(openPR) Vorbei sind die Zeiten, in denen sich gute Tropfen unter anderem durch einen hohen Alkoholgehalt auszeichneten. Stattdessen sind leichte Rotweine in aller Munde. „Cool Climate“ heißt das Schlüsselwort: Weinbau unter gemäßigten Klimaverhältnissen, der zum Beispiel feine, aromatische Rotweine mit maximal 13 Volumenprozent hervorbringt. Die internationale Fachmesse für Weine und Spirituosen ProWein beschäftigte sich in diesem Jahr mit dem Thema. So griff die zentrale Verkostungszone das Thema im Rotwein-Bereich auf und präsentierte hier ausschließlich leichte Rotweine.
Kühles Klima beeinflusst Aroma-, Alkohol- und Farbstoffgehalt
Ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein, Spaß an modernem Weingenuss und die leichte, aromatische Küche von heute prägen den aktuellen Geschmack der Konsumenten in Sachen Wein. „Cool Climate“ lautet da die Antwort der Winzer. Insbesondere der Rotweinanbau in gemäßigten Klimazonen gewinnt international zunehmend an Bedeutung. Denn der Trend geht zu bekömmlichen und frischen Rotweinen mit klarer Frucht. Die langsame Zuckerbildung ist der Grund für den meist geringen Alkoholgehalt. Auch die Aroma- und Farbstoffentwicklung sowie der Tanninanteil werden von den kühleren Bedingungen beeinflusst.
Berge und Meer – die typischen Cool Climate-Gebiete
Der Anbau von Weinen in gemäßigtem Klima ist nicht neu. In den meisten europäischen Ländern, so auch in Deutschland, wurden bereits vor mehreren Jahrhunderten die kühleren Regionen bepflanzt. Auch die Länder der Neuen Welt, deren Klima deutlich heißer und trockener als das der meisten europäischen Nationen ist, setzen mittlerweile verstärkt auf die Cool Climate-Vitikultur: Die dortigen Winzer versuchen, den Stil der filigranen europäischen Weine aufzugreifen und verlagern ihre Anbaugebiete in höhere Bergregionen sowie Täler, die durch kühle Meeresluft gemäßigte Temperaturen erhalten. Ob die Walker Bay in Südafrika, die Adelaide Hills in Australien oder das chilenische Valle de Casablanca – in beinah jedem Land gibt es Cool Climate-Regionen, deren leichte, aromatische Weine den Vergleich mit europäischen Tropfen schon lange nicht mehr scheuen müssen.
Winzer mit neuem Selbstverständnis suchen nach kühlen Lagen
Bislang gibt es allerdings keine klare Abgrenzung des Cool Climate-Begriffs, die beispielsweise eine Maximaltemperatur festlegt. Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen Fachjargon, der von der Branche mehr und mehr positiv verwendet wird. „Das Selbstverständnis der Winzer hat sich diesbezüglich sehr verändert. Hätte man vor dreißig Jahren einem Winzer gesagt, er produziere Cool Climate-Weine, wäre das einer Beleidigung gleichgekommen“, erklärt Prof. Dr. Hans-Rainer Schultz vom Institut für Weinbau und Rebenzüchtung der Fachhochschule Wiesbaden. „Heute – im Kontext der Globalisierung – hat „Cool Climate“ einen durchaus positiven Touch. Die Winzer suchen sogar ganz bewusst nach kühleren Lagen, in denen sie die sorten- und produktspezifischen Merkmale ihrer Weine optimal herausarbeiten und auf diese Weise konkurrenzfähig bleiben können“, so Schultz.













