(openPR) Überleben im Nichts
Riskant, fragil, dramatisch: vom 11.-21. Juni gastiert mit der chilenischen Compañia de Paso ein atemberaubendes Trapezspektakel im Berliner Prater.
Zum Auftakt infernalische Geräusche, als werde gerade der siebte Höllenkreis leergefegt. Kein Tusch. Kein Glitzern. Keine Ansage. Stattdessen schälen sich sechs Akrobaten aus dem Nichts, gehalten von einer filigranen Struktur, einem Metallfachwerk in neun Metern Höhe, an dem sechs Trapeze befestigt sind. Das Gerüst wird von vier Masten getragen, die den Eindruck erwecken, die hängende Kuppel werde von Streichhölzern gestützt. Doch bald sieht man sich anderen Bildern ausgeliefert, “Bildern von unverbrauchter, existentialistischer Schönheit”, wie die Berner Bund-Zeitung anlässlich des Zürcher Theaterspektakels ausrief.
Die chilenische Compañia de Paso entfacht einen einstündigen Reigen radikaler sozialer Konfrontationen im bodenlosen Grenzbereich zwischen Himmel und Erde. Ein “Eckiger Horizont”, der “Horizonte cuadrado” hat die klassische Zirkuskuppel verdrängt und die allgegenwärtige Option, daß die da oben den Halt verlieren könnten, macht das Publikum fast kurzatmig. Denn der Aufenthaltsort der Artisten ist alles andere bequem. Ein kleines Röhrchen gehalten von zwei Seilen, einer Art Bindestrich als schwankender Basis für eine Geschichte von Liebe, Verrat, Macht, Ohnmacht, Gewalt, Leidenschaft, Verzweiflung, Zuversicht und Freude in immer schneller werdenden Sequenzen, in denen extreme Situationen dekliniert, zugespitzt und wieder aufgelöst werden, bis sich alle Artisten auf einem einzigen Trapez zusammenfinden, um den “Eckigen Horizont” zu erklimmen. Ein Unding, eine vollkommene Unmöglichkeit, die spätestens in der finalen Herausforderung die Grenzen der menschlichen Kondition sichtbar macht, denn der Himmel ist eng und Enge macht Angst.
Immer wieder neu variiert die Compañia de Paso das Dilemma menschlicher Anfechtungen. Und leicht und mühelos sieht bei ihnen noch das Schwerste aus. Ein kurzer Schrei. Ein wütendes Keuchen. Erotische Harmonie. Poesie und Trapez, beide bewahren ein ästhetisches Rätsel.
Ein Muss für jeden, der noch nie subversive Trapezkunst gesehen hat und ein Genuss für den, der Tanztheater ohne Boden bis jetzt für eine Fiktion hielt. (SU)
Der Eintritt in den Garten des Praters ist frei, vor der Bühne hat man beste Sicht auf das Geschehen, dort stehen Liegestühle für 10,- und Stühle für 5,- Euro zur Verfügung.
Termine:
11.-13. Juni, 21:30
14. Juni, 18:00
17.-20. Juni, 21:30
21. Juni, 18:00
Mehr unter: www.compania-paso-berlin.de













