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Mit Optimismus nach Hannover

23.03.200908:06 UhrIndustrie, Bau & Immobilien

(openPR) NSK bereitet sich zurzeit intensiv auf die Messepräsentation in Hannover vor und will die Gelegenheit nutzen, die Marktpräsenz zu verstärken. Auf der Messe wird nicht nur das umfassende Wälzlagerprogramm, sondern auch die Engineering-Kompetenz vorgestellt, die man anspruchsvollen Zielbranchen wie der Windkraft-industrie bietet. Dr. Jürgen Ackermann, Geschäftsführer der „European Bearings Business Unit“, d.h. der Wälzlagersparte der NSK Europe Ltd. mit Sitz in Ratingen, nimmt Stellung zur Marktposition und Strategie von NSK im europäischen Markt.



Herr Dr. Ackermann, bitte stellen Sie den Lesern kurz das Unternehmen und seine Wälzlagersparte vor!

NSK gehört zu international führenden Wälzlagerherstellern. Im Heimatmarkt Japan sind wir klar die Nummer Eins, weltweit unter den ersten Drei – mit zu-nehmend stärkerer Präsenz in Europa. Die Wälzlagersparte für industrielle An-wendungen ist allerdings nur einer von vier NSK- Geschäftsbereichen. Ein zwei-ter Geschäftsbereich ist die Lineartechnik, die Kugelführungen und Linearführun-gen vor allem für den Werkzeugmaschinenbau anbietet. Außerdem gibt es eine Automobilzuliefer-Sparte, die Wälzlager für Automobilanwendungen und kom-plette Pkw-Lenkungssysteme entwickelt und fertigt.

In Europa treffen Sie auf starke und große Wettbewerber und im deutschen Maschinenbau auf besonders anspruchsvolle Kunden. Wie positionieren Sie sich hier, welche Vorteile können Sie in die Waagschale werfen?

Wir bieten das volle Sortiment und sind sehr breit aufgestellt – das ist es, was vie-len Kunden und auch Handelspartner schätzen. Wir bieten herausragende Pro-duktqualität und besondere Produktspezifikationen als Differenzierungsmerkmale. Allerdings haben wir ergänzend dazu vor etwa fünf Jahren eine Strategie imple-mentiert, nach der wir uns auf Industrien fokussieren, in denen Wälzlager ein we-sentliches Bauelement darstellen und in denen wir als Wälzlagerhersteller auch entsprechenden „added value“ bieten können.

Welche Branchen sind das?

Zu den Anwenderbranchen, in denen wir besondere Kompetenz bieten, gehören Industriegetriebe, Pumpen und Kompressoren, Werkzeugmaschinen, die Stahlin-dustrie und die Windenergie, die für uns der größte Wachstumsbereich ist

Die Kunden in diesen Bereichen wollen ja sicherlich nicht „aus dem Regal“ bedient werden, sondern Sie müssen hier Engineering-Arbeit leisten.

Genau das ist die Strategie, und wir haben auch ein hohes Maß an branchenspezi-fischem Know-how aufgebaut. Wir kennen die spezifischen Probleme der Wälz-lager-Anwendung und arbeiten daran, sie mit den Möglichkeiten unseres Hauses zu beseitigen.

Dabei werden auch konstruktive Aufgaben zu lösen sein. Was hat NSK den Kunden in diesem Bereich, d.h. in der Forschung, Entwicklung und Erprobung, zu bieten?

In der zentralen Forschung und Entwicklung in Fujisawa, etwa eine Autostunde von Tokio entfernt, beschäftigen wir rund 1600 Mitarbeiter. Um dieses Know-how stärker auch für Kundenprojekte zu nutzen, bauen wir zurzeit unser europäi-sches Technologiezentrum hier in Ratingen weiter aus. Wir werden also in Kürze sehr viel intensiver z.B. kundenspezifische Versuche durchführen und umfassen-dere Engineering-Dienstleistungen bieten können.

Gibt es besondere F&E-Kompetenzen von NSK?

Wir betreiben sehr intensive Grundlagenarbeit in der Werkstofftechnik und haben auch eine eigene Schmierstoff-Entwicklung. Die japanischen Tugenden der Konsequenz und der Fokussierung auf Details bringen bei der Weiterentwicklung eines so etablierten Produktes wie dem Wälzlager oft geradezu erstaunliche Er-gebnisse: Die Innovation steckt im Detail!

In welchen Anwendungsbereichen oder Produktgruppen haben Sie in den vergangenen zwei Jahren überproportionales Wachstum erzielt?

Besonders stark gewachsen sind wir in den eingangs genannten anspruchsvollen Zielbranchen, in denen wir über besondere Engineering-Kompetenz verfügen. Dies zeigt, dass die Strategie der Fokussierung richtig war.

Wenn man die Idee weiterdenkt, wäre eine immer stärkere Spezialisierung die Folge. Ist das gewollt?

Wir werden auch in Zukunft ein Vollsortimenter bleiben: Ein Unternehmen mit einem Umsatz von umgerechnet 6 Mrd. € ist zu groß, um ausschließlich Spezialist zu sein. Wir werden also unser Basisgeschäft nicht vernachlässigen, zumal wir über ein sehr breites Programm und ein weltweites Netz von „schlanken“ und flexiblen Fertigungsstätten verfügen. Zugleich aber bauen wir die Differenzierung in den Zielbranchen aus und bieten den Kunden hier Zusatznutzen, den man auch in Euro und Cent beziffern kann.

Der Trend zu immer höheren Anforderungen z.B. in puncto Leistungsdichte und Verfügbarkeit in vielen Branchen müsste doch zur Folge haben, dass sich das Angebot an Wälzlagern immer weiter ausdifferenziert. Ist das so? Und wie rea-gieren Sie darauf?

Dieser Trend ist deutlich spürbar: Es gibt häufiger Spezialwälzlager für definierte Branchen oder Kunden. Das ist ein Teil der Differenzierung, die zu unserer Stra-tegie gehört.

Bezieht sich diese Strategie auch auf die Endanwender von Wälzlagern, indem sie diese z.B. bei der Auswahl der „richtigen“ Lager und der Optimierung des La-gereinsatzes im Betrieb unterstützen?

Wir betreiben ein umfassendes Application Engineering – zum Beispiel in den Bereichen Baumaschinen und Aufbereitungstechnik – das auch in Verbindung mit dem Handelsgeschäft sehr gut ankommt. Der sogenannte MRO-Bedarf (Main-tenance Repair Operations) bietet für uns große Marktpotenziale und aus Kunden-sicht große Verbesserungspotenziale im Hinblick auf Produktivität, Standzeit und Kosten.

Wie hat man sich dieses Engineering konkret vorzustellen?

Einer unserer Application Engineers für die jeweilige Branche besucht gemein-sam mit dem Händler den Endkunden, analysiert die Anwendung und gibt – oft in Abstimmung mit dem Technologiezentrum – Empfehlungen für die optimierte Lagerauswahl. Hier ist übrigens ein Vollsortiment eine wichtige Voraussetzung, weil die Endanwender nicht mit unterschiedlichen Lieferanten zusammenarbeiten möchten.

Die Energieeinsparung ist in der Antriebstechnik zurzeit ein allgegenwärtiges Thema – auch für NSK und Ihre Kunden?

Auf jeden Fall: Unsere Kunden fragen nach energiesparenden Lösungen, und es gibt eine ganze Reihe von entsprechenden Produkten aus unserem Hause. Das gilt für die Lagerung von Großgetrieben ebenso wie für die Massenmärkte – zum Bei-spiel haben wir „Low friction“-Lager für Haushaltgeräte entwickelt. Auch hier liegen die Lösungen in konsequenter Detailarbeit.

Sie sprachen die Fertigungsstätten an: Wo werden die in Europa verkauften Wälzlager gefertigt? Und gibt es aktuelle Investitionen in die Produktion?

Wertmäßig betrachtet, stammen rund 50% der in Europa verkauften Wälzlager aus europäischen Produktionsstätten. Investitionen tätigt NSK zurzeit vor allem in die Produktion von Großwälzlagern, die vorwiegend in der Windkrafttechnik ein-gesetzt werden. Hier haben wir in den vergangenen beiden Jahren rund 150 Mio. € in Produktionskapazitäten investiert – und die nächste Erweiterung ist schon beschlossen.

Sie präsentieren sich auf Ihrer Website und in Hannover in neuem Erscheinungs-bild – warum?

Kunden- und Marktbefragungen zeigen uns, dass unsere Kunden sehr zufrieden sind mit unserer Arbeit. Gerade diejenigen Kunden, die wir mit Engineering un-terstützen, sind regelrecht begeistert. Aber bei vielen potenziellen Kunden ist un-ser Unternehmen und sein Leistungsspektrum nicht hinreichend bekannt. Das wollen wir ändern und neue Marktanteile gewinnen. Dazu gehört auf der Marke-ting-Ebene auch ein frischerer, klarerer Auftritt und eine Website, die dem Besu-cher vielfältige und nützliche Informationen liefert.

Welche Schwerpunkte setzen Sie auf der Hannover Messe?

Wir präsentieren uns als Vollsortimenter und als Spezialist in den genannten Ziel-branchen und stellen dabei den Nutzen für den Anwender in den Vordergrund.

Wie wirkt sich die aktuelle Krise auf Ihr Geschäft aus?

Natürlich spüren auch wir die gegenwärtigen Krise. Wir haben daher unsere Fer-tigungskapazitäten angepasst – schnell und konsequent. Wir halten unsere Kos-tenstrukturen im Griff und gehen auch hier mit japanischer Gelassenheit zu Wer-ke, die vermeidet, dass wir überreagieren oder unsere Leistungsfähigkeit ein-schränken. Wir werden die geplanten Investitionen z.B. in das Technologiezent-rum in Ratingen tätigen und stellen auch unsere Messepräsenz in Hannover nicht in Frage. Denn was vor einem halben Jahr strategisch richtig und wichtig war, ist auch heute noch richtig.

Welche Erwartungen haben Sie – vor dem Hintergrund der aktuellen Krise – an die Hannover Messe?

Für einen Hersteller mit einem Potenzial wie NSK, aber einem deutlich ausbaufä-higen Marktanteil in Europa bietet die Krise auch Chancen: In der jetzigen Situa-tion sind die Maschinenbauer eher bereit, neue Wege zu gehen, ihre Konstruktio-nen zu optimieren und ihre Lieferanten zu wechseln. Wir sind sowohl willens als auch in der Lage, diese Chancen zu nutzen. Deshalb sind wir sehr optimistisch, was die Messe betrifft: Für uns kommt sie zur richtigen Zeit.

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