verleihung einer Auszeichnung kam es wegen Ausbruchs des Krieges nie. Kurz nach der Besetzung des Landes durch die Truppen Hitlers wurde das Stück in einem Waisenhaus heimlich aufgeführt. Gespielt wurde aus dem Klavierauszug, ohne Orchester, aber mit drei Instrumentalisten.
Hans Krása wurde 1942 ins KZ Theresienstadt verschleppt. Rudolf Franek, dessen Engagement bereits die heimliche Uraufführung ermöglicht hatte, gelang es, bei seiner eigenen Verschleppung den Klavierauszug nach Theresienstadt zu schmuggeln.
Krása fertigte daraus eine Partitur an. Diese Fassung wurde am 23. September 1943 im KZ Theresienstadt uraufgeführt. Danach wurde „Brundibár“ noch über 50 Mal gespielt.
Die Aufführung dieser Oper war Teil des perfiden Täuschungsmanövers der KZ-Verwaltung: Mit einer eilig hergestellten Fassade aus Konzert- und Opernaufführungen, herausgeputzten Straßen und Häusern gelang es den Nazis, ein Komitee des Internationalen Roten Kreuzes über die tatsächlichen Zustände in Theresienstadt zu täuschen. Auch in Goebbels Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“, fehlt die Inszenierung von „Brundibár“ nicht.
Der Moran Choir
Die künstlerische Leiterin des Moran Choir, Naomi Faran, studierte Dirigieren an der Hochschule für Musik und der Musikakademie University’s Rubin in Tel Aviv. Als Stipendiatin wurden ihr weiterführende Studien im Bereich der Chorleitung ermöglicht. So partizipierte sie beispielsweise an Kursen, die von Prof. Dan Olof Stenlund – tätig am Kopenhagener Konservatorium und an der Musikhochschule im schwedischen Malmö – geleitet wurden. Naomi Faran gab Meisterkurse in Israel, Slowenien, Hongkong, China und Seoul. 1996 erhielt sie den Preis für „The Outstanding Conductor“ zum ersten Internationalen Chorfestival in Netanya (Israel).
Im Jahre 2002 gründete sie, unterstützt vom hiesigen Kulturministerium, ein „Israelisches Zentrum für Vokalmusik“ in Beit Yitzhak, das ganzjährig Seminare und Meiserkurse für junge Sänger anbietet und vor allem Kindern und Jugendlichen eine kulturelle Bil¬dung ermöglichen soll. Naomi Faran konnte dem Moran Choir durch ihre 20-jährige Aktivität zu musikali¬schem und pädagogischem Erfolg verhelfen. Dabei agiert sie getreu dem Motto: „Conducting means finding the balance between full awareness and the natural flow, singing is simply being you.”
Kurzübersicht:
24. Januar 2010, Herzliya
GewandhausKinderchor
Konzert im Rahmen eines Festaktes der Städte Leipzig und Herzliya
Frank-Steffen Elster, Leitung
26. Januar 2010, Performing Arts Centre Rishon LeZion
GewandhausKinderchor / Moran Choir (Israel) / Instrumentalisten
Hans Krása (1899-1944)
„Brundibár“ - Eine Oper für Kinder / Libretto von Adolf Hoffmeister
Aufführung in englischer Sprache (Joža Karas)
Szenische Aufführung der Theresienstädter Fassung (1943) sowie Werke von Antonín Dvoák und Bohuslav Martinu
Frank-Steffen Elster und Naomi Faran, Leitung
Philipp J. Neumann, Inszenierung
Karen Schönemann, Choreographie
27. Januar 2010, Kibbuz Tel Yitzhak
GewandhausKinderchor / Moran Choir (Israel)
Zeremonie zum Internationalen Holocaust Gedenktag









