(openPR) André Wagner - Nature
Echtheit oder Künstlichkeit? Die dargestellte Natur wirkt nicht automatisch natürlich. Der Künstler, der die Landschaft - die von ihm interpretierte Form der Natur - darstellt, wählt aus den verschiedensten Landschaftsbildern dasjenige aus, das ihn am meisten anspricht. Im Falle André Wagners ist aber schon die Auswahl nicht so einfach. Er macht keine schnellen Fotos, seine Bilder sind keine reine Dokumentation der Orte, die er vorfindet. Er konstruiert an der Darstellung des zu fotografierenden Objekts.
Auf Grundlage dieser sorgfältigen Vorbereitung schafft André Wagner ein Porträt der Natur und arbeitet mit seinem Objekt ähnlich wie ein Modefotograf mit seinen Modellen. Dadurch entsteht nicht das ewige Abbild der Natur, sondern ein Porträt, das über die reine Abbildung hinausgeht und die Anschauung des Künstlers zeigt. Die Bilder des Fotografen sind also Befunde der Welt. Dafür ist er schon weit gereist, um die Orte zu finden, die seiner Vorstellung von Raumästhetik entsprechen. Neuseeland, Indien, Frankreich und Spanien sind nur einige der vielen Länder, in denen seine Fotos aufgenommen sind. Seine Bilder sind philosophische Reflektionen über die Essenz des Lebens, zu Raum und Zeit sowie Mensch und Natur, Vergänglichkeit und Ewigkeit.
Für diese geheimnisvolle Bilderwelt reduziert André Wagner künstliche Elemente beziehungsweise verbindet diese so, dass die Vergänglichkeit des Geschaffenen in der Natur sichtbar wird. Er fotografiert mit Vorliebe Landschaften. Das natürliche und auch künstliche Licht ist in seinen Werken von fundamentaler Bedeutung. Licht und Zeit sind Gestaltungsmittel, die die verborgenen Emotionen der Kulisse visuell entschlüsseln helfen. Dies können wir besonders bei den Nachtaufnahmen beobachten. Auf den ersten Blick meist kaum bemerkt lassen sich auf den Langzeitaufnahmen nach und nach Spuren von nicht-natürlichem Licht und die Bewegung der Sterne ausfindig machen. Manchmal wird das fantastische, vulkanische Licht von einer kleinen Kerze erzeugt, und manchmal erscheinen auf den Bildern Licht- und Feuerschleier. Der Künstler bezeichnet diese Feuerinstallationen als Selbstporträt. Seine Fotos können auch als romantische Fantasielandschaften interpretiert werden. Ohne zu allegorisieren erreicht er schließlich eine perfekte Harmonie zwischen wahrer und ersehnter Welt.
TEXT: ZOLTÁN SOMHEGYI - Kunsthistoriker, Kunstkritiker






