(openPR) Bonn. „Lehrstunden des Lebens“ hat die Künstlerin Antje Siebrecht in New York gemacht. So zahlreich, dass sie sich auch noch 14 Jahre später häufig an sie erinnert. Als erste europäische Künstlerin in Südkorea hatte sie dort bereits 1992 vieles über Kunst in anderen Kulturen gelernt. Und auch zuvor hat sie den Blick über den eigenen Tellerrand nicht gescheut. Nach dem Studium der Freien Kunst in ihrer Heimatstadt Kassel und später in Hamburg verbrachte sie zwei Jahre am Royal College of Art in London. Von dort startete sie 1995 zu einer von der damaligen Carl Duisberg Gesellschaft e.V. (CDG), eine der beiden Vorgängerorganisationen der InWEnt, organisierten Fortbildung in New York. Mit einem Arbeitsstipendium ermöglichte die CDG der deutschen Malerin einen fünfmonatigen Aufenthalt in der amerikanischen Kunstmetropole. Während ihres Praktikums im Lower East-Side Printshop machte sie wichtige Erfahrungen in der Arbeit mit Papier – Erfahrungen, die sie bis heute begleiten.
„Koreanische Odyssee“ – mitten in New York
Neben ihrer Arbeit in der Druckwerkstatt knüpfte sie erste Kontakte zu amerikanischen Galerien – erfolgreich: Das deutsche Generalkonsulat zeigte 1995 Antje Siebrechts Ausstellung „Koreanische Odyssee“. Gleichzeitig beteiligte sie sich an einer weiteren Ausstellung im Korean Cultural Center. Die Präsentation ihrer eigenen Kunst ermöglichte ihr neue Kontakte zu internationalen Künstlern. So traf sie u.a. den in New York lebenden deutschen Maler und Bildhauer Rainer Fetting. Von ihm stammt die 3,40 Meter hohe und über 500 Kilo schwere Willy-Brandt-Statue im Atrium des Willy-Brandt-Hauses in Berlin. Die amerikanische Künstlerin Jennifer Bartlett, die in New York ein eigenes Studio und einen kleinen Verlag führte, ist für Antje Siebrecht zu einem großen weiblichen Vorbild geworden.
Papiere der Erinnerung – Spur der Emotionen
Die Begegnung mit dem inzwischen verstorbenen amerikanischen Bildhauer George Rickey war für sie eine „Offenbarung“. Der intensive Gedankenaustausch über Farbe und Bewegung beeinflusste auch ihre eigene Kunst dauerhaft. Die Gespräche mit ihm bezeichnet Antje Siebrecht heute als die wichtigste Erfahrung, die sie in New York gemacht hat – ihre „Lessons of life“.
Ihre Arbeiten sind Papiercollagen, die aus unterschiedlichen Papieren bestehen. Diese sammelt sie an den verschiedensten Orten der Welt und verarbeitet sie später zu Hause in Kassel zu „Erinnerungsbildern“. Sie spiegeln Stimmungen, Emotionen und vor allem Erinnerungen an ihre Auslandsreisen wider. Aber warum macht sie gerade Papiercollagen? Darauf hat Antje Siebrecht ein ganz praktische Antwort: „Papiere kann man immer mitnehmen. Sie lassen sich leicht transportieren und sind immer verfügbar.“ Durch ihre zahlreichen Reisen ist sie inzwischen zur Expertin von handgeschöpften Papieren geworden. Ihre Schätze findet sie oft auf Flohmärkten: Landkarten, Notenblätter, Zeitungen oder Textfragmente, hinter denen eine Geschichte steht. „Die Seele hinterlässt eine Spur auf dem Papier“, beschreibt sie ihre Faszination für diesen vielseitigen und ursprünglichen Werkstoff.
Zu Beginn ihrer Arbeit beschränkte sich Antje Siebrecht bewusst auf die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb. „Mit meinen Gedanken bin ich oft auf Reisen“, sagt sie. „Die bereisten Länder erweitern meine Farbpalette.“ Ihre Serie „Reisezeichen“ ist ein zeitlich unbegrenztes Projekt. Neue Reisen und Eindrücke, Emotionen und Begegnungen ergänzen die Serie in einer für das jeweilige Land charakteristischen Farbe.
Weihnachen in New York
Eine Begebenheit in New York hat Antje Siebrecht niemals vergessen: Weihnachten 1995 verbrachte sie in der Stadt, „die niemals schläft“. In einer Kirche erlebte sie, wie Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Religionen gemeinsam das Fest feierten. Am Ende dieser Feier sangen Menschen in unzähligen Sprachen immer das gleiche Lied: „Stille Nacht“, „Silent night“, „Sainte nuit“, „Noche de paz“… An diesem Abend, sagt sie, sei ihr der „Sinn des Friedens“ klar geworden, habe sie erkannt, was es bedeute, im Frieden zu leben. Noch eine „Lesson of life“.
Martina Keppeler










