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Die Vielfalt cellistischer Ausdrucksformen

27.08.200919:36 UhrKunst & Kultur
Bild: Die Vielfalt cellistischer Ausdrucksformen
Eindruck vom Cello Festival 2007
Eindruck vom Cello Festival 2007

(openPR) Erstaufführungen, Welturaufführungen und Auftragskompositionen beim 9. Cello Festival der Kronberg Academy

Kronberg, 27. August 2009. Mit einem Platzkonzert beginnt das Festival und mit einem dreiteiligen Orchesterkonzert geht es zu Ende. Zwischen diesen beiden Ereignissen liegen 18 Konzerte von ganz unterschiedlicher Prägung. Darunter die neu ins Leben gerufene „Blaue Reihe“, drei Auftragskompositionen sowie zwei Erst- und vier Welturaufführungen.



Erstmals bildet ein Platzkonzert am 28. September den Auftakt zum Cello Festival, das unter dem Leitmotiv „Kontrapunkte“ steht. Aufgeführt wird das Werk einer der schillerndsten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Friedrich Gulda. Berühmt für seine große Leidenschaft zum Jazz und seine Bemühungen, dem klassischen Musikbetrieb zu mehr Anerkennung zu verhelfen und die Trennung zwischen E- und U-Musik aufzuheben, läutet sein Konzert für Violoncello und Blasorchester die neue Ausrichtung des Cello Festivals ein. Das Publikum darf sich freuen auf eine Mischung unterschiedlichster Stilelemente aus E- und U-Musik: von swingenden Rock-Rhythmen und veritablen Hard-Rock-Passagen über elegante Menuette, die an Tänze am Hofe des französischen Sonnenkönigs erinnern, bis hin zu einem Blasmusikmarsch und brillanten Cello-Läufen. Das Cello des Solisten László Fenyö wird dabei mit einem Verstärker ausgerüstet, um dem Blasorchester der Jungen Deutschen Philharmonie unter der Leitung des 32 Jahre alten Dirigenten Erik Nielsen standhalten zu können.

Auftragswerk zur Eröffnung und Welturaufführungen zum Abschluss

Mit einer Auftragskomposition wird das Cello Festival offiziell am 30. September eröffnet und mit zwei Welturaufführungen endet es am 4. Oktober. Das Werk „Midsummer Song“ von Raminta Serksnyte wurde von der Kronberg Academy für das diesjährige Cello Festival in Auftrag gegeben. Für diese Komposition ließ sich die Litauerin vom Zauber inspirieren, den das Ereignis der Sommersonnenwende seit jeher auf die Menschen ausübt. Über ihr Werk selbst sagt die 34-Jährige: „Ich habe mein Stück als eine Art pantheistisches Lied konzipiert, in dem sich anfängliche Melodien, die sich aus unterschiedlichen Tönen lösen, langsam aber sicher zu einer Vielfalt von Farben und Gestalten ausbreiten. Die Melodien haben dabei Ähnlichkeit mit Rezitativen, Arien und Chören. Schließlich verschwindet das Lied nach einer ekstatischen Steigerung schrittweise wieder in eine meditative Morgenmusik des ‚endlosen Sommers’.“

Beim Abschlusskonzert am 4. Oktober werden dann von Saed Haddad das „Konzert für Ensemble und zwei solistische Celli“ und von Ernst Reijseger die Komposition „E. C. I. Tell Me Everything“ uraufgeführt. Beide Werke wurden von der Kronberg Academy in Auftrag gegeben und eigens für das Cello Festival komponiert.

Haddads Werk trägt den Titel „In Contradiction“ und weist damit auf die kulturelle Ambivalenz seines Lebensweges hin. Denn der 37-Jährige ist ein Wanderer zwischen den Welten: In Jordanien als christlicher Araber geboren, studierte er zunächst in Belgien Philosophie, bevor er 1993 den Entschluss fasste, sich der Komposition zu widmen. Sein Musikstudium absolvierte er in Jordanien, Jerusalem und London. Derzeit lebt Haddad in Deutschland. In beiden kulturellen Lebenswelten verspürt er gleichermaßen eine Gleichzeitigkeit von Geborgenheit und Fremdheit, der er in seinen Kompositionen durch eine Synthese der musikalischen Traditionen gerecht zu werden versucht.

Der holländische Cellist Ernst Reijseger ist einer der führenden Jazz-Cellisten Europas. Er hat wie kein anderer Europäer die Emanzipation des Cellos im Jazz über alle Genregrenzen hinweg vorangetrieben. Sein improvisatorisches Spiel ist gekennzeichnet von klassischer Strenge ebenso wie von romantischen Lyrismen und bezieht konkrete und imaginäre Folklore sowie lässige Rock-Rhythmen mit ein. Die Besucher dürfen also auf seine Komposition gespannt sein.

Deutsche Erstaufführungen

An Erstaufführungen stehen u. a. Hayden Chisholms Filmmusik-Suite für den Kurzfilm „Fata Morgana“ von Rebecca Horn am 2. Oktober und die moderne Fassung von Giovanni Plattis „Sonata Quinta für Violoncello und B. c. in B-Dur“ am 3. Oktober auf dem Programm. Der Jazz-Saxophonist, Klarinettist und Komponist Chisholm arbeitet seit 2002 mit der Aktionskünstlerin Rebecca Horn zusammen. Inzwischen hat er für mehrere ihrer Installationen die Musik komponiert.

Zu den vielleicht zu Unrecht vergessenen Künstlern gehört Giovanni Platti, der im frühen 18. Jahrhundert an den fürstbischöflichen Hof nach Würzburg kam. Für den Grafen von Schönborn, einen Amateur-Cellisten, komponierte er eine große Anzahl von Cellowerken, darunter Konzerte, Trios, Duos und Sonaten. Die B-Dur-Sonate ist in einem autographen Manuskript überliefert, das auf das Jahr 1725 datiert ist und in der modernen Fassung jetzt erstmals zu hören sein wird.

Neue Wege

Neue Wege geht die Kronberg Academy indem sie ihr Augenmerk nicht mehr nur auf eine Künstlerpersönlichkeit und deren Lebenswerk legt, sondern ein Licht auf die große Vielfalt cellistischer Ausdrucksformen wirft. Gleichzeitig beschreitet sie mit der „Blauen Reihe“ neu Pfade. An sechs Abenden – zu meist vorgerückter Stunde – werden die Freunde der Musik vieles hören, was sie sonst vom Cello so nicht kennen: Originelles, Gewagtes und Improvisationen. Den Auftakt dieser Reihe macht gleich am ersten Abend (28. September, 20 Uhr) der brasilianische Komponist, Cellist und Arrangeur Jaques Morelenbaum. Der Samba mit ihrem mitreißenden Rhythmus voller Sinnlichkeit, musikalischer Schönheit und harmonischer Raffinesse, dazu dem Bossa nova und dem Jazz hat er sich verschrieben. Gemeinsam mit seinem Cello Samba Trio, dem auch Lula Galvão (akustische Gitarre) und Rafael Barata (Schlagwerk) angehören, wird er die Besucher mitnehmen auf eine musikalische Südamerikareise. „Mein blaues Cello“, „Cello-Magie“, „Trio Reijseger/Sylla/Gueye“, „Fata Morgana“, „Pasodoble“ und „Virtual Counterpoints” lauten die Titel der anderen Konzerte in dieser Reihe, und vor allem hier wird die Vielfalt cellistischer Ausdrucksformen deutlich.

Das 9. Cello Festival unterstützen als Hauptsponsoren die Bank of AmericaMerrillLynch, die Ernst Max von Grunelius-Stiftung und die Sparkassen Finanzgruppe sowie Sal. Oppenheim als Partner. Die Workshops werden von Accenture gefördert. Medienpartner sind die Frankfurter Allgemeine Zeitung und erneut der Hessische Rundfunk mit hr2 kultur, der verschiedene Konzerte, u. a. das Eröffnungskonzert, mitschneidet.

Weitere Informationen gibt es unter www.kronbergacademy.de oder www.twitter.com/KA_Presse

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