(openPR) Veranstaltung des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V. in Kooperation mit der „Qualitätsinitiative - Niedersächsischer Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen“ e.V. und dem „Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen“ der Landesärztekammer Niedersachsen anlässlich des ersten Internationalen Tages des Frühgeborenen am 17. November 2009 in der Marktkirche, Hannover. Die Ausstellung wird bis zum 23. November dort zu sehen sein. Eröffnet wird die Ausstellung am 17. November um 17.00 Uhr im Beisein des Künstlers Walter Schels.
Unter dem Titel „ÜberLeben“ zeigt der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. am 17. November 2009 gemeinsam mit der „Qualitätsinitiative - Niedersächsischer Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen“ e.V. und dem „Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen“ der Landesärztekammer Niedersachsen eine Fotodokumentation über das Leben von zu früh geborenen Kindern während der Akutphase auf einer neonatologischen Intensivstation. Diese Kinder, die alle vor der 28. SSW (Schwangerschaftswoche) geboren wurden, stehen stellvertretend für jährlich ca. 3.500 Kinder in Deutschland, die als sog. Extremfrühchen das Licht der Welt erblicken. Die Lebensumstände dieser zarten Wesen haben mit denen eines nach 40 SSW reif geborenen Säuglings wenig gemeinsam. Es fehlt ihnen wertvolle Entwicklungszeit im schützenden Bauch der Mutter. Während reif geborene Kinder in dieser Phase noch unberührt sind, müssen sich Extremfrühchen bereits mit Sinnesreizen wie Schmerz, Licht, Lärm und Schwerkraft auseinandersetzen, ohne dass ihr noch unterentwickeltes Gehirn zu einer adäquaten Verarbeitung dieser Reize in der Lage wäre. Atmen und das Verdauen von Nahrung sind besondere Herausforderungen für sehr unreife Kinder, mit denen ein Neugeborenes normalerweise erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt konfrontiert wird. Nicht jedes Extremfrühchen übersteht die schwierige Anfangsphase auf der Intensivstation unbeschadet. Der mögliche Tod und drohende Behinderungen sind emotional sehr belastende Perspektiven für die Eltern dieser Kinder.
Der Hamburger Fotograf Walter Schels hat sich behutsam mit dieser sensiblen und problematischen Lebensphase der Kinder auf einer Hamburger Intensivstation auseinandergesetzt. Einfühlsam hat er bereits vor Jahren todkranke Menschen in deren letzten Wochen, Tagen und Stunden mit der Kamera begleitet. Insofern sind ihm Grenzbereiche zwischen Leben und Tod nicht fremd. Entstanden sind ausdrucksstarke Portraits von kleinen Kämpfern, die wohl keinen Betrachter unberührt lassen. Zu sehen sein werden die Bilder vom 17. bis 23. November in der Marktkirche in Hannover. Geplant sind weitere Aufnahmen der Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren. So wird die Ausstellung mit ihren kleinen Protagonisten wachsen, um zu veranschaulichen, dass das Thema Frühgeburt gerade bei sehr kleinen Frühgeborenen für die betroffenen Familien nicht mit der Entlassung aus der Akutphase auf einer Neointensivstation endet und aufgrund dessen auch nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden darf.
Als Dachverband der Elterninitiativen und Fördervereine für früh und krank geborene Kinder in Deutschland war es dem Bundesverband ein großes Anliegen zu verdeutlichen, dass sich der Begriff „Frühchen“ zwar niedlich und harmlos anhören mag, dass die möglicherweise mit einer zu frühen Geburt einhergehenden Probleme und Herausforderungen für betroffene Kinder und deren Familien aber alles andere als harmlos sind. „Auf die Lebenssituation von Extremfrühchen treffen Begrifflichkeiten wie „sü? und „niedlich“ zunächst überhaupt nicht zu. Wenn das Leben des eigenen Kindes zu Beginn von medizinischen Geräten und Medikamenten dominiert wird, dann ist das in erster Linie sehr beängstigend und schockierend für betroffene Eltern“, sagt Katarina Eglin, Pressereferentin des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V. und Mutter eines zu früh geborenen Sohnes, der vor 5 Jahren nach 24 SSW mit nur 595 Gramm zur Welt kam.
Hintergründe, Zahlen & Fakten
Jährlich werden deutschlandweit ca. 60.000 Kinder vor der 37. SSW und damit zu früh geboren. Demnach ist jedes 10. Neugeborene ein Frühchen. Frühgeborene sind folglich die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands. Ca. 3.500 dieser Kinder gelten mit weniger als 1.000 Gramm Geburtsgewicht als Extremfrühchen. Zurzeit liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit ab der 24. SSW in Deutschland bei ca. 60 Prozent und steigt mit zunehmender Reife der Kinder. Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Kindern mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm liegt zurzeit bei ca. 20 bis 30 Prozent. Je unreifer die Kinder waren, desto höher ist das Risiko für bleibende Entwicklungsbeeinträchtigungen. Das können neben Körperbehinderungen oder kognitiven Beeinträchtigungen auch Aufmerksamkeitsdefizit und/oder Hyperaktivitätsstörungen sein. Bei 25 Prozent aller extremen Frühgeburten mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.000 Gramm zeigen sich im Kindesalter zudem Anzeichen von Autismus. Auch Lernbehinderungen wie beispielsweise eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und/oder Rechenschwäche und psychische Störungen wie Depression, Angststörungen und andere Verhaltensauffälligkeiten kommen bei extrem Frühgeborenen sehr viel häufiger vor als unter Reifgeborenen.
Mit dem Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen und der Qualitätsinitiative - Niedersächsischer Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen e.V. verbindet den Bundesverband bereits seit 2008 eine enge Kooperation. Die Qualitätsinitiative hat 2004 ein niedersachsenweites Nachuntersuchungsprojekt initiiert, bei dem extrem unreife Frühgeborene (mit weniger als 28 SSW geborene Kinder) erstmals in Deutschland flächendeckend nach 6 Monaten, 2, 5 und 10 Jahren standardisiert nachuntersucht werden. Mit der Projektdurchführung ist das Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen beauftragt. Die flächendeckende Studie liefert aussagekräftige Informationen über die Entwicklung und die Chancen dieser kleinen Frühgeborenen. Die Zahl der als entwicklungsauffällig eingestuften Kinder erhöhte sich von zunächst 55 Prozent (Ergebnis der 6-Monats-Untersuchung) auf 60 Prozent beim Untersuchungszeitpunkt nach zwei Jahren. Die Ergebnisse der nachfolgenden Zeitpunkte stehen noch aus und werden mit Spannung erwartet. Die bereits vorgelegten Zwischenergebnisse bekräftigen jedoch schon die Forderung des Bundesverbandes nach koordinierter Betreuung der kleinen Frühgeborenen.
Dieses Fotoprojekt konnte realisiert werden dank der freundlichen Unterstützung von der KKH Allianz und Techniker Krankenkasse sowie von der Abbott Deutschland GmbH & Co.KG.












