(openPR) Hartmut Wander ist Augenoptikermeister, 35 Jahre alt. Sein ganzes Leben schon kämpft der Neubrandenburger mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Lernen war für ihn immer ein Kraftakt.
Jetzt hat er ein Werkzeug in den Händen, womit er Kindern einen ähnlichen Leidensweg ersparen kann. Und er kann noch viel mehr. Der Optiker ist jetzt auch Funktionaloptometrist. Mit dieser Zusatz-Qualifizierung wird er sowohl Kindern als auch Erwachsenen ein besseres Sehen antrainieren.
Bislang bewertete ein Sehtest in seinem und in anderen gängigen Optikerfachgeschäften nur die Sehschärfe der Einzelaugen. Funktionelle Störungen der Beidäugigkeit blieben in der Regel unerkannt. So entstand häufig der falsche Eindruck, die Sehleistung sei in bester Ordnung.
„Allerdings ist nur dann alles in bester Ordnung, wenn beide Augen auch im Team arbeiten und zudem mit dem Gehirn kooperieren“, erklärt Hartmut Wander. Und: Die Augen müssen mehr als einfach nur sehen. Sie müssen Objekte scharf erfassen und sich möglichst weit nach außen und nach innen bewegen können. Stehen die Augen ruhig und nehmen jeweils ein Bild von ein und demselben Objekt auf, verschmelzen zwei Bilder im Gehirn zu einem räumlichen Eindruck. Bei Augenfehlstellungen passen die beiden Bilder nicht recht zusammen. Dies auszugleichen, müssen Sehmuskel und Gehirn mehr arbeiten.
Die Folgen: Konzentration ist schneller aufgebraucht. Buchstaben flimmern. Exakte Blicksprünge vom Zeilenende zum nächsten Zeilenanfang gelingen nicht. Leerzeichen zwischen zwei Wörtern werden nicht wahrgenommen – mehrere Wörter „verklumpen“ zu einem Wort. Spiegelgleiche Buchstaben werden verwechselt, etwa d und b oder q und p. Betroffene haben Kopfschmerzen, können sich schlechter konzentrieren, gelten als ungeschickt, weil ihnen die räumliche Koordination schwer fällt. Schulkinder kommen beim Wechsel von der großen Fibelschrift zur normalen Schriftgröße im Unterricht nicht mehr mit.
Hartmut Wander hat während seiner Weiterbildung sein theoretisches Wissen an etwa 200 Grundschülern aus Neubrandenburg und Burg Stargard ausprobiert. „Das war sowohl Übung für mich als auch Marktforschung für mein neues Geschäftsfeld“, sagt der Funktionaloptometrist. Seine Erkenntnis: An die 50 Schüler hatte er ausfindig machen können, denen ein Visualtraining das Sehen und damit das Lernen erleichtern könnte.
Visuelle Wahrnehmungsstörungen sind prüf- und messbar – und korrigierbar. Mit Sehtraining können Funktionaloptometristen all dem beikommen. Bislang gab es in Mecklenburg-Vorpommern eine einzige Einrichtung dafür: die Sehoptimisten in Rostock. Hartmut Wander ist von nun an der zweite im Land. Am 30. April eröffnet er seine Sehschule, direkt über seinen Laden in der Wolfswinkelstraße. An die 28.000 Euro hat er darin investiert – für Wissen, Mobiliar, Gerätschaften. „Hier werden bald kleine Wunder entstehen“, zeigt sich Wander überzeugt.
Die Übungen sind zuweilen ganz simple. Mit einem Ball etwa, der an einem Gummiband hüpft, trainiert man Blicksprünge und das Verfolgen schneller Objekte. Oder man muss einäugig, mit einer Augenklappe, einen Text an der Wand von verschiedenen Abständen lesen. Der Sehschüler geht dazu vor und zurück - „Kleiner Pirat wandert“. Oder mit einer 3D-Brille und verschiebbaren Bildern wird das räumliche Sehen gefördert.
Das Visualtraining wird individuell angepasst. Das Sehen wird sozusagen neu erlernt – die Augenbewegungen und Einstellungen trainiert und die Seherfahrungen verbessert. Der Augenoptiker und Funktionaloptometrist aus Neubrandenburg hat seine eigene Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht ganz abstellen können. Aber er kann nun viel länger konzentriert lesen.
www.wander-sehtraining.de; www.wvao.org
INFOKÄSTEN:
Wem kann geholfen werden?
Menschen mit Beschwerden am Bildschirmarbeitsplatz
Kurzsichtige deren Brillenkorrektur kontinuierlich steigt
Sportlern ,die ihre Leistungsfähigkeit durch bessere visuelle Performance steigern wollen
Kindern mit visuell bedingten Lern- und Lesestörungen
stark weitsichtigen Kindern
Menschen mit visuellen Problemen nach einem Unfall oder Schlaganfall
Menschen nach Burnout-Syndrom
Visuelle Wahrnehmungsstörungen sind nicht unsichtbar:
- Häufiges Augenbrennen
- Häufige Kopfschmerzen
- Nackenprobleme
- Erhöhte Blendempfindlichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Unsicherheit im Dunkeln
- Ungeschicklichkeit
- Abdecken eines Auges mit der Hand
- Schlechte Sinnerfassung
Optometrie: Teildisziplin der Augenoptik, die Fehlsichtigkeiten korrigiert. Es ist die Lehre der Messungen und Bewertungen von Sehfunktionen. Der Begriff Optometrie setzt sich aus 'opt' (griech. optike „Lehre vom Sichtbaren“, optiko „zum Sehen gehörig“, zu opsis „das Sehen“) und 'metron' (griech. u?????? „Zählung“, „Messung“) zusammen.








