(openPR) Ein dramatischer Anstieg der Aktivitäten der somalischen Piraten hat dazu geführt, dass sich die Zahl der Überfälle im 1. Quartal 2009 im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres nahezu verdoppelt hat. Dies ist das Ergebnis des heute veröffentlichten Quartalsberichts des International Maritime Bureau (IMB), das zur Internationalen Handelskammer (ICC) gehört.
Insgesamt verzeichnete das IMB Piracy Reporting Centre (PRC) in den ersten drei Monaten dieses Jahres 102 Überfälle, während es im ersten Quartal 2008 lediglich 53 Übergriffe waren. Sogar im Vergleich zum vierten Quartal 2008, als viele Regierungen erstmals Soldaten und Kriegsschiffe vor die Küsten Somalias schickten, ist die Anzahl der Übergriffe um fast 20 Prozent gestiegen.
Der Anstieg im 1. Quartal 2009 ist nahezu vollständig auf die Piraterieaktivitäten im Golf von Aden und der Ostküste Somalias zurückzuführen. Die beiden Gebiete sind für 61 der insgesamt 102 Angriffe verantwortlich. Im ersten Quartal 2008 wurden für diese Regionen lediglich sechs Überfälle gemeldet.
Dem Report des IMB zufolge wurden weltweit 34 Schiffe geentert, 29 beschossen und neun entführt. Insgesamt wurden dabei 178 Seeleute als Geisel genommen, neun verletzt, fünf verschleppt und zwei getötet. In der Mehrheit der Fälle waren die Piraten mit Schusswaffen oder Messern schwer bewaffnet. Ebenso hat die Gewaltanwendung gegen Besatzungsmitglieder weiterhin zugenommen.
„Die Marineeinheiten der verschiedenen Staaten haben eine wichtige Rolle gespielt, um die Piraterie im Golf von Aden zu kontrollieren,“ sagte IMB Director Pottengal Mukundan, “Es ist unabdingbar, dass diese Marineoperationen weiter fortgesetzt werden.“
Im ersten Quartal 2009 wurden 41 Vorfälle schon allein aus der Region um den Golf von Aden gemeldet, dazu zählt auch die Entführung von fünf Schiffen. Im Januar 2009 wurde sogar von sechs angegriffenen Schiffen eines erfolgreich entführt. Diese Quote verringerte sich auf 1:8 im Februar und 1:13 im Monat März. Daraus ergibt sich für das 1. Quartal ein Durchschnittwert von 1:8.
Vor der Ostküste Somalias wurden im 1. Quartal dieses Jahres 20 Überfälle gemeldet, davon ereigneten sich alleine 18 Vorfälle im März, bei denen 4 Schiffe entführt wurden. Im 4. Quartal 2008 gab es in diesem Gebiet sieben Angriffe, die zwei Entführungen zur Folge hatten.
Zusätzlich zu Somalia bleibt Nigeria eine Hochrisikoregion. Im ersten Quartal 2009 erhielt das IMB nur Meldung über sieben Angriffe, obwohl unbestätigten Berichten zufolge möglicherweise 13 weitere Attacken stattgefunden haben könnten. Fast alle Überfälle erfolgten auf Schiffe, die die Ölindustrie unterstützen oder zu ihr in Beziehung stehen.
„Es ist ganz wichtig, dass alle Überfälle vor Nigeria dem Piracy Reporting Center gemeldet werden,” sagt Captain Mukundan. “Nur dies ermöglicht ein akkurates Bild der Lage, das die internationale Gemeinschaft den nigerianischen Behörden präsentieren kann, damit diese dann ihre Durchsetzungsbehörden besser einsetzen und ausstatten.“
Der IMB-Bericht zeigt zudem, dass es in den Küstengewässern von Peru vermehrt zu Vorfällen kommt. Das Piracy Reporting Center vermeldet insgesamt für diese Region sieben Angriffe, die alle nicht abgewehrt werden konnten. Im letzten Quartal 2008 wurden vier Überfälle registriert.
Der Bericht des IMB lobt die indonesischen Behörden für ihre Anstrengungen bei der Pirateriebekämpfung. Im ersten Quartal 2009 gab es dort lediglich einen Überfall – während es im Vergleichszeitraum 2008 noch fünf waren.
Auch wurde im 1. Quartal 2009 nur ein Überfall aus der Straße von Malakka gemeldet. Das IMB würdigte die Bemühungen der Küstenstaaten, diese strategische Route zu sichern. Der Rückgang der Übergriffe in der Region ist auf die erhöhte Wachsamkeit und Patrouillen der angrenzenden Länder sowie die Vorsorge-Maßnahmen an Bord der Schiffe zurückzuführen.
Das IMB ruft alle Kapitäne, Eigner sowie andere Verantwortliche in der Schiffsindustrie dazu auf, alle erfolgten sowie erfolgreich abgewehrten Angriffe von Piraten dem Piracy Reporting Centre zu melden. Die Berichte werden vom Piracy Reporting Centre zusammengestellt und unverzüglich den Durchsetzungsbehörden und Regierungen der betroffenen Ländern zur Verfügung gestellt, um das Ausmaß des Problems in den Gewässern darzulegen und angemessene Maßnahmen auszulösen.






