(openPR) (Dortmund, den 16.09.2009) Objektiv ist es Bewegung – anmutig, elegant und grazil. Subjektiv wird daraus Bühnentanz. Durch die Wahrnehmung, die Vorstellungskraft, das Gefühl. „Unsere Fantasie schlägt eine Brücke“, erläutert Gudrun Doddema, „und aus dem Technischen, den reinen Bewegungsabläufen wird eine darstellende Kunst. Was auf der Bühne passiert, bekommt einen Inhalt, eine Aussage, ein Botschaft – es entsteht eine Kommunikation zwischen Darstellern und Publikum.“
Gudrun Doddema ist Tanzpädagogin. Sie weiß um die Bedeutung der Fantasie für die Kunstfertigkeit ihrer Schüler: „Über die Fantasie entsteht die eigene Bewegungssprache eines jeden Tänzers.“ Je besser diese ausgeprägt ist, desto glaubwürdiger und authentischer wird seine Bühnenpräsentation. Doddema: „Es ist wie im realen Leben: Wer selbstsicher und aufrecht in ein Bewerbungsgespräch geht, hat klare Vorteile.“
Fantasien sind Kindern angeboren. Damit sie nicht versiegen, muss der gezielte Umgang mit ihnen gepflegt werden. Wichtig ist dabei der Raum, um schöpferische Kräfte entfalten zu können. „Das meint einerseits den Raum als solchen“, hebt Doddema hervor, die in ihrem Studio, dem Modern Dance Center in Dortmund, extra ein eigenes Theater eingerichtet hat, um jungen Eleven schon frühzeitig das Gefühl für die Bühne vermitteln zu können. „Raum meint andererseits aber auch den geschützten Bereich, in dem die Kinder nicht das Gefühl haben, sich zu blamieren.“
Fantasie zu entwickeln, hängt ganz stark damit zusammen, etwas nachzuempfinden, Situationen so zu verarbeiten, dass man in den Bewegungen etwas sieht oder selbst die passenden Bewegungen zu einer Situation fühlen und gestalten kann. So ergibt sich, dass die weitgreifende Armbewegung etwas darstellt, zum Beispiel das Streuen von Blumen bei einer Hochzeit. Und das Berühren der Nase mit dem Zeigefinger ist der Clown, der sich seine Nase rot färbt. Jede Bewegung bekommt einen tieferen Sinn. Und je bewusster dieser gefühlt wird, desto mehr steigt die Bewegungsqualität.
Wie stark Fantasie beim Tanzen ausgelebt werden kann, hängt von einigen Faktoren ab. Etwa vom Werk. „Im Dezember führen wir in Dortmund den Nussknacker auf“, erläutert Doddema, „ein Stück mit vielen festgelegten Abläufen. Scheinbar gibt es hier keinen Platz für die Fantasie. Und doch regt dieses Stück die Wahrnehmung und die Interpretationsgabe sehr stark an. Es schult die Fantasiekräfte.“ Modernere Stücke oder gar eigene Kreationen bieten hingegen mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei den Aktionen. Die Abstraktion lässt die Fantasie in den Körper übergehen und wird von diesem nach außen geleitet.
Die Fantasie der Kinder zu entwickeln und zu trainieren, folgt einem Stufenplan, wobei der Fokus nie komplett auf einer Richtung liegt, sondern immer nur schwerpunktmäßig daran gearbeitet wird – parallel zur technischen Ausbildung. Besonders intensiv widmen sich die Tanzkompanien dem Thema, also jene Kinder, die über den normalen Unterricht hinaus weiter an sich und ihren Fähigkeiten arbeiten. Und natürlich beeinflusst das Alter den Prozess. So steht bei den Sechs- und Siebenjährigen eher die tänzerische Grundausbildung im Mittelpunkt, bei den pubertierenden Kindern das Tanzen trotz Selbstfindung. „Bei der Tanzausbildung ist es ganz wichtig, das Richtige zur richtigen Zeit zu machen“, betont Doddema, „die Kinder müssen sich ernst genommen fühlen, sodass ihr Ich gestärkt wird. Das prägt dann die Bewegungssprache genauso, wie viele andere Eigenschaften in dieser Zeit grundlegend geformt werden.“










