(openPR) In der größten Demokratie der Welt finden die Wahlen zur Lok Sabha, dem indischen Unterhaus, das den Premierminister wählt, vom 16. April bis 13. Mai 2009 statt. Das Ergebnis wird dann am 16. Mai bekannt gegeben – die Wahl dauert insgesamt also genau einen Monat. Die Wahlkommission geht von 714 Millionen Stimmberechtigten aus – zum Vergleich: Bei den Deutschen Bundestagswahlen im Herbst 2009 werden 62,2 Millionen stimmberechtigt sein.
Die Wahlen in Indien sind also ein gigantisches Unterfangen – doch schon jetzt scheint fest zu stehen, dass sie nur der Auftakt für komplexe politische Verhandlungen zur Koalitionsbildung sind. Zwar dominieren die beiden großen Parteien, die regierende indische Congress-Partei und die oppositionelle Bharatiya Janata Partei (BJP), das politische System. Doch keine der beiden Parteien hat eine realistische Chance auf eine absolute Mehrheit. Das lässt viel Raum für kleinere, meist regional aktive Parteien. Diese werden letzten Endes auch über das Schicksal der beiden aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Premierministers entscheiden.
Für die Congress-Partei geht Amtsinhaber Manmohan Singh nochmals an den Start. Er war in den 1990ern für die erfolgreiche Liberalisierung der indischen Wirtschaft verantwortlich und wurde von Sonia Gandhi, Siegerin der letzten Wahlen 2005, als Premierminister verankert. Für die BJP geht L.K. Advani ins Rennen, dessen Macht auf den Aktivitäten hindu-nationalistischer Organisationen beruht, durch deren Kader er sich bis zur Parteispitze hochgearbeitet hat.
Das Brisante an beiden Kandidaten: Manmohan Singh ist bereits 76 Jahre alt und nicht immer der Gesündeste, L.K. Advani ist bereits 81 Jahre alt. Und das bei einer Wählerschaft, die zu den jüngsten der Welt gehört – allein der Zuwachs an Wählern gegenüber den letzten Wahlen 2005 beträgt 43 Millionen, alles junge Menschen, die auch laut Umfragen jüngere Kandidaten präferieren würden.
Deshalb versuchen schon jetzt etliche Konkurrenten, sich in Stellung zu bringen. Es hat sich eine „dritte Front“ gebildet, die den etablierten Parteien Paroli bieten möchte. Ihr Problem ist allerdings die mangelnde Organisationsstruktur – zu viele Parteien und Politiker, die sich nur schwer auf eine einheitliche Politik und gemeinsame Kandidaten verständigen können.
Doch deren Stunde wird nach den Wahlen kommen, wenn sowohl Congress als auch BJP um ihre Gunst buhlen müssen. Von den in Indien traditionell recht vollmundigen Wahlversprechen wird man sich wohl schon in dieser Phase von etlichen verabschieden müssen – zu inkompatibel sind die Vorstellungen.
Eine Interpretation der Wahlen aus deutscher Sicht wird also noch etwas Zeit brauchen. Aber Indiens Wähler und Politiker müssen am Ende dennoch auch für Deutschland wichtige Fragen beantworten: Wird die säkulare Politik fortgesetzt oder erleben wir ein Erstarken des Hindu-Nationalismus? Inwiefern gelingt es, hunderte Millionen Armen an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes teilhaben zu lassen? Welchen Weg schlägt Indien zur Bekämpfung der Finanzkrise ein, welche Maßnahmen wird es in puncto Umweltschutz ergreifen?
madhyam consulting wird die Wahl auf der Internet-Seite www.indien-beratung.net kommentieren – und steht für Ihre Anfragen jederzeit zur Verfügung.










