(openPR) Berlin. Alarmsignale lenken die Diskussion zur Veränderung der Wohnungsneubaupolitik von Bund und Ländern jetzt in die richtige Richtung. Auf dem ‚Forum Wohnungsbau’, das kürzlich in Berlin stattfand, waren sich Experten aus Politik, Bau- und Immobilienwirtschaft einig, dass der quantitative und qualitative Wohnungsmangel kurzfristig Korrekturen und Weichenstellungen erfordert. Anhand einer Studie des Pestel-Institutes aus Hannover lassen sich bereits heute bis auf den einzelnen Kreis regionalisierte Bedarfsgrößen bis 2025 ablesen, die vor allem auf Seniorengerechtigkeit und Energieeffizienz zielen. Bundesweit ergibt sich so ein jährlicher Neubaubedarf von etwa 400 000 Wohnungen – die Hälfte davon aus der demografischen Entwicklung. Experten beziffern den Ersatzneubau mit 200 000 Wohneinheiten, da bei 20 Prozent der Gebäude aus den 50er bis 70er Jahren eine Sanierung absolut unwirtschaftlich sei. Dem gegenüber stehen ganze 16 000 Wohneinheiten, die 2008 abgerissen wurden. Dieses geringe Niveau hat zur Folge, dass die dringend notwendige Anpassung weiter verzögert wird. „Ziel muss eine regionalisierte Neubauförderung in Ballungszentren, Universitätsstädten und Abwanderungsgebieten sein, da ansonsten eine Verknappung von Wohnungen und damit eine Explosion der Mieten droht“, so Johannes Edmüller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Poroton. „Leidtragende werden Rentner, Einkommensschwache und die sozialen Sicherungssysteme sein. Allein in München wird für 2025 ein Bedarf von 290 000 neuen Wohnungen prognostiziert. Die derzeitige Quote mit 7000 Einheiten im Jahr würde in 16 Jahren für eine Bedarfslücke von 178 000 Wohnungen sorgen.“
Der Bund hat den Ländern 150 Millionen Euro für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt. Kommunale Stadtentwicklungskonzepte müssen jetzt geprüft werden, ob und wie sie den Neubaubedarf qualitativ und quantitativ auffangen. Parallel dazu sind private Investitionen in Neubau – 70 Prozent des Bestandes von 1 bis 5 Wohnungen sind in privater Hand – stärker zu fördern.
Die Veranstalter sprachen sich für eine bessere steuerliche Abschreibung, z.B. durch Erhöhung der degressiven AfA für Wohngebäude auf vier Prozent, eine Vereinfachung der Eigenheimrente und bessere steuerliche Anreize für selbst genutztes Eigentum sowie eine Aufstockung der KfW-Mittel für seniorengerechten Umbau aus. Insgesamt wurde eine Vereinfachung der Förderpolitik angesprochen, die stärker auf regionale Erfordernisse eingehen muss. „Wir brauchen vor diesem Hintergrund ein KfW-Programm für den Bestandsersatz zur kombinierten Förderung von Abriss und Neubau“, unterstreicht Edmüller. „Die Diskussion in Berlin hat gezeigt, dass Marktmechanismen wieder in Gang gesetzt werden können, die der Immobilie zu dem ihr gebührenden Rang als Anlageform verhelfen. Davon profitieren neben Bauherren und Mietern auch die gesamte Wirtschaft sowie die Umwelt. Wir müssen endlich die Rote Laterne im Neubau abgeben.“
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