(openPR) Die Bedeutung der Planungen von Stadt und Landkreis für die positive Entwicklung der Forchheimer Wirtschaft betonte in der jüngsten Sitzung des Industrie- und Handelsgremiums Forchheim (IHG) deren Vorsitzender Christian Waasner. Landrat Reinhard Glauber skizzierte Status Quo und Zeitplanung bei der Südtangente, Oberbürgermeister Franz Stumpf stellte den IHG-Mitgliedern die wichtigsten Inhalte des GMA-Einzelhandelskonzeptes vor. Die Sitzung fand im Gebäude der Firma Geis Industrie-Service GmbH statt.
Unter der Moderation von Dr. Michael Waasner wurden mit Landrat und Oberbürgermeister aktuelle wirtschaftsrelevante Themen diskutiert. Landrat Reinhard Glauber informierte darüber, dass die Westspange der Südumgehung Forchheim (B470) bis 2011 komplett fertig gestellt sein werde. Diese Strecke sei im Gegensatz zur Ostspange im Bundesverkehrswegeplan 2003 als vordringlicher Bedarf ausgewiesen. Die Ostspange, also die Anbindung vom Kersbacher Kreuz in Richtung Fränkische Schweiz, sei dagegen nur mit Planungsrecht und "besonderem naturschutzfachlichem Planungsauftrag" versehen. "Dies bedeutet einen erhöhten ökologischen Planungsbedarf", so der Landrat. "Umso wichtiger ist es, die Planungen zügig voranzutreiben."
Umsteigeparkplatz für Pendler
Besonders wichtig seien ihm und Oberbürgermeister Stumpf ein Umsteigeparkplatz für Pendler und ein Lkw-Stellplatz am künftigen Kreisverkehr in Kersbach. Durch die Einrichtung eines S-Bahn-Haltepunktes in Kersbach 2010 erwartet er sich eine entsprechende Entlastung, vor allem, da dieser Haltepunkt künftig deutlich besser an das Busnetz angeschlossen wird, wodurch ein Halbstundentakt entstehe. Davon profitieren nicht nur die Pendler in Richtung Nürnberg-Erlangen, sondern auch die Unternehmen im anschließenden Gewerbegebiet, so Glauber.
Stumpf: Zentralität der Innenstadt stärken
Großes Interesse fanden auch die Ausführungen von Oberbürgermeister Franz Stumpf zum aktuellen Einzelhandelskonzept der Stadt Forchheim. Vergleiche man die Ergebnisse der Gutachten von 1986, 1994, 1999 und 2005, lasse sich feststellen, dass die Kaufkraftbindung kontinuierlich zugenommen habe und zwar von 25% auf 46,5%. Dies erfolgte auf Kosten kleinerer Gemeinden und Konkurrenzzentren. "Ohne den Globus hätte Forchheim bei der Kaufkraftbindung eher das Niveau eines Dorfes", so Stumpf. Von diesem Trend konnte die Innenstadt von Forchheim jedoch nicht profitieren, ihr Anteil schrumpfte von 21% 1986 auf 11%. Stumpf: "Jeder findet die Fußgängerzone attraktiv, aber nur wenige kaufen letztendlich auch ein."
Das aktuelle Gutachten der GMA stelle zwei Hauptforderungen:
? Zum einen müsse die Innenstadt gut erreichbar sein und es müssten ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Aus seiner Sicht fällt auch den Kurzzeitparkplätzen eine wichtige Rolle zu.
? Zum anderen müsse die Stadt genau festlegen, was ein innenstadtrelevantes Sortiment sei. So könne durch eine Festschreibung im Einzelhandelskonzept sichergestellt werden, dass sich in den Außenbereichen der Stadt nichts entwickelt, was die zentrale Funktion der Innenstadt schädige.
Nicht nur aus Gutachtersicht, sondern auch aus Sicht der meisten Händler ließe sich die Innenstadt durch die Ansiedlung eines großflächigen Ansiedlung in der 1A- bzw. 1B-Lage stärken. "Von einer solchen Ansiedlung würde die gesamte Innenstadt profitieren".
Planungsrechtlicher "Problemfall" EZB
Das Gutachten schlägt weiter vor, im Außenbereich keine weiteren Einzelhandelsflächen zuzulassen. Auf Anfrage bestätigt der Oberbürgermeister, der Standort des EZB in der Hafenstraße sei im Bebauungsplan als "Sondergebiet Handel" ausgewiesen, so dass dort praktisch jedes Einzelhandelsangebot zulässig sei. "Der Stadt sind dort praktisch die Hände gebunden", so Stumpf.
Eine Änderung des Bebauungsplanes sei aus seiner Sicht praktisch nicht möglich, dies würde eine Wertminderung des Grundstücks nach sich ziehen, für die die Stadt gerade stehen müsste. Zwar sei die Pfründner-Stiftung eine kommunale Stiftung, ihre finanziellen Interessen seien aber konträr zu den politischen Interessen der Stadt. Um ihren Aufgaben nachzukommen, benötige die Stiftung verlässliche Einnahmequellen. Ein Verkauf der Fläche, so Frank Brinke vom gleichnamigen Foto-Fachgeschäft, würde zur paradoxen Situation führen, dass die Stadt einerseits ein Einzelhandelskonzept in Auftrag gegeben hat, andererseits mit dem Verkauf des EZB-Geländes aber ihre Einflussnahme auf den außerstädtischen Handel aufgeben würde.
Als weitere Maßnahmen soll sich aus Sicht der GMA am Paradeplatz ein Lebensmitteleinzelhändler ansiedeln, der städtebauliche Ringschluss realisiert, die Bamberger Straße aufgewertet, die überörtliche Vermarktung verbessert und die Parkhäuser saniert werden. Auch wurde die wichtige Rolle von Festen hervorgehoben.
In den Außenbereichen sollen künftig nur noch Ansiedlungen bis 900 Quadratmetern eventuell möglich sein, wobei vor allem die bestehenden Standorte gestärkt werden sollen.
Innenstadt: Schutz der zentralen Versorgungsfunktion
Stumpf bejahte die Frage von Stefan Schick vom gleichnamigen Modehaus, dass die Stadt mit der Verabschiedung des Gutachtens eine Handhabe zum Schutz der zentralen Versorgungsfunktion in der Innenstadt hätte. Potentielle Investoren könnte man so in die Innenstadt lotsen. Stumpf: "Dort haben wir aber keine Flächen!" Einen wichtigen Schritt habe die Stadt mit dem Kauf von vier Gebäuden am Paradeplatz unternommen, diese Gebäude werden nun für den Einzelhandel hergerichtet, Mietverträge mit Handelsunternehmen im Lebensmittel- und Textilsektor für die je 800 Quadratmeter großen Flächen seien bereits abgeschlossen.
Auf die Frage von Christiane Neuhaus, ob nicht das Gelände des alten Krankenhauses für den Einzelhandel genutzt werden können, weist Stumpf darauf hin, dass drei Gutachter dieses Gelände aufgrund seines "Hinterhofsituations" für ungeeignet halten. Zwei potentielle Einzelhandelsinvestoren sind wieder abgesprungen, auch die Suche nach einem Investor für ein Hotel verlief erfolglos. Die aktuelle Planung sieht vor, dort 70 Wohnungen zu errichten, auch sei daran gedacht, die Stadtbücherei in dieses Areal zu verlegen, die immerhin 70.000 Besucher jährlich verzeichnet.
Konjunkturbefragung: Optimismus setzt sich durch
Die aktuelle konjunkturelle Situation skizzierte Peter Belina, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Bamberg. Aus seiner Sicht sei der Landkreis Forchheim zumindest in Relation zu anderen Standorten bisher mit einem blauen Auge davon gekommen. Unter den 305 Landkreisen in Deutschland gibt es nur 53, die eine niedrigere Arbeitslosenquote als Forchheim aufweisen. Obwohl die Zahl der Bewerber deutlich rückläufig war, ist die Zahl der jungen Menschen, die mit ihrer Ausbildung begonnen haben, nur um 3,2% zurückgegangen, in Oberfranken waren es 13,2%.
"Sorgenkind ist weiterhin die Industrie, die aktuell einen Umsatzrückgang von 10,8% hinnehmen muss", so Belina. Die oberfränkische Industrie verzeichnet aktuell sogar einen Umsatzrückgang von 16,2%, die bayerische Industrie von 19,4%. "Hier ist aber inzwischen eine Trendumkehr erkennbar." Im Tourismus sei bei den Übernachtungszahlen inzwischen gegenüber dem Vorjahr wieder ein Zuwachs erkennbar. Die Stimmungslage der Unternehmen sei weiterhin durchwachsen, so der IHK-Vertreter, für die kommenden sechs Monate herrsche bei den Unternehmen aber Optimismus vor, wie die jüngste IHK-Konjunkturumfrage zeige.









