(openPR) Welch ein Echo! Lauren Stillman spiele sich "an die Spitze der zeitgenössischen Altsaxophonisten", befand das Magazin "Rondo" in der Kritik zu Stillmans Pirouet-Debüt "Blind Date" von 2007; "eine Produktion von erlesener Qualität" nahm die Zeitschrift "Jazz Podium" wahr; "von einer unglaublich intensiv leuchtenden Kraft" kündete "Jazzthing". "Geniestreich", "Mischung aus Lee Konitz und Martini trocken", "eine große Karriere zu erwarten"; "unique compositional feel", "marvelous", "very deep": So lauteten weitere Stichworte zu den subtilen und unorthodoxen Stücken des 1980 in London geborenen Musikers, der in Brooklyn lebt. Und man kann gespannt sein auf diejenigen zu Stillmans neuer Pirouet-CD Winter Fruits. Denn die ist völlig anders als Blind Date - und doch zeigen sich hier ganz plastisch jene Qualitäten, die die internationale Fachpresse schon damals an Stillman hervorhob. Winter Fruits ist überraschend, leuchtend, kraftvoll - und auf gehabt Stillmansche Weise erlesen.
Stillman hat hier ein etwas anderes Team hinter sich als bei Blind Date. Nur Gary Versace, vielgefragter Sideman von Musikern wie John Scofield und Matt Wilson, ist von der ursprünglichen Besetzung dabei - hier allerdings als Organist statt wie vorher als Pianist; und das ist besonders spannend, denn an der Hammond-Orgel wurde er in den letzten Jahren dreimal hintereinander im Down Beat Critics Poll zum "rising star" ernannt. Ihm zur Seite steht der junge Gitarrist Nate Radley, der aus Chicago stammt, in Brooklyn lebt und unter anderem bei John Abercrombie studiert hat - der wiederum für die Kombination Orgel/Gitarre ein wichtiger Gewährsmann ist. Und Schlagzeug spielt der 1981 in Rochester/New York geborene Ted Poor, ein Musiker, der unter anderem mit den Gitarristen Ben Monder, Marc Ducret und Bill Frisell sowie dem Saxophonisten Chris Potter spielte. Diese vier Musiker sind ein Team aus jungen Kreativen, die neue Ideen haben und allesamt selbst Erfahrung als Bandleader haben. Musiker, die über spannenden Eigen-Sinn verfügen und sich deutlich hörbar gegenseitig inspirieren.
Die Stücke auf dieser CD hat wieder Loren Stillman selbst komponiert, bis auf das Titelstück Winter Fruits und Muted Dreams, die von Ted Poor stammen. Beide Komponisten erweisen sich als Meister der Farben und der Stimmungen. Sowie als mustergültiger Vermeider von Klischees. Ihre Stücke haben durchweg eigenes Vokabular und sind doch leicht zugänglich Diese Kompositionen sind meist nicht über Akkordfolgen aufgebaut, sondern als Geflecht von Stimmen: Linien, die sich spannungsvoll aufeinander zu und voneinander weg bewegen, manchmal auch überraschenderweise parallel; musikalische Wellen, die nie gleichförmig bleiben und sich doch höchst organisch ergänzen. Das wird ganz deutlich in einem Stück wie der langsamen Komposition Muted Dreams, die in zart fließenden Bewegungen immer mehr ihre Intensität steigert; oder in dem melodiösen Glanzstück With You, das auf raffinierte Weise den Thelonious-Monk-Klassiker Round About Midnight durchklingen lässt, um im selben Gestus eine ganz eigene Atmosphäre zu schaffen. Im Titelstück Winter Fruits konstruieren Stillman und seine Mitspieler herbe Unisono-Bewegungen über Motiven, die an Morsezeichen erinnern, und lassen sie dann in pulsierend-unheimliche Interaktionen münden.
Auf vielfältige und nie vorhersehbare Weise ziehen die Aufnahmen dieser CD den Hörer in einen Sog. Jeweils in einen anderen. Verbindende Elemente aber wären: die atemberaubende Kommunikationsfreudigkeit der vier Musiker, bei denen es keine belanglosen Passagen zu geben scheint; die rhythmische Kompaktheit und stets auffällige Höchst-Präzision dieser Band; die melodischen Kniffe, die bewirken, dass eine Linie immer überraschende Wege findet. Und dann die Klangfarben-Mischung: Hammond-Orgel, Gitarre und Altsaxophon ergeben hier ein Spektrum enorm harmonisch ineinander übergehender Farben - als sei eine Mischfarbe nachträglich in ihre Einzelbestandteile aufgelöst worden. Man spürt die Homogenität - und doch ist der jeweilige Eigencharakter auffällig präsent.
Loren Stillman setzt sein Saxophonspiel so ein, dass diese Homogenität stets reizvoll verstärkt wird. Er hat viel Sinn für ganz feine Abtönungen in einem Spektrum, das vom quirligen Pianissimo bis zu einer Art Sandstrahl-Fortissimo enorme Nuancen hat: ein Virtuose des Zwischentons, ein Farben-Zauberer. Gary Versace lässt sein schweres Tasten-Monster nach allen Regeln einer nie Klischee werdenden Kunst fauchen und grummeln, zischen und röcheln - wie ein Drache, der in der Höhle eines Riesen zeigt, wie einzigartig und gefährlich er ist. Nate Radley und Ted Poor sind die Chamäleons in dieser Crew - Gitarre und Schlagzeug passen sich ungemein fein den Farben der anderen Instrumente an und offenbaren dabei eine außer-ordentliche Stilsicherheit und Sensibilität. So eindrucksvoll sich nicht in den Vordergrund zu spielen wie diese beiden, ist eine ganz eigene Kunst. Hohe Finesse haben die Parts von Drums und Saiten in dieser Band - bei einem hohen Grad an fließender Freiheit. Da wird nie ein Schema abgerufen, sondern in jedem Moment kreativ reagiert.
Und das trifft wiederum auf alle Instrumente zu. Wie Zahnräder greifen die Parts der vier Musiker ineinander. Doch diese Zahnräder scheinen ständig ihre Position und auch ihre Größe zu verändern. Flexibilitäts-Wunder bei vierfachen, synchronisierten Metamorphosen. Like a Magic Kiss eines Man of Mystery sind diese Aufnahmen. Von großer Zartheit und bezwingendem Zauber, der immer einen Hauch von Rätselhaftigkeit hat. Loren Stillman schreibt mit die sinnlichsten musikalischen Rätsel des zeitgenössischen Jazz, und sein Zauber hat stets ein hochgradig festes Fundament. Das merkt man beim x-maligen Wiederhören der Stücke: Ihr Zauber wirkt garantiert auch dann noch. So sind die Aufnahmen auf dieser CD musikalische Früchte, mit denen man wohl bestens auch über einen noch so langen Winter kommt: Loren Stillmans Winter Fruits.
Besetzung:
Loren Stillman alto saxophone
Nate Radley guitar
Gary Versace organ
Ted Poor drums
Tracks:
1. Muted Dreams 4:53 2. Skin 8:28 3. Man of Mystery 6:12 4. With You 9:10
5. Like a Magic Kiss 8:41 6. A Song to Be Played 2:19 7. Winter Fruits 4:46
8. Puffy 3:03
+++Pressestimmen+++
Henning Bolte in JazzMagazine 5/2009:
"Ein neuer Stern am Firmament ist Altsaxofonist Loren Stillman. Sein Name verrät schon ein wenig von den Klängen, die er nach uns aussendet. Ein sanft glitzernder Stern, wohl aber mit langen, wogenden Lichtwellen und Silberschweifen. Er ist derselben Galaxie entsprungen, in der auch die Lichter von Lee Konitz und Bill Frisell scheinen. Der Stillmanstern bringt dieses Licht in einen neuen Orbit des Klangsystems. Heisst: Stillman hebt es mit seinen Kumpanen Nate Radley, Gitarre, der subtilen Orgel von Gary Versace und den unwiderstehlich rauschenden Becken von Schagzeuger und Mitkomponist Ted Poor auf ein neues Niveau. Die Klänge besitzen eine fast esoterische Freundlichkeit, die intensive Gefühle birgt. Die quecksilbernen Linien gleiten unmerklich in tiefe rhythmische Wirbel, die sich lösen und neuen jungfräulichen Aussichten entgegenströmen. Just beautiful music."
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Katharina Lohmann aus der Amazon.de-Redaktion 2009:
"Winter Fruits ist Stillman's zweites Album für das Münchner Label "Pirouet Records" und das insgesamt neunte des britischen Wunderknaben, der bereits mit 15 seine erste Platte machte. Winter Fruits ist eine Quartetteinspielung, mit Nate Radley (Gitarre), Gary Versace (Orgel), Ted Poor (Schlagzeug) und Bandleader und Komponist Loren Stillman (Altsaxofon). Dessen Musik ist modern, nicht immer einfach, zuweilen ein wenig verkopft. Es ist zeitgenössischer Jazz á la New York, dort lebt und arbeitet der junge Saxofonist, dort erhielt er Auszeichnungen wie "Outstanding Performance Award" und "Rising Star Jazz Artist Award" (Down Beat). Bei der Thelonious Monk Saxophone Competition 2002 war Stillman Semifinalist, gespielt hat der 29-Jährige bereits mit Charlie Haden, Paul Motian, Carla Bley, John Abercrombie, Joe Lovano. Das färbt ab. Loren Stillman arbeitet mit großen Bögen, mit weiten Flächen, langen Tönen, eher kurzen, melodischen Themen. Es wabert ein wenig Frisell-artig, im Ganzen klingt es lyrisch, eher zart, nur manchmal wild, es swingt und bäumt sich auf, bei klasse Soli, da wird es wirklich handfest - die Musiker sind erste Sahne! Das wirkt gewaltig, das geballte Potential der Gruppe, es ist faszinierend, das Fundament steht sattelfest: hier geht's um Jazz auf wirklich hohem Niveau. Seit fünf Jahren spielt diese Besetzung schon zusammen. Natürlich hört man das: es fusioniert zu einer Stimme, was vier zu sagen haben, jede Note, jeder Einsatz harmoniert perfekt. Sehr gute Arbeit, Winter Fruits ist ein anspruchsvolles, ein wirklich reiches Album geworden; reich an Esprit, reich an Ausdruck, reich an spielerischer Brillanz."













