(openPR) Berlin-Bangkok: Eine wirtschaftspolitische Stellungnahme des Thailand Forum aus Anlass der 2. Sitzung der Deutsch-Thailändischen Gemischten Wirtschaftskommission am 5. Mai 2009 in Berlin
Die innenpolitische Lage in Thailand scheint auch weiterhin Grund zur Sorge zu bieten. Gerade in der aktuellen Krisensituation der Weltwirtschaft stellen sich ausländische Bet-rachter nicht unbegründet die Frage, ob die „thailändische Farbenlehre“, jüngst um die Farbe „blau“ erweitert, die richtige Antwort auf eine Herausforderung ist, die alle wichtigen Handelsnationen heute erheblich belastet. Unzweifelhaft belastet die Lage und die etwas ungewisse Entwicklung die Entscheidungsprozesse vieler potenzieller Investoren. Andererseits hilft die aktuelle Krise in der innenpolitischen Auseinandersetzung, da „Zeit“ gewonnen wird. Und Zeit benötigt man in Thailand. Gleichgültig, wer die Regierung stellt. In der grundsätzlichen Entwicklungsrichtung des Landes sind sich Regierung und Opposition einig. Wesentliche Differenzen bestehen in der Art der Durchsetzung und in der Frage der Transparenz. Es geht auch um eine neue Geschäftsethik in Politik und Ge-sellschaft und um die Fortsetzung dessen, für was Thailand grundsätzlich steht: Ein Land in Asien, dass seinen Weg in die Zukunft in Freiheit und ohne allzu starke fremde Einmischung oder Bevormundung gestalten möchte.
Die thailändische Wirtschaft ist ungefährdet stabil, tendenziell wettbewerbsfähig, krisen-erprobt, erfolgreich, exportorientiert verfügt über einen stabilen Binnenmarkt und weist ein erhebliches Potenzial stiller Reserven auf, wenn allein der anhaltende, innenpolitisch bedingte Investitionsstau im Bereich des notwendigen Ausbaus der Verkehrswege (Bahn und Schiene, Wasser-, Luft und Autobahnverkehr) sowie der Energiesektor betrachtet wird, dessen Modernisierung bis hin zur Diskussion über die mögliche Einführung der Atomenergie zu den Aufgaben der Regierung gleich welcher Kräftekoalition gehört. - Eine tragfähige These angesichts der nachwirkenden Erfahrungen der Finanzkrise 1997, der Auswirkungen des Tsunami 2005, den möglichen Folgen der aktuellen innenpolitischen Krise auf die Wirtschaft und den erst im nächsten Jahr zu erwartenden Auswirkungen der aktuellen Weltfinanzkrise auf die erheblich vom Export und Deviseneinnahmen ab-hängige Wirtschaft ? Die Beantwortung dieser Frage hängt davon ab, ob man bereit ist, die Verhältnisse im historisch-politischen Kontext zu analysieren oder auf ARD-Niveau sinkt .
Die Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse und die Beantwortung der Frage erfordert eine Auseinandersetzung mit längeren Zeiträumen, den realen Verhältnissen und verbie-tet, das Internet unkritisch als Quelle aller Weisheiten zu beachten . Erkenntnis Nr. 1: Thailand hat angesichts der eigenen leidvollen Erfahrung mit Finanzspekulanten a la So-ros im Jahre 1997 seine „Schularbeiten“ gemacht und ist seither eher vorsichtig vorge-gangen. Keine thailändische Bank hat sich wesentlich an US-amerikanischen Luftblasen beteiligt, ja nicht mal können . Die Bankenlandschaft ist daher weitgehend ungefährdet, was allerdings nicht verhindert hat, dass auch der Börsenindex der Börse in Bangkok mit Einbrüchen von bis zu 60% leben musste. Bedrohlich für die nationale Versicherungswirt-schaft erwies sich zunächst der Konkurs der „American International Assurance (AIA)“ für deren nationale Tochtergesellschaft, Thailands größtem Versicherer. Aufgrund der ge-setzlichen Verpflichtung zur Rücklagenbildung bzw. Reinvestition von Gewinnen in ge-setzliche Rücklagen erwies sich die thailändische Tochter als überlebensfähig .
Die Fakten sprechen für den Standort. Thailand ist ein weltoffenes Land und Ausländern gegenüber weitaus aufgeschlossener als etwa Europäer oder Deutsche gegenüber Thai-ländern. So ist etwa die „Zuwanderungs- oder Arbeitsmarktpolitik“ Thailands nur restrik-tiv, nicht etwa grundsätzlich diskriminierend. Beide politischen Lager in Thailand fördern den freien Handel und haben in der Wirtschafts- und Finanzpolitik keine grundsätzlichen Differenzen. Thailand belebt mit seiner aktiven Politik den Welthandel sowohl durch den Abschluss von bilateralen Freihandelsabkommen als auch durch die Förderung eines glo-balen Ansatzes durch die Beendigung der Doha-Runde. Nicht unerwähnt bleiben darf al-lerdings, dass die bestehenden Freihandelsabkommen mit Rücksicht auf ihre negativen Bestandteile und Folgen für Thailand ebenso in der Kritik stehen wie der Prozess der regionalen Kooperation im Rahmen des ASEAN-Netzwerkes infolge der anhaltenden Zu-rückhaltung Thailands belastet erscheint. Dessen ungeachtet wirkt der Prozess der regio-nalen Kooperation in Asien im Rahmen des ASEAN-Zusammenschlusses und die Zusam-menarbeit innerhalb der APEC. Die EU nimmt die hier entstehende Wirtschaftsmacht im Pazifik ebenso wenig zur Kenntnis wie die deutsche Außenpolitik. Ein Fehler, der sich ne-gativ auswirken wird, da verloren gegangene oder aufgegebene Positionen schwer wie-derzugewinnen sind. Ein Blick auf die Entwicklung der letzten 11 Jahre seit der Asienkrise, den Wiederaufbau nach dem fürchterlichen Tsunami und das Investitionsgeschehen in Thailands „Tor zur Welt“ stimmt trotz der lähmenden politischen Streitigkeiten vor Ort positiv. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung der Privatwirtschaft für die Stabilität des Landes. Wiederholt konnte die Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft in Bangkok daher berichten: „Das wirtschaftliche Geschehen wird maßgeblich von einem sich dyna-misch entwickelten Privatsektor geprägt, lediglich in den Bereichen Energie, regenerative und alternative Energien , Telekommunikation, Wasserwirtschaft und Verkehrswesen spielen staatliche Unternehmen weiterhin eine wichtige Rolle. “ In der Tat: Thailands Erfolgsrezept in der Wirtschaft beruht auf hohen Exporterlösen, nachhaltigen ausländi-schen Direktinvestitionen und einer starken Privatwirtschaft, die sowohl die Land-, Forst- und Aquaproduktion umfasst als auch die Industrie und den bedeutenden Dienstleis-tungssektor. Es ist so erfolgswirksam, dass Thailand seinen nach der Asienkrise vom IWF gewährten Beistandskredit von 17 Mrd. USD 2003 immerhin 2 Jahre vorfällig zurückzah-len konnte.
Soweit sich die Analyse einer Volkswirtschaft mit den Kerndaten ihrer Struktur und realen Verhältnissen beschäftigt, wird sich die hier vertretene These halten, denn eine ober-flächliche Wachstumsdiskussion besagt über den wirklichen Zustand einer Landeswirt-schaft ebenso wenig wie die bloße Feststellung von negativen Umsatz- und Absatzeinbrü-chen. Es kommt auf die Qualität des Wachstums und die Nachhaltigkeit der wirtschaftli-chen Entwicklung an. Anders als etwa China, dessen Wirtschaftswachstum maßgeblich auf hohen Exporterlösen, Billiglöhnen und Direktinvestitionen in Devisen abhängt, beruht das thailändische Wachstum auf einerseits gesicherten Absatzwegen, andererseits Pro-dukten, Waren und Leistungen, für die in den letzten Jahren erfolgreich Alleinstellungs-märkte durchgesetzt werden konnten. Die Eckdaten sind insgesamt positiv und dürfen trotz aller Unkenrufe diverser Experten nicht zu einer Fehleinschätzung führen. Selbst ein kurzfristiger Rückgang von Besucherzahlen infolge der aktuellen Krise und ein damit in Verbindung gebrachter volkswirtschaftlicher Gesamtverlust von bis zu 4 Mrd. US-Dollar steht dem nicht entgegen, denn unter dem Strich nehmen die Besucherzahlen ständig zu. In der Tat ist der Tourismus mit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Devisenbringer. In den Jahren vor dem Tsunami bis Mitte 2008 stiegen die Besucherzahlen trotz der zwi-schenzeitlich herrschenden Militär-Zivilregierung von unter 13 auf derzeit rund 16,25 Mio, was nach 7,8 Mio. Besuchern pro Jahr in 1998 mehr als eine Verdoppelung beinhaltet . Die veröffentlichten Einnahmen aus dem Tourismus betragen über 12 Mrd. USD, was einem Anteil am GDP von 6% entspricht. Tendenz: Steigend. Etwa 100.000 Passagiere werden bei derzeitigem Vollbetrieb vom bereits fast ausgelasteten und überteuerten „Su-varnabhumi-Flughafen“ pro Tag abgefertigt und Waren im Volumen von annähernd 85 Mio. USD/Tag verschickt . Ein kurzfristiger Rückgang infolge der Blockade des Flugha-fens bzw. der anhaltenden Weltwirtschaftskrise mag eine Unterbrechung, einen Rück-gang und in der Tat „Verluste“ bescheren. An der grundlegenden Tendenz des Wachs-tums der Tourismusindustrie, jährlich mit neuen Wachstumszahlen aufwarten zu können ändert sich wenig . Welche Alternativen bieten sich den Urlaubern der Asien-Pazifik-Region ? Die moslemischen Wettbewerbsdestinationen ? Wohl eher nicht. China ? Der Charm der Neubausiedlung auf Hainan trotz tropischer Restumgebung ? Ebenso wenig.
Die Probleme im Tourismus liegen strategisch vielmehr an anderer Stelle. Es zeichnet sich ein Überangebot an 5-Sterne-Kapazitäten ab, das die Tourismuswirtschaft zwingt, Alternativen auf Drittmärkten zu suchen. Auslandsinvestitionen in Drittländern sind daher Gebot der Stunde und bewegen nicht nur die großen Unternehmen der Tourismusbranche, die mit ihren Leistungen weltweit zu den Spitzenanbietern und Trendsettern gehören. Investitionen werden vor allem im arabischen und südostasiatischen Raum geplant und umgesetzt. Und das, obwohl das Management dieser Unternehmen meist nicht ansatz-weise internationalem Standard genügt, denn das Marketing ist eher einfach, wenig pro-fessionell und kaum „market driven“. Ein Manko, das sich durchaus noch einmal zu einem Problem ausweiten könnte, sollte die personelle Besetzung der nicht eben unbekannten Hotelketten weiterhin so schwach bleiben wie derzeit.
In den letzten Jahren war das dem Industrieministerium seit 2005 unterstehende Board of Investment (BOI) sehr erfolgreich bei der Akquisition von Auslandsdirektinvestitionen. Bayer, BASF, Daimler AG und Siemens sind hier neben vielen Mittelständlern die Unter-nehmen, deren Direktinvestitionen dem bilateralen Handel einen nachhaltigen Schub verpasst haben. Diese Direktinvestitionen bedingen einen unmittelbaren Effekt auf den Arbeitsmarkt in Deutschland, denn die Nachfrage nach Produkten aus Deutschland wächst und führt erfreulicherweise zu erhöhten Exporten nach Thailand. Zu den großen Hindernissen der weiteren wirtschaftlichen Dynamisierung des Waren- und Dienstleis-tungsverkehrs gehört ua. die europäische Standardisierung und die Agrarpolitik Brüssels, die es vornehmlich asiatischen Anbietern fast unmöglich macht, das Exportvolumen von Agrarprodukten zu erhöhen. Kein Wunder also, dass Thailand seine Agrarprodukte dort einsetzt, wo der Rückfluß von Rohstoffen, industriellen Anlagen-, Ausrüstungen und so-gar Militärgütern sehr viel effektiver möglich ist.
Der extrem hohe Exporthandelsüberschuss 2007 von über 12 Mrd. USD zu Zeiten der Militär-Zivilregierung erklärt sich aus der neuen Offenheit Thailands gegenüber Ländern, gegenüber denen in der Vergangenheit aus taktischen Gründen eher Zurückhaltung an-gesagt war. Russland, die Ukraine, Osteuropa, China, Afrika, Iberoamerika sind die neu-en Destinationen Thailands, die allesamt einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegen-über US-amerikanischen, japanischen oder europäischen Anbietern bieten: Geringe Einstandsinvestitionen, hohe Erfolge und „preiswerte Spitzentechnologien“ und Ausrüs-tungsgüter. Bereits heute zählen die russische und ukrainische Militär- und Rohstoffin-dustrie zu den Anbietern, deren Lieferungen weitaus preiswerter eingekauft werden kön-nen als bei europäischen Anbietern. Bangkoks Energieversorgung ist ohne die Belieferung aus dem Nachbarland Myanmar nicht gesichert. Afrikanische Edelsteinminen in thailändi-scher Hand und mit thailändischem Förderequipment versehen gewährleisten den Zugriff auf den Rohstoffsektor, dessen Bedeutung im Westen ebenso unterschätzt wird wie das Bestreben aller Schwellenländer, die Zurückhaltung des Westens gegenüber Afrika im Eigeninteresse zu nutzen. Der Edelsteinweltmarkt wird bis 2010 aus den Gründen der „Flucht in die Sachwerte“ auf ein Handelsvolumen von 240 Mrd. USD von derzeit 120 Mrd. anschwellen. Thailand wird sich einen Anteil von 5,6% hieran durch weitere Investitionen in Tansania, Kongo, Namibia und Südafrika sichern. Das Land gehört damit zu den festen Größen des Sektors insgesamt und behauptet sich schon aus Gründen der Qualität der Produkte und der gesicherten Ressourcen gegenüber dem Hauptwettbewerber Nr. 1, Chi-na.
Obwohl die Automobilindustrie der USA eher museale Züge aufweist und demnächst wohl allein aus Gründen der nationalen Sicherung am Leben gehalten wird, bezieht sich die thailändische Regierung in Anlehnung an das Große Vorbild USA noch immer auf die Tra-dition längst überholter Leitbilder. „Bangkok“, das „Detroit Asiens“, soll den Eindruck un-tersetzen, dass sich das Land, derzeit Nr. 11 der Produzenten der Welt, dem Wettbewerb auch zukünftig stellen wird und sein Serviceangebot ausbauen will. Mit einem Plus von 20% bei der Produktion und im Verkauf in der ersten Jahreshälfte 2008 unterstrich das Land seine Leistungsfähigkeit. Dabei bemüht sich die Regierung, Hybridfahrzeuge und solche mit umweltfreundlichen Antrieben zu fördern und einzuführen sowie Äthanol als alternativen Treibstoff zu standardisieren . Thailands Außenwirtschaftspolitik setzt daher nicht nur auf eine weitere Förderung der Industrieansiedlung großer Automobilkonzerne wie jüngst Toyota, das seine Pläne zur Fertigung von Hybridfahrzeugen in Thailand kürz-lich infolge der Krise wieder aussetzte, sondern auch auf einen strategischen Ausbau der Serviceindustrie. Zulieferer, Werkstätten, Händlernetze und sonstige Anbieter aus Thai-land schicken sich seit 2005 an, die Nachbarländer mit einem Netz von Niederlassungen zu überziehen. Immerhin: Der Ansatz ist erfolgreich und nicht wenige Autobauer schät-zen den Standort wegen seiner qualifizierten Mitarbeiter, der im Verhältnis zu China spürbaren Loyalität zum Arbeitgeber und des Respekts vor gewerblichen Schutzrechten im Industriesektor, der nicht zu unterschätzen ist. Hinzu kommt die relative Preisstabili-tät und Preissicherheit für Investoren im Lande , die nicht nur Investitionen, sondern auch den Dauerbetrieb von Industrie- und Serviceunternehmen planbar macht. Die Infla-tionsrate sank von 4,7% im Jahre 2006 in 2007 auf 2,6%. Eine erhebliche Steigerung auf über 9% wurde mit Rücksicht auf 2008 zunächst erheblich gestiegene Rohöl- und Logis-tikkosten, in der Zukunft mit Rücksicht auf die Weltfinanzkrise vorausgesagt. Ob es hier-bei bleibt, ist abzuwarten. Angesichts der weltweiten Diskussion um die Vermeidung ei-ner Deflation durch die Erhöhung der Geldmenge, dh. im Ergebnis die Förderung der In-flation, ist die weitere Entwicklung schwer abzuschätzen . Offensichtlich gilt die Hinnah-me einer „geplanten Inflation“ zu den Maßnahmen, die ernsthaft zur Abwendung der Fi-nanzkrise diskutiert werden . Thailand kennt bisher im Gegensatz zu China oder Viet-nam keine spürbaren Energieengpässe, willkürliche Schikane, Preisaufschläge oder Be-hördenvertreter, die einem erfolgreichen Auslandsinvestor das Leben mit Absicht er-schweren. Allerdings gibt es bezogen auf Thailand auch negative Beispiele, die jedoch im Ergebnis vorübergehender Natur waren oder aber auf einem fehlerhaften Management-ansatz beruhten.
Unter dem Slogan „Thailand, kitchen of the world“ hat sich Thailand zu einem der welt-weit führenden Anbieter von „Food & Beverages“ entwickelt. Nur wenigen Konsumenten ist dies allerdings bewusst. 100% der Befragten werden „Redbull“ als Produkt aus Öster-reich benennen. Dabei läuft von dort nur der Weltvertrieb. Der „Bulle“ stammt aus Thai-land. Thailands „Jasmin Reis“, ohnehin die Nr. 1 des gehandelten Reis in Sachen Quali-tät und Güte wurde dank professioneller Aufbereitung und Vermarktung in den USA zum „Thai homely made rice“, was einen Qualitäts- und Preissprung erlaubte. Thailand ist ein erfolgreicher Strippenzieher in diesem Segment hinter den Kulissen und steuert durch eine aktive Interventionspolitik den Reismarkt national und international. Als sich die seit 2004 bereits angekündigte und kalkulierte Explosion der Nahrungsmittelpreise weltweit offenbarte, sicherte die Regierung die nationale Versorgung sofort die Verfügung von „Exportbeschränkungen“. Folge dieser „Sicherungsmaßnahme“ ? Die Preise auf dem Weltmarkt stiegen noch schneller. Wußten Sie schon, dass es jedes gehandelte Reiskorn in Thailand „gezählt“ und zugleich qualitativ überprüft wird ? Dann wissen Sie es jetzt . Neben Reis exportiert Thailand erfolgreich u.a. Gemüse, Seafood, Hühner, Schweine, Kautschuk und Tapioka . Agrarexporte nach den USA, Kanada, Afrika, China, Indien, Südamerika, Japan, Australien und Neuseeland sichern dem Land eine nachhaltige Ein-nahmequelle, die nur dann gefährdet ist, wenn es wie in der Vergangenheit zu den Her-ausforderungen wie SARS, Hühner- oder Schweinepest kommt. Japan ist neben China einer der wichtigsten Absatzmarkt für Agrarprodukte . Dies wird auch weiter der Fall sein. Trotzdem erweist sich der Zugang nach Japan für thailändische Agrarexporteure immer wieder als besonders schwierig. Warenursprungsprobleme , Kontroll- und um-ständliche Prüfverfahren erschweren den Marktzugang.
Die thailändische Serviceindustrie ist vielschichtig und trägt zunehmend auch internatio-nal zu erheblichen Einnahmen des Landes bei. Bauarbeiter, Plantagenarbeiter, Dienst-mädchen aber auch die Mitarbeiter in Hoteleinrichtungen oder „Wellness & Spa-Einrichtungen“ weltweit sind wertbildende Faktoren für einen nachhaltigen Wirtschafts-erfolg im Dienstleistungsbereich in einem hart umkämpften Markt. Thailand ist hier Trendsetter und Marketinggröße zugleich, denn mit der weltweiten Einführung des Bran-chenkonzepts „Wellness & Spa“ gelang es, die Tradition mit dem Nützlichen zu verqui-cken zugleich dem etwas problematischen Servicesektor eine qualitativ hochwertige Per-spektive zu weisen. Der Erfolg ist auch in Deutschland sichtbar. Thailand ist Anregung und Motivgeber für Design und Entwurf zu gleich. Sinnliche Erfahrung, Gefühl für Farbe, Natur und Stimmungen und individuelles Feingefühl sind die Faktoren, die Thailand zum attraktiven Standort für Home Accessoires, Mode und Raumgestaltung werden ließen. Eine Tatsache, die den Konsumenten im Ausland noch immer nicht bewusst genug ist. Im Segment „Lifestyle-Produkte“ hat sich Thailand kontinuierlich entwickelt und verzeichnet seit Jahren ein mit über 8% stetes Wachstum. Das Exportvolumen stieg von 50 Mrd. Bt. Im Jahr 2007 auf nunmehr 53,5 Mrd. Bt. in 2008.
Wirtschaftliche Eckdaten und Wachstumsfaktoren
Thailand ist die zweitgrößte Volkswirtschaft Südostasiens und fünftgrößte Wirtschafts-macht Asiens. Das wirtschaftliche Wachstum wird auch angesichts der anstehenden Welt-finanzkrise, die negative Auswirkungen auf den Warenbezug aus Thailand haben wird, noch immer positiv gesehen. So wird für 2009 ein Wachstum auf über 1% bzw. unter 2% vorausgesagt , obwohl die grundlegenden Entscheidungen zum Ausbau der Infrastruktur noch nicht gefallen sind und damit die Leistung der Binnenwirtschaft nicht vollends kalku-liert werden kann. Damit liegt Thailand trotz allem noch weit vor vielen Wettbewerbern, wenn auch das tatsächliche Wachstumspotenzial des Landes infolge der innenpolitischen Konflikte nicht ansatzweise freigesetzt ist. Seit 1997 liegt Thailands Wachstum im Mittel bei stabilen 5%. Trotz Regierungskrise wurde 2007 noch ein Wachstum von 4,8% erzielt. Die infolge der Neuwahlen für 2008 erwarteten mehr als 6,5% Wachstum der Weltbank werden angesichts der Lage nicht erreicht werden können. Vor der Finanz- und damit Nachfragekrise verhagelten auch gestiegene Erdöl- und Rohstoffpreise die Handelsbilanz und wirkten sich negativ auf das Wachstum aus. Hinzu kommt die Belastung der Wirt-schaft durch einen rückständigen Logistiksektor, dessen hohe Kosten sich äußerst nega-tiv auf den Handel auswirken.
Werden die lange ausstehenden Investitionen in den Ausbau des Schienennah- und Fern-verkehrs, des Autobahnbaus bis nach Myanmar, Kambodscha, Vietnam, Malaysia und China getätigt, schließen sich die Investitionen im Energiesektor und im Bereich Hafen-ausbau an, dann wird das nationale Wirtschaftswachstum dynamisiert und damit das nachhaltig mögliche Wachstum qualitativ weiter untersetzt. Eine Ausgangslage, die ange-sichts der qualifizierten Labourforce und der guten Lebens- und Arbeitsbedingungen zu den positiven Standortfaktoren gehört, die Thailand vor allem unter dem Einfluß der von Thailand abgeschlossenen Freihandelsabkommen gegenüber China und Indien in einer besseren Position erscheinen lässt. Und dennoch: 2008 wird, anders als 2007, mit einem negativen Exportergebnis enden. Ob das Minus von 2 Mrd. im Juli 2008 noch zum Jah-resende egalisiert werden konnte, ist offen.
Thailands GDP (BIP)
Die positive Grundtendenz wird besonders durch das BIP/pro Kopf dokumentiert. Auch hier zeichnet sich das Land als wirtschaftlich bedeutend aus. Betrug das BIP/pro Kopf 2006, im Jahr vor dem Coup des Militärs noch 2.805 USD, liegt der Satz 2007 bereits bei (bis zu) 3.720 USD . Für 2008 wird mit einem Wachstum des GDP von 8% verglichen mit 7,7% im Vorjahr gerechnet . Das Sozialprodukt entstand 2007 zu 43,8% (2006 53%) im Dienstleistungsbereich, zu 45,29% in der Industrie (2006 36,97%), und zu 10,85% in der Landwirtschaft (2006 10%).
Zwar sind die Unterschiede zwischen dem Großraum Bangkok, der „internationalen Stan-dard“ hat, den verschiedenen Sonderwirtschaftszonen und dem eher einkommensschwa-chen Agrarregionen im Norden und Nord-Osten noch immer erheblich und wiederholt Grund für die aktuellen politischen Zerwürfnisse im Land. Jedoch sinkt der Anteil der Ar-men („Einkommen unter 1 USD pro Tag) aufgrund der Fördermaßnahmen der Regierung ständig. So lag er 2002 noch bei 15,6%, im Jahre 2006 bereits nur noch bei 9,55%. Die durchaus ehrgeizige Zielsetzung Thailands will auf einen Satz unter 5% im Jahre 2011 kommen. Ein Ziel, das durchaus realistisch erscheint. Anders als zu Zeiten des auf Staatsverschuldung setzenden Ex-Premiers Thaksin setzen sowohl die amtierende als auch „konkurrierende“ „Regierung“ auf Nachhaltigkeit auf der Basis der Wirtschaftssekto-ren, deren Entwicklung beim Einsatz der notwendigen Mittel den größtmöglichen Erfolg versprechen.
Stadt- und Landwiderspruch: Verschuldung privater Haushalte
Nach wie vor arbeiten 42% der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Kein Wunder also, dass die Versuchung der abgelösten Regierung nahe lag, diese Bevölkerungsschicht in „besonderer Weise“ politisch durch „Wahlgeschenke“ nutzbar zu machen. Die Folgen die-ser Politik, im Westen als Ausdruck besonderer Bürgernähe Thaksins gefeiert, sind das eigentliche Problem Thailands, denn die Verschuldensrate der privaten Haushalte liegt nach offiziellen Zahlen deutlich über 60%. Preiswerte Kredite sorgten in der Thaksin-Zeit für einen Anstieg des Konsums und damit für eine scheinbare Belebung der Wirtschaft. Die Lasten dieser populistischen Maßnahmen sind hoch und belasten gerade in der Krise. Das von der Regierung aufgelegte Krisenprogramm muß sicherstellen, dass hier keine „Zeitbombe“ explodiert, sondern die Mittel generiert werden, die zum Ausgleich der Ver-bindlichkeiten dringend benötigt werden.
Exporte und Importe
Der „reale Export“ von 151,15 Mrd. USD im Jahre 2007 stieg um 7,1% (Vorjahr 8,5%, 2005: 4,3%), der Import um 3,5% (Vorjahr 1,6% , 2005: 9,3%). Wichtigste Export-partnerländer sind die USA (2007 ca. 12,6%), Japan (12%) , China (9,7%), Singapur (6,2%) und Hongkong (5,7%). 46,2% des Gesamtexportvolumens geht in die CLMV Län-der: Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam .
Bis zum Sommer 2008 zeichnete sich eine weitere dynamische Erhöhung der Exporte auf geschätzte 171,3 Mrd. USD für 2008 ab, was einem Zuwachs von 12,5% entspricht . Die dramatische Entwicklung seit dem September lässt ein abschließendes Urteil noch nicht zu. Die internen Schätzungen vor dem Ausbruch der Finanzkrise errechneten ein Wachs-tum bis zu 20% in 2008, da bereits im Zeitraum Januar bis Juli 2008 mit einem Volumen von 104 Mrd. USD ein Wachstum von immerhin 26,1% erreicht wurde .
2007 betrugen die Importe 139 Mrd. USD (2006 126 Mrd. USD) und betrafen vornehm-lich Erdöl und Rohstoffe sowie Halbfertigwaren. Japan führt hier die Rangliste (20,5%, 2006 20,4%) vor China (11,6%, 2006 10,6%), der EU (8,5%, 2006 8,7%), den USA (6,8%, 2006 6,7%), Malaysia (6,1%, 2006 6,6%) und den VEA (4,9%, 2006 4,8%) an. Im Laufe des Jahres 2008 stieg auch das Importvolumen weiter an: 28% im Verhältnis zum Vorjahr, was unter dem Strich im Verhältnis zum Vorjahr vor dem Beginn der Fi-nanzkrise ein negatives Handelsergebnis indizierte. Ob es hierbei blieb ist derzeit nicht noch feststellbar. Immerhin: Erhöhte Importe von Anlagegütern aus dem Ausland indizie-ren Investitionen in die Industrien der Zukunft. Damit verbleibt es grundsätzlich bei der positiven Tendenz eines nachhaltigen Wachstums von Thailand und einer Überschusspoli-tik. Übrigens: Computer-Festplatten sind der Exportartikel Nr. 1, der für alljährliches Wachstum sorgt.
2008 und sehr wahrscheinlich auch 2009 profitiert Thailand vom geänderten Importver-halten in den westlichen Industrieländern. In nicht wenigen Segmenten der Wirtschaft ändern Importeure ihre Einkaufsstrategie und kaufen nunmehr eher in Thailand, denn in China ein. Die Risiken der mangelhaften Qualitätssicherung in China oder erhöhter Pro-duktstandards in den Käuferländern fallen z.B. bei Spielzeug oder Lederprodukten zu-gunsten von Thailand aus.
Haushalts- und Fiskalpolitik
Der thailändische Staatshaushalt bleibt wie in den letzten Jahren überwiegend negativ. So betrug das Haushaltsdefizit 2007 1,2% des GDP. Die Ausgaben liegen über den Ein-nahmen . Die für die weitere Entwicklung des Landes wichtigen Infrastrukturinvestitio-nen werden dadurch belastet bzw. verlangsamt. Es bleibt bei dem Bedürfnis, Fördermittel im Ausland zu akquirieren, was angesichts des Schwellenlandstatus und der Weltfinanz-krise schwer fallen wird. Das geplante Defizit beinhaltet jedoch ein Paket unterschiedli-cher Maßnahmen, die unter dem Strich die Potenz der Wirtschaft nicht infrage stellen. So werden aus dem Defizit nicht nur die Infrastrukturmaßnahmen finanziert, sondern auch Steuersenkungen und diverse Sozialhilfeprogramme. Die an sich vorgesehene Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7% auf 10% wurde durch die Regierung Samak verschoben und die Herabsenkung des Körperschaftsteuersatzes von 30% auf 25% beibehalten. Weitere Steuerausfälle werden durch die Förderung von Biosprit ausdrücklich in Kauf genommen.
Staatsverschuldung, Währungsreserven und Devisenverkehr
Die Staatsverschuldung Thailands sank 2006 auf 36,9% des GDP im Vergleich von noch 39,12% im Jahre 2005. Der Anteil der Auslandsverschuldung lag hierbei bei rd. 18%. Turbulent erwies sich das Jahr 2008 für die thailändische Währung. Nach der Asienkrise konnte sich der Baht gegenüber dem Dollar auf einen Wert zwischen 40 und 45 stabilisie-ren. 2007 stand die Währung aufgrund der gestiegenen Exporterlöse unter erheblichem Aufwertungsdruck und erreichte trotz der in diesem Jahr eingeführten Kapitalverkehrs-kontrollen ein Verhältnis von bis zu 34,56 Bt./USD was einer Wert-steigerung von 8,7% zum Vorjahr entsprach und thailändische Produkte verteuerte. Zum Ausgleich und Ge-gensteuern senkte die Zentralbank 2007 den Leitzins insgesamt 4 mal auf bis zu 3,25% um dann im Verlauf des Jahres 2008 wieder auf 3,5% zu korrigieren. Das „Preisge-fühl“ bleibt indes eher negativ.
Die Devisenreserven Thailands beliefen sich September 2008 auf 101 Mrd. USD . Die Geldreserven in Bt. lagen im gleichen Zeitraum bei 885 Md. Bt.
Wirtschaftspolitik und Entwicklungsstrategie
Thailand gehört zu den Stichwortgebern zur Einführung des chinesischen Renminbi (RMB) als dritte Welthandels- und Leitwährung für den innerasiatischen Handel. Thailand ist darüber hinaus immer Vorreiter von internationalen Vereinbarungen, die der eigenen strategischen Absatzsicherung dienen. In Anlehnung an das OPEC-Kartell der erdölprodu-zierenden Länder bemüht sich Thailand um die Gründung eines Food-Kartells, um die Preisgestaltung bei Reis , Kautschuk und neuerdings auch Tapioka international im Ei-geninteresse zu steuern. Mittelbares Ziel ist dabei die Zerstörung der Subventionsmärkte in Europa und in den USA . Nach dem sich Thailand zur Sicherung vor internationalen Spekulanten im Zuge der Asienkrise in Abstimmung mit dem Internationalen Währungs-fonds gezwungen sah, den Kapital- und Devisenverkehr einer starken Kontrolle zu unter-ziehen, stabilisierte sich der Finanzmarkt schrittweise und führte 2006 zur Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen. Die Furcht vor einer erneuten Herausforderung sitzt tief. Die Wunden sind noch nicht ganz verheilt. Nur wenige Investruinen zeugen allerdings noch heute von der Dramatik, die lange Zeit auch für Besucher der Landeshauptstadt deutlich sichtbar waren.
Thailand fördert die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu den Regionen, die bei mi-nimalem bzw. angemessenem Investment den größten Ertrag gewährleisten. Direktin-vestitionen sollen vorzugsweise in den Ländern erfolgen, in denen schnell hohe und dar-auffolgend nachhaltige Wachstumszahlen erreicht werden können. Da der Kapitaleinsatz in Japan, USA und Europa hoch ist und die Erlöse und Wachstumsraten vergleichbar ge-ring, konzentriert sich die strategische Planung relativ unbemerkt von der westlichen Öf-fentlichkeit auf Afrika, Lateinamerika/Karibik, Madagaskar, Mittel-Ost, China, Russland und Osteuropa.
Schon lange genügt die nationale Infrastruktur den Bedürfnissen einer modernen, ex-portorientierten Wirtschaft nicht mehr. Im besonderen Fokus der Politik steht daher der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Land, der Ausbau des Schienennetzes und der E-nergieressourcen. Über 13,2 Mrd. Euro werden nach den Plänen der Regierung ab 2008 in den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in Bangkok investiert. Das Schie-nennetz wird in den nächsten Jahren von landesweit 3.700 auf über 7.400 km Strecken-netz verdoppelt. Thailand erschließt den Eisenbahn- und Autobahnverkehr nach Myanmar, wo mit China verbundene neue Tiefseehäfen entstehen und den Waren- und Servicever-kehr im Dreieck „China-Thailand-Myanmar/Bangla Desh“ dynamisieren. Einer der Gründe, weshalb die an diesem Geschehen weniger beteiligten Amerikaner und Briten die „Myan-mar-Frage“ bzw. „Menschenrechtsfrage“ immer wieder untersetzen. Auch hier geht es wohl eher um Öl als um das Schicksal der Menschen. Nachdem die Option „Atomener-gie“ tatsächlich erwogen wurde , scheint derzeit eine Umkehr in Richtung „Förderung der erneuerbaren Energien“ und „Kohlekraftwerke“ bevorzugt zu werden. Von allen Par-teien übrigens weitgehend unisono.
Thailand wird den Logistiksektor modernisieren, da die hier zu verzeichnenden Kosten die Produkte bis zu 30% belasten, und zukünftig sowohl den Containerverkehr via Myanmar als auch den Bahnverkehr via Vietnam und China nutzen. Die Deutsche Bahn und die Schenker AG arbeiten schon an den Startlöchern für die Eröffnung des Landverkehrs von Südostasien nach Europa.
Die bestehenden Freihandels- und Partnerschaftsabkommen werden in der Praxis über-prüft und nicht als unabänderlich betrachtet. Gerade weil sich Thailand von den Abkom-men sowohl die Sicherung des eigenen Exportabsatzes als auch die Steigerung der Wett-bewerbsfähigkeit auf der Grundlage eines nachhaltigen Technologietransfers erhofft, wird eine stabilisierte Regierung die Abkommen auf ihren positiven Einfluss auf die Wirtschaft hin untersuchen. Japan, aus thailändischer Sicht der „leading innovator“ in der Welt und bisher eher zurückhaltend beim Technologietransfer wird sich bereits mittelfristig umstel-len müssen, um die derzeit erreichte „freie Fahrt für Industrieprodukte und Automobi-le“ verteidigen zu können. Die Befürchtungen der deutschen Industrie, durch die Frei-handelsabkommen benachteiligt zu werden, sind einerseits wenig beachtlich, anderer-seits kaum überzeugend vorgetragen, denn Thailand muß immer wieder feststellen, dass an einem konstruktiven Dialog zur Vermeidung von Missverständnissen vor allem seitens der deutschen Chemieindustrie kein wirkliches Interesse besteht .
Thailand im internationalen Standortwettbewerb
Die kaum kontrollierbaren Kostenspiralen in Indien, Japan, Singapur, Hong Kong und vor allem China lenken die Aufmerksamkeit internationaler Investoren wieder stärker auf die gefestigten Standorte in der Region Südostasien. Die Löhne sind wie das BIP gegenüber Vietnam, dessen Lohnniveau 2007/2008 etwa bei 50% von dem von China liegt, zwar im Vergleich etwas höher. Aber auch hier kommt es auf das Produkt an, um das es geht.
Der Mitgliedsbereich der ASEAN-Mitglieder mit seinen über 500 Mio. Konsumenten er-weist sich im Wettbewerb als stabiler, planbarer und was noch wichtiger wiegt: Weitge-hend transparenter. Dies betrifft nicht allein die klassischen „Wanderzirkusindust-rien“ „Textilwirtschaft“ oder „Elektroindustrie“, die ihre Geschäfte aus dem Container heraus heute hier und morgen da eröffnen. Hauptsache „billig“ und „schlicht“. Wenn es dann mal mit der Qualität wieder Probleme gibt, sind es die Produzenten, nicht etwa „die Besteller“, die aus Gründen des schnellen Euro dann mal auf jede Qualitätskontrolle vor Ort verzichten. Thailand muß sich in Sachen Qualität keine Vorbehalte entgegenhalten lassen. Thailand ist nicht China.
Thailands Wirtschaft zeichnet sich durch Leistungsbereitschaft und hohe Kompetenz aus. Allerdings leidet die mittelständisch-handwerklich geprägte Wirtschaft unter einem Makel: Da andere Länder wie China und Vietnam in erster Linie für „billige Massenprodukti-on“ stehen, konnten in den letzten Jahren nicht die Produktionskapazitäten aufgebaut werden, die erforderlich sind, um heute beispielsweise chinesische Hersteller zu ersetzen.
Thailands Auslandsinvestment – Strategische Auslandsinvestitionen
Thailand steht an der Schwelle nachhaltiger Auslandsinvestitionen durch den privaten Sektor. Stand Mitte 2008 können bereits 800 thailändische Unternehmen der Privatwirt-schaft auf Tochterfirmen, Niederlassungen, Handelsvertretungen oder Kapitalinvestitio-nen größeren Umfangs verweisen. China, Vietnam, Indien, die USA, Groß Britannien, Singapur, Japan, die Philippinen, Laos und Indonesien sind der Reihenfolge nach Top-Destinationen für Auslandsinvestitionen.
Deutschland und Thailand
Deutschland ist für Thailand wichtigster und bevorzugter Handelspartner. Beide Länder haben bilaterale Abkommen unterzeichnet, die bis heute wirksam sind:
? Doppelbesteuerungsabkommen: 10.07.1967
? Investitionsschutzabkommen: 20.10.2004
? Seeverkehrsabkommen: 30.10.2003
Das bilaterale Außenhandelsvolumen hat sich für beide Seiten sehr erfreulich entwickelt. Nicht zuletzt dank hoher deutscher Direktinvestitionen. Maßgeblichen Anteil an der Stei-gerung des Warenverkehrs hat die Automobilindustrie, die den Standort durch erhebliche Direktinvestitionen weiter erschließt. So lag das bilaterale Außenhandelsvolumen zwi-schen Deutschland und Thailand 2006 bei 4,92 Mrd. Euro, was im Verhältnis zu 2005 einer Steigerung um 9,8% entsprach . 2007 wurde ein Volumen von 5,62 Mrd. Euro er-zielt, was einer Steigerung von 14,2% entspricht und damit erstmals die Marke 5 Mrd. überschritten.
Deutsche Exporte nach Thailand beliefen sich „im Krisenjahr“ 2007 auf 2,43 Mrd. Euro und damit 8,7% mehr als in 2006. Interessant ist das bemerkenswerte Wachstum im Segment „Nahrungsgüter“. In den Jahren 2005 bis 2007 verdreifachte sich der Import deutscher Nahrungsgüter und Spirituosen nach Thailand auf ein Teilvolumen von immer-hin 140 Mio. EURO .
Die Importe aus Thailand nach Deutschland beliefen sich auf 3,2 Mrd. Euro, was einer Steigerung im Verhältnis zu 2006 um 18,8% entsprach.
Deutschland wird für Thailänder zunehmend als touristische Destination interessant. 2007 reisten an die 70.000 thailändische Touristen nach Deutschland . Thailand ist nach Japan und China damit größter Tourismuspartner in Asien.
Human Development Index
Thailand ist schon seit einiger Zeit nicht mehr „Entwicklungsland“. Es hat sich vom Emp-fänger internationaler Hilfe zum Geberland entwickelt und erreicht im „Human Develop-ment Index (HDI) der Vereinten Nationen 2007 Rang 78 von 177 Ländern. Bezogen auf Südostasien erreichen nur Singapur (25), Brunei (30) und Malaysia (63) einen höheren Rang .
Index of Economic Freedom
Die von der „Heritage Foundation“ alljährlich durchgeführte Studie über die wirtschaftli-che Freiheit in den wichtigsten Ländern der Erde führt Thailand in den letzten Jahren bis „steigender Tendenz“. Zwar lag Thailand 2006/7 noch auf Rang 50 von 157 Ländern der Studie, die alljährlich im Wechsel entweder von Hongkong oder aber Singapur angeführt wird, und sank 2008 auf Rang 54 zurück. Jedoch handelt es sich um eine vorübergehen-de Rückstufung . In der Region und dem Markt von über 500 Mio. Konsumenten erweist sich gerade Thailand immer wieder als erste Adresse und vor allem eines: Eine sichere Adresse für ausländische Investoren.
World Bank Index 2008/2009
Trotz der anhaltenden innenpolitischen Probleme, die Thailand nunmehr bereits seit eini-gen Jahren belasten, verändert sich das Ranking im internationalen Vergleich nach der alljährlichen World Bank Survey tendenziell positiv . Für den Zeitraum 2008 bis 2009 stieg Thailand von Platz 19 auf 13 von 181 begutachteten Ländern des Vergleichs im Segment „Doing Business“ . In ASEAN stand Thailand im Ergebnis auf Platz hinter Sin-gapur, das allerdings im weltweiten Vergleich den Rang 1 verteidigte. Hinter Singapur, Hong Kong (4) und Japan (12) verbesserte sich Thailand mit Platz 13 auf Platz 4 im Ge-samtvergleich Asien. Die Verbesserung um stattliche 6 Plätze im internationalen Ver-gleich beruht auf folgenden Faktoren: Einführung der elektronischen Zollabfertigung zur Förderung von Ex- und Importen, Senkung der Unternehmenssteuern zur Förderung von Investitionen, Änderungen der Regelungen von Minderheitsbeteiligungen von börsenno-tierten Unternehmen , Verzicht auf Körperschaftsteuern bei Unternehmen mit Umsätzen unter 1,2 Mio. Bt., Verringerung der Gründungs- und Registrierungszeit von Unterneh-men von durchschnittlich 20 von früher 33 Tagen u.v.m. Um die Position in der Zukunft weiter zu verbessern sollen ein One-Stop-Office für Unternehmensgründungen eingeführt und viele Verfahren und Verwaltungsvorschriften vereinfacht oder abgeschafft werden. Die bereits eingeführte Verringerung der Property Transfer Tax/Fees von 6,3% auf nun-mehr 1,13% wird die Bemühungen untersetzen helfen.
In den übrigen Berichtskategorien ergab die Weltbankstudie ein differenziertes Bild. In der Kategorie „Geschäftsbeginn und Dauer Unternehmensgründung“ fiel Thailand 2008 auf Platz 44 (37) zurück. Eine weitere Verschlechterung ergab sich in der Kategorie Mit-arbeiterbeschäftigung: 56 von 54 in 2007.
Die wichtigsten Zahlen und Ergebnisse im Überblick:
Doing Business 13 19 +6
Starting a Business 44 37 -7
Dealing with Construction Permits 12 13 +1
Employing Workers 56 54 -2
Registering Property 5 20 +15
Getting Credit 68 61 -7
Protecting Investors 11 33 +22
Paying Taxes 82 92 +10
Trading Across Borders 10 51 +41
Enforcing Contracts 25 26 +1
Closing a Business 46 46 0
Marktrestriktionen: Zölle & Abgaben
Thailands komplexes Abgabensystem in Bezug auf Warenimporte belastet die ausländi-sche Exportwirtschaft. Die Gebühren und Abgaben sind hoch. Zwar werden sie innerhalb des ASEAN-Partnerbereichs strategisch in den nächsten 10 Jahren – vorbehaltlich der vollen Umsetzung – auf fast 0% heruntergefahren, was eine erhebliche Dynamisierung verspricht. Im Übrigen liegen allein die Importzölle zwischen 5% und 60%. Weitere Re-striktionen ergeben sich im Bereich der nationalen Standards, z.B. im Bereich der Le-bensmittelkontrolle. Allerdings erhalten Investoren im Rahmen der vom Board of Invest-ment verwalteten Förderinstrumente Hilfestellungen bis Befreiungen auf Importe, die mit späteren Exporten verbunden sein. Seit Mitte des Jahres 2008 unterstützt die Regierung darüber hinaus den Export durch ein Geflecht von Fördermaßnahmen, die sowohl mit Zuschüssen als auch steuerfreien Zulagen verbunden sind. Zuständig hierfür sind sowohl das BOI, das DEP und im Bereich der Steuerbefreiung auf Antrag das Ministry of Finance. Der Standort Deutschland hat sich aus den Gründen der Änderung der Umsatzsteuerge-setzgebung auf den 1.1.2007 für thailändische Unternehmer und Aussteller um 19%-Umsatzsteuer verteuert, da infolge des Fehlens eines Abkommens zur wechselseitigen Vorsteuererstattung die bis dahin mögliche umsatzsteuerfreie Teilnahme an Messeveran-staltungen wegfiel. Eine erhebliche Benachteiligung für deutsche Messegesellschaften, die in ihrer Tragweite noch nicht realisiert wurde .
Belastend bleiben das Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht sowie die Einschränkungen für den Grundbesitzerwerb für Ausländer jenseits der durch das BOI gewährten Vorteile. So sind Ein-Mann-Kapitalgesellschaften nach wie vor ein Problem, müssen in bestimmten Wirtschaftszweigen thailändische Mehrheitsgesellschafter hingenommen werden und stellen sich nach wie vor erhebliche Probleme bei der Gründung von Unternehmen bzw. deren Betrieb durch Ausländer ein, soweit und solange Grundbesitzfragen involviert sind. Aus deutscher Sicht erweist sich vor allem die Zuwanderungsgesetzgebung und Verwal-tungspraxis als Kooperationshindernis. Ein deutscher Manager oder Student wird seine thailändische Ehefrau nur dann nach Deutschland holen können, wenn diese deutsch spricht und „auch sonst dem Verfahren stand hält“, was in nicht wenigen Fällen dazu füh-ren wird, dass deutsche Manager gar nicht erst nach Deutschland zurückkehren oder Un-ternehmen notwendige Investitionen eher im Ausland tätigen, um den bürokratischen Aufwand bei der Visaerteilung etwa für Schulungsmaßnahmen in Deutschland zu vermei-den. Gut qualifizierte Mitarbeiter aus dem asiatischen Ausland können aufgrund der zu-nehmenden Vorbehalte gegenüber dem Standort Deutschland insoweit nicht auf Dauer gewonnen werden. Abgesehen davon zieht es die jungen Thais eher in die USA.
Arbeitslosenquote
Die Gefahr der Verdoppelung der Arbeitslosenquote von 2008 bis 2009 auf 2,5% besteht. 2007 sank sie erfreulicherweise von 1,5% auf 1,4%.
„Die Entwicklung der Lage“
Die Lage in Thailand hat sich nach der Absetzung des MP Somchai Wongsawat durch das Verfassungsgericht zwischenzeitlich zunächst beruhigt. Die „rote Opposition“ zeigt zwar bei bestimmten Anlässen wie jüngst Flagge und kann zur Verunsicherung beitragen. Mehr darf von ihr nicht erwartet werden. Die sich abzeichnenden Veränderungen und Reaktion auf die jüngsten Ereignisse lassen hoffen, obwohl die durchaus extremen Widersprüche in der Gesellschaft noch nicht ansatzweise beseitigt sind.
Die weitere politische Auseinandersetzung wird weiterhin jedoch moderat und trotz allem wie gewohnt „thailändisch“ ausfallen. Sie liefert damit auch einen Vorgeschmack auf das, was latent an erster Stelle zu entscheiden ist und nach Einschätzung derer, die etwas Einblick „in die Verhältnisse hinter dem Vorhang“ haben, bereits entschieden ist. Auf die Wirtschaft wirken sich die Auseinandersetzungen zwar aus. Allerdings werden die Folgen weitaus weniger dramatisch sein als im westlichen Ausland spekuliert wird. Die Finanzkri-se bietet im Gegenteil auch eine Chance: Die dringend nötigen Strukturinvestitionen zur Belebung der wirtschaftlichen Zukunft können angesichts sinkender Zinsen auf den Kapi-talmärkten sehr viel eher und sehr viel preiswerter realisiert werden, ist denn der Wille und die Kraft vorhanden, die verkündeten wirtschaftspolitischen Ziele umzusetzen. Es geht hierbei nicht um das „ob“, es nur um das „wie“. Für Deutschland und seine Unter-nehmen ergeben sich in diesem Zusammenhang strategische Chancen. Deutsche Unter-nehmen sind und bleiben die erste Adresse für Lösungen, die weltweit gesucht werden. Die deutsche Grundposition, den Transfer moderner Technologien als Bestandteil des partnerschaftlichen Umgangs als selbstverständlich einzubeziehen, ist eine vor allem ge-genüber Japan und den USA herauszustellende Vorzugsposition, die angesichts der nega-tiven Erfahrungen Thailands mit FTA-Partnern stärker herausgestellt werden sollte. Aller-dings kann angesichts der japanischen Vorteile in Bezug auf die großzügige Förderung von Infrastrukturinvestitionen nicht erwartet werden, dass ein guter Wille allein ausrei-chend ist, um im Wettbewerb zu bestehen. Leider zeichnet sich die deutsche Politik seit einiger Zeit durch eine unsinnige Ideologisierung ab. Statt pragmatische Gestaltung und aktive Pflege der Beziehungen durch wechselseitige und wiederkehrende Besuche neigt die offzielle Politik eher zur schulmeisterlichen Bevormundung oder aber Passivität. Beide Positionen führen im Ergebnis nicht nur dazu, dass die Wettbewerber Deutschlands ge-nügend Ruhe zur Gestaltung ihrer Beziehungen erhalten, sondern Thailand sicher eher dort beheimatet fühlt, wo Verständnis für kritische politische Situationen besteht. In Chi-na. Thailands Position in Richtung der Einführung einer Alternativwährung gegenüber dem Dollar und dem Euro deckt sich mit der chinesischen Position.
Office of the Honorary Trade Advisor of Thailand in Germany
Eberhard J. Trempel
Spichernstr. 15, 10777 Berlin


















