openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Höchste Zeit für echte Chance auf parlamentarische Mitbestimmung

08.10.200908:22 UhrVereine & Verbände

(openPR) Dem 17. Deutschen Bundestag gehört kein einziger Vertreter der deutschen Aussiedler und Spätaussiedler an - dieser Personenkreis umfasst u. a. rund 2,8 Millionen Deutsche aus Russland und über 600 000 Deutsche aus Rumänien. Die Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Adolf Fetsch, der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Bernhard Krastl, sowie des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Bernd Fabritius, erklären dazu:



Den Einzug in unser höchstes Gesetzgebungsorgan geschafft haben 622 Abgeordnete aus sechs Parteien. Vertreten sind alle Landesteile, alle Generationen und so gut wie alle Interessengruppen, die in den Parteien Arbeitsgemeinschaften gegründet haben. Auch aus dem 3,4 Millionen Wählerinnen und Wähler starken Personenkreis der Aussiedler und Spätaussiedler aus Russland und Rumänien gab es Bemühungen, Vertretungsmandate im Bundestag zu erreichen - leider blieben diese ohne Erfolg. Werner Henn, Berglanddeutscher, hat mit nur gut 23 % der Direktstimmen ein Direktmandat der SPD in Baden-Württemberg verpasst. Dr. Bernd Fabritius, Siebenbürger Sachse, und Dr. Arthur Bechert, Russlanddeutscher, waren von der Christlich-Sozialen Union (CSU) nominiert worden (Listenplatz 32 bzw. 55) und haben mangels Zuteilung von Listenmandaten für die CSU ebenfalls ein Mandat verfehlt. Diese Schieflage mag einen Hauptgrund im geltenden Wahlsystem haben: Ein Direktmandat kann nur erlangen, wer durch die Parteibasis nominiert wird und in seinem Wahlbezirk die Stimmenmehrheit auf sich vereint. Dafür muss man in den Ortsverbänden langjährig verwurzelt sein und allgemeine Politikfelder vertreten. Die gezielte Interessenvertretung für unsere Personengruppe der Aus- und Spätaussiedler ist jedoch kein geeigneter Weg, um für Direktmandate von der Parteibasis nominiert zu werden.
Der notwendige Ausgleich dafür sollte über Kandidaturen auf den Zweitstimmenlisten der Parteien geschaffen werden. Auf diesem Weg bekommen die Arbeitsgemeinschaften bestimmter Personengruppen eine Chance, in die parlamentarische Mitbestimmung im Deutschen Bundestag einbezogen zu werden. Deshalb haben die Landesverbände der Landsmannschaften der Deutschen aus Russland, der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen in Bayern mit Dr. Fabritius einen gemeinsam abgestimmten Kandidatenvorschlag zur Bundestagswahl unterbreitet, den die Union der Vertriebenen und Aussiedler (UdV), eine Arbeitsgemeinschaft der CSU, als Wahlvorschlag aufgenommen hat. Die Nominierung erfolgte dann auf Listenplatz 32. Eine halbherzige Entscheidung der Partei, bedenkt man, dass damit die Wahl eines Vertreters der Aus- und Spätaussiedler über die Landesliste unwahrscheinlich und selbst ein Nachrücken von vornherein so gut wie ausgeschlossen war. Andere Arbeitsgemeinschaften, deren Beteiligung bereits über sechs Direktkandidatinnen abgesichert war, wurden gleich mit einem ganzen Block an Listenbewerbern vorgezogen nominiert. Die Wahl unseres Vertreters rückte damit ins Spekulative, eine echte Chance bestand nicht mehr. Dieses Signal ist angekommen.
Die über drei Millionen deutschen Aussiedler und Spätaussiedler sind damit auf die solidarische Begleitung und „Fremdbestimmung“ durch ihre Mitbürger angewiesen, die aber von dem Schicksal dieser Personengruppe und den daraus erwachsenden besonderen Umständen oft unzureichende Kenntnisse haben. Lediglich in der Unionsfraktion im Bundestag gibt es eine „Arbeitsgruppe für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler“. Doch schon im letzten Bundestag war dort kein einziger Aussiedler oder Spätaussiedler vertreten, und auch kein Heimatvertriebener der Erlebnisgeneration. Um so höher ist der Einsatz der Mitglieder dieser Arbeitsgruppe einzuschätzen, die das Schicksal unserer Bevölkerungsgruppe meist nur aus Erzählungen kennen.
Auch das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, seit Jahren sehr engagiert von Dr. Christoph Bergner wahrgenommen, soll hier Ausgleich schaffen. Dr. Bergner ist Ansprechpartner auf Bun-desebene für Aussiedler und Spätaussiedler und hat so manche Problemlösung bewirken können, die vielleicht gar nicht erst erforderlich geworden wäre, wenn Aus- und Spätaussiedler bereits im Rahmen parlamentarischer Mitbestimmung beteiligt worden wären.
Die Folgen dieser Schieflage sind in den letzten Jahren oft nur zu deutlich gewesen: So wurde 1996 durch die im Bundestag beschlossenen und sogar vom Bundesverfassungsgericht kritisierten einseitigen Rentenkürzungen bei Aus- und Spätaussiedlern der Vertrauensschutz verletzt und ein erhebliches Integrationshemmnis gesetzt. Übergangsvorschriften wurden - rund 10 Jahre später - ohne deren Einbeziehung nicht minder ungerecht gefasst. Auch die Begrenzung der Geltungsdauer der Aufnahmebescheide für Deutsche im neuen Zuzugsrecht war eine Fehlentscheidung des Bundestages, die auf fehlendes Einbeziehen von Erfahrungen und Sachkenntnis der Betroffenen zurückzuführen und erst nach deren massiver Intervention wieder korrigiert wurde. Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, wie notwendig die Einbeziehung der Betroffenen in die parlamentarische Mitbestimmung ist. Diese Chance ist nun leider für die kommenden Jahre vergeben worden.
Es bleibt abzuwarten, ob die neue Regierung aus Union und FDP einen außerparlamentarischen Ausgleich für dieses Defizit schaffen wird. Und „nach der Wahl ist vor der Wahl“: Für den nächsten Bundestag in vier Jahren wird es Aufgabe aller Leistungsträger aus dem Bereich der Aus- und Spätaussiedler sein, sich in allen demokratischen Parteien mit noch mehr Nachdruck und Entschlossenheit um ein Vertretungsmandat in direkten Wahlkreisen und um realistische Nominierungen auf den Landeslisten zu bewerben. Es wird Aufgabe aller demokratischen Parteien sein, diese Bewerbungen entschlossener als bisher zu unterstützen, wenn sie sich ernsthaft um die Anliegen aller Bürgerinnen und Bürger dieses Landes kümmern wollen. Und es wird nicht zuletzt Aufgabe aller Aus- und Spätaussiedler in Deutschland sein, diese Aspekte noch genauer zu beachten und durch ihr konsequentes Abstimmungsverhalten für die nötigen Korrekturen zu sorgen.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 357878
 1097

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Höchste Zeit für echte Chance auf parlamentarische Mitbestimmung“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.

60 Jahre Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland - Heimattag in Dinkelsbühl - 29. Mai bis 1. Juni 2009
60 Jahre Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland - Heimattag in Dinkelsbühl - 29. Mai bis 1. Juni 2009
Unsere Welt steckt in der schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren. Tag für Tag werden immens hohe Vermögenswerte vernichtet. In Krisenzeiten wie diesen steigt der Kurs immaterieller Werte. Christliche Prägung und Gemeinsinn, gewachsene Traditionen, Bildung und Kultur, sozialer Friede, integrative Kraft und grenzüberschreitende Verständigung sind Werte, Güter, Kompetenzen, die das Überleben der Siebenbürger Sachsen seit über 850 Jahren begründen. Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland feiert in diesem Jahr se…
Bild: Neuer Name, neue Satzung, neue VerbandsspitzeBild: Neuer Name, neue Satzung, neue Verbandsspitze
Neuer Name, neue Satzung, neue Verbandsspitze
Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen e.V. führt künftig den Namen „Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.“ Auf dem Verbandstag am 3./4. November in Bad Kissingen ist eine Neufassung der Satzung verabschiedet und ein neuer Bundesvorstand gewählt worden. Neuer Bundesvorsitzender des Verbandes ist Dr. Bernd B. Fabritius, der die Nachfolge von Dipl.-Ing. Arch. Volker Dürr antritt. Die in Bad Kissingen verabschiedeten strukturellen Reformen und die personelle Erneuerung an der Verbandsspitze bedeuten eine Zäsur für den Verei…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Meinung sagen zahlt sich aus beim Neujahrs-Gewinnspiel von Mädels.reisenBild: Meinung sagen zahlt sich aus beim Neujahrs-Gewinnspiel von Mädels.reisen
Meinung sagen zahlt sich aus beim Neujahrs-Gewinnspiel von Mädels.reisen
Frankfurt, 10. Januar 2018. Mädels.reisen, der neue Gruppenreisevermittler für Lesben, ruft zur Mitbestimmung auf. Im Rahmen eines Gewinnspiels möchte das Mädels.reisen Team von den Besucherinnen ihrer Internetseite wissen, wohin sie gerne in einer Gruppe verreisen möchten. Zur Auswahl stehen vier Ziele. Mit Winterberg ist ein Nahziel im Angebot, bei …
Bild: Jugendbeirat für MünchenBild: Jugendbeirat für München
Jugendbeirat für München
… Aufbau und Funktion des Gremiums. Die erste Resonanz war durchweg positiv.Der VPJ setzt sich seit mehr als zwei Jahren für verbesserte politische Mitbestimmung Jugendlicher ein. Die Gründung eines Jugendbeirates ist sein wichtigstes politisches Ziel. Für den Vorstand Nima Lirawi Nima Lirawi 01577/4370040' Ruffinistraße 12 80637 Münchenwww.vpj-verein.de.vu
Jenseits von Filzvorwürfen und >Verhartzungen< – Ist das deutsche Modell der Mitbestimmung noch zukunftstauglich?
Jenseits von Filzvorwürfen und >Verhartzungen< – Ist das deutsche Modell der Mitbestimmung noch zukunftstauglich?
… falschen Produkte im Angebot hat, die Fertigungsqualität vernachlässigte und von einem Skandal in den nächsten schleudert.“ Insbesondere auf das deutsche Modell der Mitbestimmung wird aus allen Rohren gefeuert. So fordert die FPD in ihrem wirtschaftspolitischen Wahlprogramm eine Ersetzung der paritätischen Mitbestimmung durch eine Drittelbeteiligung. …
VNR Verlag übernimmt Abonnentenstamm „Datenschutz Intern“ von der ultimo! Verlagsgesellschaft mbH
VNR Verlag übernimmt Abonnentenstamm „Datenschutz Intern“ von der ultimo! Verlagsgesellschaft mbH
… sehen wir auch zukünftig verstärkt Chancen, die wir nutzen wollen“, betont Guido Ems. TKMmed!a ist einer der sieben Fachverlage des VNR Verlags. Neben dem Schwerpunkt Datenschutz steht TKMmed!a für die Sparten Digital Business, Einkauf und Logistik, Marketing und Trends, Mitbestimmung sowie Vereine und Stiftungen. Weitere Informationen: www.vnrag.de
Deutscher Sonderweg Mitbestimmung – Investitionshindernis in einer globalisierten Wirtschaft
Deutscher Sonderweg Mitbestimmung – Investitionshindernis in einer globalisierten Wirtschaft
… Die FDP wollte Regierungstauglichkeit demonstrieren. Der neue Generalsekretär Dirk Niebel forderte daher unter anderem betriebliche Bündnisse für Arbeit und eine Beschränkung der Mitbestimmung von Gewerkschaftsfunktionären. Es könnte sein, dass eine mögliche schwarz-gelbe Koalition das Mitbestimmungsgesetz von 1976 ins Wanken bringen will, um die Macht …
Arbeitnehmervertretung der Unternehmung Stadt Hanau ist tarifpolitisches Neuland
Arbeitnehmervertretung der Unternehmung Stadt Hanau ist tarifpolitisches Neuland
… ist es gelungen, die Einflussnahme ähnlich wie in Wirtschaftskonzernen mit ihren Konzern- oder Gesamtbetriebsräten zu regeln. Während dort das Betriebsverfassungsgesetz die Mitbestimmung regelt, ging es in der Unternehmung Stadt Hanau darum, die Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes und der Hessischen Personalvertretungsgesetzes zu harmonisieren. …
Bild: Meinung sagen zahlt sich aus beim Silvester-Gewinnspiel von Kerle.reisenBild: Meinung sagen zahlt sich aus beim Silvester-Gewinnspiel von Kerle.reisen
Meinung sagen zahlt sich aus beim Silvester-Gewinnspiel von Kerle.reisen
Frankfurt, 22. November 2017. Der größte Gay-Gruppenreise-Vermittler im deutschsprachigen Raum ruft die Besucher seiner Internetseite im Rahmen eines Gewinnspiels zur Mitbestimmung auf: Wohin soll die Kerle.reisen Silvestertour 2018 gehen? Silvester feiern auf einer angesagten Dachterrasse in Tel Aviv, mit Pudelmütze im verschneiten Reykjavik oder …
Bild: Die meisten Führungskräfte sehen die Mitbestimmung positivBild: Die meisten Führungskräfte sehen die Mitbestimmung positiv
Die meisten Führungskräfte sehen die Mitbestimmung positiv
Umfrage zu 40 Jahre Mitbestimmungs-gesetz Der Berufsverband DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK hat in einer Umfrage, an der sich 1.040 Führungskräfte beteiligt haben, die Meinung der Manager in Deutschland zur Unternehmensmitbestimmung eingeholt. Die Studie ergibt, dass die Chefs ein ganz überwiegend positives Bild von der Mitbestimmung haben. Die wesentlichen …
Beschäftigte künftig nur noch Befehlsempfänger?
Beschäftigte künftig nur noch Befehlsempfänger?
… komba, am 08.08.07 zur Anhörung der Sachverständigen in den Innenausschuss des Landtages nach Düsseldorf. Nach dem Willen der Landesregierung soll die Mitbestimmung der Personalräte im Landes- und Kommunaldienst drastisch eingeschränkt werden. „Mit der Novellierung des LPVGs (Landespersonalvertretungsgesetz) schafft sich die Landesregierung kurzerhand …
Bild: Sebastian Frankenberger referiert beim Bürger- und Neujahrsempfang der ödpBild: Sebastian Frankenberger referiert beim Bürger- und Neujahrsempfang der ödp
Sebastian Frankenberger referiert beim Bürger- und Neujahrsempfang der ödp
… der Stadelwirtschaft „Zum Sontberger Michel“ in Gerstetten-Sontbergen. Das Thema „Direkte Bürgerbeteiligung“ wird oft seht konträr diskutiert. Während die Einen bei mehr Mitbestimmung durch die Bürger längere und schwierigere Entscheidungswege befürchten, sehen die Befürworter in der unmittelbaren politischen Einflussmöglichkeit der Bürger einen wichtigen …
Sie lesen gerade: Höchste Zeit für echte Chance auf parlamentarische Mitbestimmung